„Raus aus meiner Küche“ – ein Einzelkind kocht

zweiEs gibt so Dinge, die haben für mich schlichtwegs nichts in der Küche zu suchen: Geschmacksverstärker, M****-Fix-Produkte, mein Kater (der ist trotzdem immer drin) und mein Freund. Warum ich meinen Freund nicht in der Küche haben mag? Bei  mir ist die Küche mein Reich,  mein Rückzugsort, mein Naherholungsgebiet und meine geheime Hexenkammer, in der ich nicht beobachtet werden möchte und ohne kritische Kommentare vor mich hinwerkeln kann. Steht meine bessere Hälfte neben mir, höre ich, wie er angesicht meiner Schneidetechniken scharf die Luft einzieht, beim Anblick wie ich spontan alle möglichen Gewürze in einen Topf kippe, die Augen verdreht und sobald ich mit Chilli anfange, schwer schluckt. Ich bin ein „Nach-Bauch-Kocher“ und der mag in der Küche gerne seine Ruhe. Dass das nicht unbedingt zur Zweisamkeit eines Pärchendaseins beiträgt, weiß ich schon und hoffe daher, dass mir „Zwei in der Küche. Kochbuch für glücklich Paare.“ von Christie Dufault und Jordan Mackay verfasst und im Hölker Verlag erschienen, den entscheidenden Leitfaden liefert, diesem Problem Abhilfe zu schaffen. Da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht, haben die beiden sieben ganz unterschiedliche Pärchen zusammengetrommelt, die in den einzelnen Kapiteln Rezepte und Geheimnisse des gemeinsamen Kochens preisgeben. Die Idee finde ich als „Einzelkocher“ schon mal sehr schön und auch der erste Eindruck des Buches, dessen Cover ein wenig altmodisch anmutet, überzeugt. Zuerst stellen sich die Autoren vor, danach werden die anderen Paare kurz porträtiert, die zum Großteil beruflich eng mit dem Thema „Essen“ verbunden sind. Aufgeteilt ist das Buch in die Kapitel „Frühstück & Brunch“, „Drinks & Snacks“, „Abendessen für zwei“, „Kochen für Gäste“ und „Festtagsküche“. Wer, wie ich, dankbar für den ein oder anderen Tipp ist, der es einem erleichtert, den anderen nicht bei der ersten Unstimmigkeit aus der Küche werfen oder mit dem Messer bearbeiten zu wollen, der wird fündig: „Zwei Köche in der Küche“ und „Zusammen Gastgaber sein“ liefert Tipps, mit denen sich die ersten Streiterein von vornherein vermeiden lassen. Besonders gut gefällt mir die Mischung der optischen Gestaltung des Werkes, denn neben appetitlichen Food-Bildern lockern Illustrationen und Fotocollagen der kochenden Pärchen die Rezeptsammlung auf.  Interviews der Teilnehmer, in denen Sie zum Beispiel Lieblingszutaten, was immer in ihrem Kühlschrank sein muss oder, was das Lieblingsessen für die Seele ist, geben dem Buch eine zusätzliche persönliche Note und irgendwie hat man beim Durchblättern das Gefühl, dass man die Köche dabei so ein bisschen kennenlernt. Die Rezepte (z.B. Frittata mit Pilzen, Ziegenkäse und Kräutern; Crudites mit Zaziki und Dip aus gerösteten Auberginen, Gebratene Garnelen mit Spargel, Zitronengras und Minze) sind kein Hexenwerk, die Zutaten sind gut zu beschaffen und reißen meist auch kein Loch in die Haushaltskasse – alles machbar! Ich persönlich teste aber erstmal ganz klein mit Rührei-Tomate-Minze meine Pärchen-Küchentauglichkeit – 15 Minuten müssen für den ersten Anlauf reichen. Und falls es ganz schlimm wird, gibt es zur Entspannung einen „Sidecar“ – das Rezept liefert das Buch ja praktischerweise auch gleich mit 🙂

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆

Advertisements