100 % Lagerfeld

lagerfeldIch fand den Designer ja schon immer interessant. Ein wenig eigen (- okay, eher mehr als nur ein wenig – ), minimal merkwürdig und auch ein bisschen unsympathisch, wenn ich ehrlich bin. Mit „Karl und wie er die Welt sah: Karl Lagerfeld in unvergesslichen Zitaten“ wurde ihm nun ein Denkmal gesetzt und ich habe die Möglichkeit, mein Bild von ihm vielleicht noch einmal zu überdenken.

Erst einmal bin ich doch ein etwas überrascht, weil das Buch tatsächlich nur aus Zitaten besteht – abgesehen von einem kleinen Intro, in dem ein paar Worte zum Meister und seinem Verhältnis zum Wort und den Medien fallen. Und dann geht es tatsächlich nur noch um das, was er gesagt hat. Über das Leben, die Mode, den Stil, sich selbst, den Körper, Luxus, Chanel und und und. Etliche Dinge wiederholen sich und werden leider in nahezu identischer Form in mehreren Kapiteln abgebildet. Aber abgesehen davon, unterhält mich das kleine Büchlein tatsächlich ganz nett. So ganz ohne Zusammenhang hängen die Zitate dann aber teilweise ein bisschen in der Luft. Da ist weniger im Sinne des Reduzierten doch nicht mehr. Gut gefallen mir die Sätze „Ich lebe sehr gut mit mir selbst, das ist der allergrößte Luxus“, „Ich habe keine Probleme. Das ist das Wunder meines Lebens. Es gibt keine Probleme, nur Lösungen – gute oder schlechte“ und „Über die eigene Vergangenheit zu jammern, ist der Anfang einer fehlenden Zukunft“. Dass ich ihn trotzdem nach der Lektüre nicht unbedingt sympathischer finde, liegt an Sätzen wie „Mein Ziel ist seit jeher, mehr zu arbeiten als die anderen, um ihnen ihre Überflüssigkeit vor Augen zu führen“, „Ich bin umgeben von jungen und schönen Menschen. Der Anblick von Hässlichkeit ist mir ein Graus“, „Wer keine elegante Erscheinung ist, bei dem hilft auch das eleganteste Kleid nicht“, „Ich bilde mir ein, die Bescheidenheit selbst zu sein“ und „Reue und Bedauern kenne ich nicht. Was die Vergangenheit angeht, habe ich Gedächtnisschwund.“
Andererseits gewähren diese gesammelten Zitate auch einen guten Einblick in diesen Menschen, der für seine Umwelt tatsächlich nichts anderes sein wollte, als ein optimales Kunstwerk. Unnahbar, unergründlich und unerschöpflich wandelbar. Sein teils sehr nüchterner und selbstkritischer Blick auf der einen Seite, die überzogene gottesähnliche Selbstwahrnehmung auf der anderen Seite. „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“, schrieb einst Goethe und so ähnlich scheint das hier auch zu sein. Zwiespältig und dabei doch mit sich im Reinen und mit seinem Leben zufrieden. Ich gebe zu, ich kann ihn nach wie vor nicht einschätzen …. aber spannend und interessant finde ich ihn jetzt noch mehr als zuvor. Vielleicht sollte ich mich dann doch mal noch mit einer Biografie Lagerfelds auseinandersetzen, um die Unstimmigkeiten aufzudröseln.
Für alle Lagerfeld-Fans ein schönes und unterhaltsames Werk. Alle anderen leben auch ganz gut ohne.