Warmer Bauch im kalten Winter

möhrenRegelmäßig, wenn es draußen kalt wird, ruft mein Bauch nach Möhren, Pastinaken, Petersilienwurzel und Rüben. Da ich zugegeben recht bequem bin, wasche, schäle und schnippel ich das Gemüse zumeist einfach und werfe es dann in den Backofen, wo ich es mit etwas Olivenöl beträufelt und Rosmarinsalz bestäubt als Ofengemüse vor sich hinbrutzeln lasse. Timing ist hier ein ganz großes Thema, weil ein paar Minuten zu viel oder zu wenig aus „hart und roh“, „trocken und schwarz“ machen. Letzteres versuche ich meinem Freund dann immer als „ich hab das mit den Gemüsechips nochmal in Angriff genommen“ zu verkaufen *hust*. Umso gespannter bin ich auf „Möhren, Lauch & Pastinaken. Kochen mit Wintergemüse.“ von Camille Antoine und Nathalie Carnet (Thorbecke Verlag). Eine Einteilung nach Kategorien gibt es nicht, ebensowenig gibt es ein Vorwort. Stattdessen steigen wir direkt mit den Gemüseportraits Teil 1 ein (Brunnenkresse, Rote Bete, Feldsalat, Rotkohl, Blumenkohl und Kardone). Und das erste Rezept ist dann auch direkt – tadaaa – „Ofengemüse“. Das Gemüse – hier fühle ich mich beim Hinweis, dass es vom Gemüsehändler oder vom Bioladen sein soll etwas bevormundet, aber vielleicht ist das auch nur ein Tipp, weil man die Sorten nicht überall erhält – wird vorgekocht, bevor es im Ofen landet. Das könnte so Einiges erklären… ich werde der Sache nachgehen, bin für den Hinweis aber schon jetzt dankbar. Weiter geht es mit „Rote-Bete-Suppe“ und „Moschuskürbis-Gratin mit Parmesan und Pinienkernen“. Bei „Kardonen-Gratin mit Rinderknochenmark“ schüttelt es mich etwas, aber das überblätten wir mal schnell und stoßen auf „Karottenkuchen mit Pinienkernen“ – eine ganz außergewöhnliche Version von Karottenkuchen mit zart schmelzendem Kern und Gewürzen, die mich gedanklich sofort vom Rindermark-Trauma befreit. Bei „Knollensellerie in Salzkruse“ bin ich mir nicht ganz sicher, ob die Mühe und das Salz für eine Knollensellerie investieren würde – bei Fisch verstehe ich diese aufwändige Zubereitung ja, aber hier… In Teil 2 des Gemüseportraits werden dann noch Moschus- und Hokkaidokürbis, Chicoree, Pastinake, Radiccio, Süßkartoffel und Knollenziest (ich glaube das hab ich noch nie gelesen, geschweige denn gesehen..) vorgestellt. Und das sind bei weitem noch nicht alle Gemüse, die sich im Buch finden: Schwarzer Winter-Rettich, lila Kartoffeln, Topinambur, Mangold und klassiche Gemüse wie Rosenkohl, Maronen und Karotten werden ebenfalls verarbeitet. Ich gebe zu, ich bin beeindruckt und habe großen Hunger. Die Rezepte sind bis auf wenige Ausnahmen vegetarisch (bei einigen kann man sowas wie den Speck auch einfach weglassen), die Umsetzung ist easy, etliche Gemüse kannte ich bis dato gar nicht und die Rezepte sind überraschend kreativ. Ich habe mein Buch für den Winter und den warmen Bauch definitiv gefunden. Die Seite mit dem Rindermark klebe ich einfach zu 😀

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

Advertisements