So klein, so fein, da gehn auch zwei(n) …

tartes.pngAurelie Bastian kennen wir ja bereits durch „Macarons für Anfänger„, mit dem Sie uns in die kunterbunte Welt der kleinen Kekse einführte. Jetzt geht es mit „Tartes & Tartelettes“ ebenfalls aus dem Bassermann-Verlag ein bisschen fruchtiger, aber ebenso farbenfroh und lecker zur Sache. Damit so bequeme Menschen wie ich gar nicht auf den Gedanken kommen „blindbacken wird überbewertet…“, widmet die Autorin sich im Intro erstmal auf mehreren Seiten dem Zuschneiden von Backpapier (fürs Blindbacken), dem klassischen Tarteboden (fürs Blindbacken) und dem Blindbacken selbst. Okay, okay. Ich habe es verstanden. Man muss den Teig blindbacken. (Zu meiner Schande sei gesagt, dass ich letztens den Versuch unternommen habe, das Blindbacken selbst auf eine Version für Eilige herunterzubrechen, indem ich die Hülsenfrüchte direkt auf den Teig gegeben habe. Mit dem Ergebnis, dass ich beim Versuch, die Springform zu kippen, nicht nur die Linsen, sondern auch den Teig auf einen Schlag aus der Form bekam. *schäm*. Auch die Idee „ich lass die einfach über Nacht da drin bis der Teig fest ist….“ – ganz ganz ganz blöde Idee. Am nächsten Tag waren die Linsen so in den Teig versunken, dass ich sie nicht einmal mit einer Messerspitze rausbekam.) Also an dieser Stelle: Blindbacken, aber richtig. Erste Frage an dieser Stelle: Worin besteht der Unterschied zwischen Tartes und Tartelettes? Ganz simpel. Die einen sind, wie der Name erahnen lässt, die kleine Version des anderen. Tadaa. Wieder was gelernt. Aber nun zu den Rezepten selbst. Wer keine Tartes- oder Tartelettesform besitzt, muss nicht gleich losrennen, um sich eine zu besorgen, denn etliche der Rezepte benötigen eine klassische Kuchenform, einen Tortenring oder ein Backblech. Außerdem gibt es bei den Tartesformen rund 10 verschiedene Größen sowie eckige und runde Varianten, weshalb es sinnvoller ist, sich erst das Rezept zu suchen und dann die entsprechende Form zu besorgen.
tarte2.pngBereits mit den ersten Rezepten zieht bei mir daheim der Sommer ein: Rosen-, Erdbeer-Pistazien-, Mandel-Birnen-, und Blaubeerversionen sind nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch ein kulinarischer Hochgenuss. Prinzipiell wird hier immer eine Creme (Mandelcreme, Pistaziencreme, Himbeermus…) mit frischen Früchten kombiniert. In der „Winterversion“ gibt es zum Beispiel Walnußtartelettes, die auf eine leicht salzigen Caramellcreme gebettet sind, oder „Tartelettes Mont Blanc“ mit Kastaniencreme. Manche Vorschläge müssten in diesem Buch nicht unbedingt platziert werden wie „Pflaumentarte mit Streuseln“, weil es sich hierbei eigentlich um einen normalen Pflaumen-Streuselkuchen handelt, oder „Tarte au fromage blanc facon Cheesecake“, eine Art New-York-Cheesecake mit Krümelboden. Nicht, dass jetzt jemand sagt, dass ich beide Rezepte an sich nicht mögen würde (ich liebeliebeliebe jede Form von Käsekuchen, solange keine Rosinen drin sind und Pflaumenkuchen geht auch defintiv immer!), aber für mich macht den Tartes-Charakte gerade die Kombi aus Boden mit Füllung aus. Bei Käsekuchen trifft das zwar irgendwie zu, aber …. es ist halt Käsekuchen und keine Tarte. Und beim Pflaumenkuchen gibt die Autorin im Vorwort auch zu, dass es eigentlich ein Pflaumenkuchenrezept war, Sie am deutschen Kuchen aber der dicke Boden gestört hat, weshalb Sie diese Version entworfen hat.. (den deutschen Boden muss ich aber wenigstens nicht blindbacken *bäm*).
Abgesehen von der kleinen Kritik, muss ich sagen, dass das Buch durchweg toll ist. Die Rezepte sind klar erklärt, Schritt für Schritt wird der Anfänger zu seiner ersten Tarte geführt und wenn die Ergebnisse nur ansatzweise den Fotos entsprechen *sabber*. Die Aufwändigkeit der Rezepte reicht von „schnell mal draufgeworfen“ (Bauerntarte) über „die Gäste mag ich eigentlich schon ganz gerne“ (Flan parisien) bis hin zu „wenn es für das Werk keinen Heiratsantrag gibt, weiß ich auch nicht“ (Passionsfrucht-Schokoladen-Tartelettes). Man kann sich also schön langsam im Anforderungsfaktor steigern. Für alle, die wie ich gerne das Ausgefallene und eventuell nicht jedermanns-Geschmack-treffende suchen, gibt es die Kombis „Pfirsich-Lavendel“, „Aprikose-Rosmarin“ und „Beeren-Veilchen“…. – und diesmal backe ich auch ganz brav mit ausgekleideter Form blind vor.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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