Eis, Eis – Baby

eisEs gibt so eine Süßspeise, die geht bei mir immer. Jeden Tag, zu jeder Uhr- und Jahreszeit und gerne in großen Mengen: Eis. Sogar im Winter, wenn mir vorher, wähenddessen und insbesondere danach Hände und Mund einfrieren und ich konstant jammere, wie kalt mir ist, muss der regelmäßige Konsum von Eiscreme sein – bevorzugt Joghurteis oder auch Frozen-Joghurt. Wenn ab Oktober alle Eisdielen geschlossen sind, muss eine der beiden bekannten Burgerketten meine Eissucht mit der Notlösung „Softeis“ befriedigen. Und sobald ende Februar die Italiener wieder zurückkehren und endlich die Eisdielen wieder eröffnen, ist das für mich der eindeutige Beweis, dass es Frühling wird. Da ich im nächsten Winter aber nicht wieder vor lauter Verzweiflung auf Softeis oder Fertig-Eis aus der Tiefkühltruhe zurückgreifen muss (ja, hier gibt es sicherlich auch die ein oder andere wirklich leckere Sorte, aber es ist halt nicht das Gleiche!), habe ich mir mit „Exklusive Eiscreme und andere Laster“ von Matt O’Connor, das erste Eiscreme-Buch meines Lebens.

eis2Dachte ich bisher immer in den Kategorien „Backbuch“ und „Kochbuch“, so muss ich spätestens jetzt wohl eine dritte Gruppe einführen…
Alleine optisch ist das Werk schonmal sowas von eindeutig „hot“, dass ich vor lauter Vorfreude ganz nervös bin. Meine Mama quietscht begeistert auf und ruft nur „das Buch darfste mir schenken, booah ist das krass cool.“ Dass es sich dabei um Eis handelt und folglich um ein Buch nur mit Eisrezepten, bemerkt sie nicht einmal beim Durchblättern, so fasziniert ist Sie von der Aufmachung und den Fotos. Ich sag mal so: „The Icecreamists. Agents of cool.“ ist nicht nur so dahergesagt. Ich hab tatsächlich noch ein nie ein derart krasses „Koch-Back-Freeze-Whatever-Buch“ in Händen gehalten. Das Ganze erinnert an eine Mischung aus „Sex Pistols“,“Beasty Boys“, „Rolling Stones“ und „Andy Warhole“ mit einem ganz kleinen wohldosierten Schuss „Ed Hardy“ kombiniert mit Eis. Bereits beim Intro weiß ich: Eiscreme ist sexy, gefährlich, anzüglich, verdorben und so was von pornös. Dabei werden hier eigentlich lediglich die Entstehungsgeschichte des Eises, die Geschichte der Icecreamists (eine Gruppe Londoner, welche die wohl abgefahrenste „Eisdiele“ aller Zeiten entwarfen – in die Presse kam sie damals, weil sie ein Eis aus Muttermilch auf den markt brachten, was innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und verboten war ^^), ein Vorwort zur Aufteilung des Buches sowie die Herstellung der eigentlichen Eiscreme beschrieben. MIt Seite 20 beginnen die Rezepte udn ich bin schon hier fast überfordert. Überfordert mit Eindrücken, exzentrischen Gedanken, schrillen Farben – aber alles im absolut positven Sinne. Vermutlich fühlt man sich so oder so ähnlich, wenn man bewusstseinerweitende Drogen konsumiert hat. *wow**high*
Klassische Vanille reiht sich an „Dunkle Schokolade“, „Weiße Schokolade“, „Ingwer Eiscreme“, „Erdbeer-Balsamico-Eiscreme“, Lavendel-Eiscreme“, Lakritz-Eiscreme, die berühmt-berüchtige „Baby Googoo (Muttermilch-Eiscreme), Ernusbutter-Eiscreme und und und. Auch Marshmallows, Donuts, Popcorn, Rocher, Irish Stout und alles, was irgendwie süß und lecker ist, wird hier verarbeitet. Dass die Kreationen dann zum Beispiel „Kalter Schweiss“ (Chili, Ingwer und Zitronengras) heißen, irritiert zwar, wenn man die Zutaten nicht gelesen hat, aber zudem heißt es an dieser Stelle „Erste Hilfe bei Erkältung“, also auch noch gesund ^^. Die stimulierende „Sex Bomb“ erfreut sich der Beigabe von Ginko, Biloba, Arginin und Guarana – okay, das klingt für mich so ein bisschen nach Anabolika-Cocktail im Eis, aber ich gebe zu, dass ich nur Ginko und Guarana kenne, die ja bekanntlich wach und hinraktiv machen …. statt Energiedrink und Kaffee gibt es das nächste Mal vor der Party also Eis. Top! Zu jedem einzelnen Rezept gibt ein paar einweisene Worte, in denen der Autor entweder Tipps gibt oder etwas zum Rezept erläutert. War bestimmt ganz schön viel Aufwand, aber ich finde es rundum gelungen und toll.
Kapitel zwei – das erste lief übrigens unter „Boutique-Eiscreme“ – heißt „“Sorbett!“ und präsentiert uns, wie zu vermuten, eine kreative Auswahl an Sorbet-Variationen. „Savoy Chill „(Earl-Grey), „Achterbahn“ (Schwarze Johannisbeere & Himbeer-Wodka), „Wassermelone & Wodka“ (treffend als „Hirnfrost“ bezeichnet), „Lenin und Limette“ (Gin-Tonic), „Porto“ (Glüh- und Portwein-Sorbetto) – dieses Buch ist sowas von nicht jugendfrei. Willenlos, hemmungslos und sehr verdammt geil. Und da ich bislang zu den Fotos noch nichts gesagt habe und diese für mich ja auch immer eine zentrale Rolle spielen, sie sind hammer. Leider ein bisschen zu wenig, da ich liebend gerne von allen Kreationen ein Bild hätte, aber nur etwa ein drittel bebildert ist. Das, was ich sehe, ist aber unglaublich ästhetisch und verführerisch.
Und da ja bislang kaum Alkohol im Spiel war *hicks* widmet sich Kapitel drei den „Cocktails“. Da wird dann aus den aphrodisierenden „Sex Bomb“-Eiskugeln unter Zugabe von Absinth ein „Sex-Bomb-Cocktail“, der „Kalte Schweiß“ wird mit Tabascosauce, Chili, Ingwer, Chili-Öl und Chili-Wodka zur „Apokalypse-Show“ (okay, ich stell mir grad vor, dass du hier nur froh bist, wenn das als kalter Schweiß rauskommt und nicht auf anderem Wege … heftig) und für alle Mädchen unter uns gibt es „Crybaby“ aus Vanilleeis, Limoncello und Prosecco. Ich sag mal so … die Icecreamists mögen Wodka, Wiskey und Likör ganz gerne. Um es passend zum Buch zu sagen: Nix für Pussys! Mit „Eisbeben, Eisbecher & Desserts“ wendet sich das Werk dann ganz harmlos mit diversen Milchshakes (Eisbeben), Eisbechern und Rezepten wie „Vanille-Eiscreme-Sandwich“ und „Frittierte Eiscreme“ an alle, die es etwas sanfter und alkoholfrei mögen. Dass es auch hier einen „Himbeernippel“ gibt, das gehört halt zum nicht ganz jugendfreien Konzept. 😀
Mit „Eis-Lollies“ (was sich dahinter verbirgt, muss ich wohl kaum explizit erklären) begeben wir uns dann ans Ende unserer lecker-schleck-Reise. „John Lemon“ kommt im Zitronengewandt daher, hinter „Babywonne“ verbirgt sich Wassermeloneneis am Stiel, mit „Fizz must be love“ kehren wir wieder in die alkohlischen Gefielde mit Champagner ein, „Shoot to Chill“ lädt mit Absinth zum Lecken ein. Zum Abschluss gibt es dann noch aus der Rubrik „Rat und Tat“ eine Seite zu „Zutaten & Grundausstattung“, „Eismaschinen“, „Fehlersuche“ und eine ganze Seite mit Danksagungen. Dem schließe ich mich mal an und sage auch DANKE. Danke für dieses perfekt-pornös-provokant-prickelnde Werk rund um die wunderbare Welt der Eiscreme. Mit diesen Rezepten laufen alle Eisdielen Gefahr, dass ich im Sommer gar nicht mehr vorbeikomme, weil ich jetzt noch was viel viel Geileres gefunden hab 🙂 Danke.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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