Von einer, die auszog, das Kochen, Backen und die französische Sprache zu lernen…

madameAusnahmsweise hatte ich diesmal auf meinem Nachttisch ein Werk liegen, das gänzlich ohne Bilder auskam. Okay, es war auch kein Koch- oder Backbuch im eigentlichen Sinne, sondern ein Buch, das sich gewissermaßen mit der Theorie beschäftigt. Klingt irgendwie trocken? Nö! „Madame ist willig, doch das Fleisch bleibt zäh: Wie ich in Paris kochen lernte, ohne dabei jemanden umzubringen“ hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wer jetzt denkt, dass sich das so ein bisschen pseudo-lustig anhört, dem kann ich versichern, dass es das definitiv nicht ist. In einer mir sehr angenehmen Art und Weise erzählt die Autorin vom beruflich bedingten Umzug nach Paris (der Gatte bekam eine Stelle dort angeboten) und den Tücken des französischen Alltags. Ich selbst kann es mir zwar nicht vorstellen, dass man tatsächlich über 40 Jahre durchs Leben gehen kann, ohne zumindest die Basics des Kochens und Backens zu beherrschen, aber die gute Frau meint mit „Grundkenntnissen“ nicht das, was ich darunter verstehe…. Wenn Sie von Ihren Problemen, Schokpudding zu kochen, berichtet, denk ich eben erstmal “ Tüte auf und rein in die Milch“ – Sie redet aber von komplett! selbst machen.Und noch nicht einmal das habe ich bis vor Kurzem hinbekommen, weil ich jahrelang der felsenfesten Überzeugung war, dass es irgendwann doch gelingen wird, das Puddingpulver ohne vorheriges Auflösen direkt in die Milch zu geben und ein KLUMPENFREIES Ergebnis zu erzielen. Nach 30 Jahren habe ich die Forschungs- und Experimentenreihe „Charlottes Klümpchencreme“ erfolglos beendet und halte mich an die Vorgabe des Herstellers.
Auch Neudeckers Entschluss, sich als erstes an Tafelspitz zu versuchen – ich hätte halt eher mit Nudelsuppe gerechnet 😀 Sei’s drum. Das Buch ist unglaublich unterhaltsam, ich hab ziemlich viel vor mich hingegrinst und mich bestens danei amüsiert wie der Göttergatte über Wochen hinweg allabendlich ein ums andere Mal ohne Murren den „Tafelspitz“ oder wie man die Ergebnisse nennen soll, vertilgt. Aber es geht natürlich nicht nur ums Essen, sondern auch um das Drumherum, also die Franzosen an sich, Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und Ähnliches. Für alle, die ein Buch suchen, das der kurzweiligen Unterhaltung dient und auch mal ein paar Tage liegen kann ohne, dass man danach nicht wieder reinkommt, ist „Madame ist willig, doch das Fleisch bleibt zäh.“ hervorragend geeignet. Was ich besonders schön finde: Im Anhang sind sämtliche Rezepte, die erfolgreich umgesetzt wurden in idiotensicherer Version abgedruckt. Eine perfekte Voraussetzung also, um das Beschriebene nachzuvollziehen und vielleicht in naher Zukunft tatsächlich auch mal Pudding wirklich SELBST zu machen 🙂

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