Dips adios, welcome Chutneys

relishKlar, Dips gehen immer und Rohkost auch. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, wollen wir im Winter doch statt frischer, quarkiger Dips und gesundem, figurbewusstem Gemüse lieber ein paar weiche, warme Chutneys zu Klösen, Gans und Co. Ich für meinen Teil bevorzuge bei kalten Temperaturen eben eher samtige weiche Texturen mit würzigen, winterlichen Aromen und die findet man oft in diesen eingekochten Leckereien. „Chutney, Pesto & Relish. Kleine feine Sachen“ von Usch von der Winden, erschienen im Fackelträger-Verlag, kommt da genau richtig und darf postwendend Einzug in meine Küche halten. Man sollte sich bei den Rezepten an die saisonalen Gegebenheiten halten, denn im Winter mit Erdbeeren arbeiten zu wollen, macht einfach wenig Sinn und so müssen ein paar der Vorschläge eben ein wenig warten. Auf das Rezept „Erdbeer-Minz-Chutney“ freue ich mich dann eben schonmal für den Sommer, ebenso wie auf  „Rhababer-Himbeer-Apfel-Chutney“. Der Großteil der Rezepte passt allerdings hervorragend zum Jahresende, wenn Äpfel, Pflaumen, Zucchine und Kürbis frisch vom Feld in den Geschäften zu bekommen sind. Für den Kürbis gibt es sogar drei Rezepte, was mich als Kürbisfan besonders freut. Angeboten werden eine herzhaft-scharfe Variante mit Knoblauch und Peperoni, eine süßlich-scharfe Variante mit Apfel, Cayenne, Ingwer und Curry sowie eine weitere orientalisch-süße Version mit Äpfeln, Tomaten, Orangen, Rosinen und Zimt. Ich entscheide mich für die letzte Möglichkeit und muss sagen, die Zubereitung ist denkbar einfach: Kürbis zerlegen, alle Zutaten in zerkleinerter (und gegebenenfalls geschälter Form) in einem Topf mischen, kochen und abfüllen. Einfacher geht es wirklich nicht. Es riecht himmlisch, sieht appetitlich aus und wird sich unter dem Weihnachtsbaum ganz hervorragend machen. Aber werfen wir noch einen Blick auf die beiden anderen Kapitel des Buches: „Pesto“ und „Relish“. Ich gebe zu, ich bin beeindruckt. Während im Fernsehen noch jeder Profi- und Pseudoprofikoch sich überschlägt, weil er statt normalem Basilikumpesto die geniale Idee hatte, ein Pesto mit Pinienkernen, Bärlauch und Minze zu machen, öffnen sich einem hier wirklich neue Welten. „Feldsalat-Pesto“, Zitronenmelisse-Pesto“, „Rosmarin-Pesto“ oder „Ricotta-Walnuss-Pesto“ – Leute das ist mal wirklich neu! pestoDie obligatorischen „Bärlauch-Pesto“ und „Oliven-Pesto“ finde ich zwar auch hier, aber da das eben bei weitem nicht alles ist, kann ich damit gut leben. Und auch hier ist die Zubereitung kein Hexenwerk: Alles in einen hohen Becher geben, pürieren, abfüllen, fertig. Schön! Bei zwei Rezepten stoße ich jedoch an meinen Tellerrand des Horizonts: „Vogelmiere-Pesto“ und „Giersch-Pesto“ – ein klarer Fall für google und eine Erweiterung  meines kulinarischen Wissens. In der letzten Abteilung finden wir nicht nur Relish, sondern auch Ketchup und Mixed Pickels. Letzteres ist zwar sehr stark Geschmackssache, aber ich finde es mittlerweile, wenn es gut gemacht ist, ganz lecker. „Ananas-Ketchup“ und „Kirsch-Relish“, Zitronen-Relish“ und „Oliven-Karotten-Mixed-Pickles“ überzeugen durch die Bank an Originalität und einfacher Umsetzung. Ich bin begeistert. Für mich als Anfänger im Bereich „einkochen & co“ ist das Buch perfekt, denn die Zutatenliste ist nicht ellenlang, man braucht keine Zutaten, die man nur importiert über irgendeinen Spezialhandel in Venezuela bekommt und die Zubereitung selbst ist ein Klacks. Schade finde ich ein bisschen, dass manche Rezepte nur ein paar Wochen haltbar sind (bei manchen Versionen ist das Eingemachte allerdings auch mindestens sechs Monate haltbar) und daher nicht im wirklich großen Stil für den Vorratskeller hergestellt werden können, aber in Anbetracht der Tatsache, dass sich alle Rezepte wirklich einfach und schnell umsetzen lassen und ich dafür nicht tagelang in der Küche stehe und stundenlang alles köcheln lassen muss, ist dieser Punkt zu verschmerzen. Insgesamt ein absolut überzeugendes Werk. Danke Usch 🙂

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆

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