Knödel so weit das Auge reicht … (und noch ein bisschen weiter)

BildWährend in meiner Kindheit regelmäßig immer Nudeln, Kartoffeln, mal Reis oder auch sehr selten Pommes aufgetischt wurden, gab es ein ganz großes Hightlight das quasi nur an Feiertagen zubereitet wurde: Knödel. Bei uns als Semmelknödel und Marillenknödel (Kartoffelknödel mit einer Mirabelle in der Mitte, die statt Kern einen Zuckerwürfel enthält und sich während des Garungsprozesses in eine wunderbar süße, fruchtige fast flüssige Füllung verwandelte) heißbegehrt und verehrt. Sicherlich hätte es das häufiger gegeben, wenn Papa nicht jedes mal so getan hätte als würden wir ihn bitten, den Mount Everest in kurzen Hosen zu besteigen…. Und fast hätte ich sie vergssen, dabei waren sie immer die Krönung unserer Bayernwald-Urlaube: Germknödel mit Pflaumenmus gefüllt und dazu Vanillesoße …

Kein Wunder also, dass mich das Buch „Das Beste aus der Knödelküche. Rezepte von pikant bis süß“ sofort neugierig machte und in Kindheitserinnerungen schwelgen ließ. Besagtes Werk ist beim Pichler Verlag erschienen und stammt aus der Feder von Restaurantleiterin Ingrid Pernkopf und dem mittlerweile verstorbenen Kochbuchautor, Gourmetkritiker und Kolumnist Christoph Wagner. Auf sage und schreibe 192 Seiten gibt es nichts als Knödel – wow. Von klassischen Grieß- und Grammelknödeln bis hin zu süßen Köstlichkeiten mit Obst und Schokolade alles, was die österreichische Knödelküche so lecker macht, ist hier aufgeführt. Und während der Knödel für mich bislang entweder Beilage oder Nachtisch war, beweist dieses Buch eindrucksvoll, dass der Knödel eigentlich ALLES ist – ein wahrer Tausendsassa eben. Ob Beilage, Vorspeise, Hauptgang, Nachtisch, Suppeneinlage und und und. Auch die Zubereitsungsarten, die Teige und die Füllungen sind so vielfältig, dass man quasi ein Jahr lang jeden Tag Knödel essen kann ohne sich im Rezept wiederholen zu müssen. Die gute Frau Pernkopf weiß halt auch, wovon sie spricht bzw schreibt, denn immerhin betreibt sie seit über 20 Jahren mit ihrem Mann ein renommiertes Landgasthaus in Österreich, in dem Knödel quasi zur Grundnahrung gehören. Um nur einen kurzen Eindruck dessen zu vermitteln, was einen erwartet: Spinatknödel, Bierfleischknödel, Couscous-Knödel, gebackene Reisknödel, Grünkernknödel, Maroniknödel, Mohn-Glühweinknödel und Cassata Knödel sind nur einige der kreativen Knödelvarianten, die den Leser verführen. Anschaulich erklärt die Autorin die Zubereitung der Teige und was zu beachten ist – ein Buch, das sich also auch für Anfänger eignet. Wer ein möglichst großes Angebot an Varianten schätzt, wird hier mehr als glücklich. Ich für meinen Teil vermisse ein wenig die Bebilderungen. Ganz klar, bei der Menge an Knödelrezepten und den unzähligen Variantenvorschlägen, bleibt einfach nicht viel Platz – schade. Ich hätte lieber auf ein paar davon verzichtet und stattdessen noch ein paar der ansprechenden Bilder gewählt. Trotzdem ein rundum gelungenes Buch, das auch für die Nicht-Österreicher danke angehängtem Glossar kein Buch mit sieben Siegeln ist.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆

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