Und, was machst du so in deiner Garage? Kochen!

garage 1.pngWelcome zu „Die Kochgarage. Das Kochbuch.“ vom Südwest Verlag, welches über 60 Rezepte aus 15 Kühlschränken präsentiert. Die Kochgarage, ein Küchenteam rund um die „Chefin“ Graciela Cucchiara, ist an sich schon ungewöhnlich und ziemlich schräg. Da kocht eine in München wohnhafte Argentinierin – ein Kind der Endfünfzigerjahre – mit Leib und Seele und der Unterstützung unterschiedlichster Gäste in einem eher schäbigen Hinterhof Multikulti-Gerichte mit kulinarischem Gespür und Raffinesse. Ein kurzes Intro zum Projekt, dem Prinzip und der Grundidee führt uns ein in die Gracielas Welt.
Wer bei „Wir kochen mit den Händen“ schon leichte Zuckungen bekommt und die Hygiene anzweifelt, der findet Sätze wie „Wir lieben die Exotik hinterm Hauptbahnhof“ wohl auch nicht sonderlich ansprechend. Gemeint ist damit jedoch lediglich, dass hier nicht alles mega-akkurat mit dem Messer in penibel gleiche Stückchen zerteilt wird und man die Zutaten gern in den kleinen ortsansässigen Lädchen kauft oder auch beim Türken, Inder oder Chinesen direkt. Gleichwohl klingt das auch für mich ein wenig … gewöhnungsbedürftig. Kein Wunder, dass es gerade Tim Mälzer (seinerzeit von meiner Mutter und mir immer als „Schmuddelkoch“ bezeichnet, wenn er statt eines neuen Brettes einfach das alte rumgedreht hat und so dann zwar eine saubere Seite dafür aber einen dreckigen Tisch hatte…) ist, der sich im Vorwort zum Projekt äußert. Schmuddel hin oder her – wir geben dem Ganzen mal eine Chance. Der Einband gefällt mir mit dem knallroten Ton und dem schlicht gehaltenen Gabel-Icon sehr gut.
garage 2.pngDie Bilder im Inneren sind querbeet. Da gibt es Essen, Menschen, Locations, Landschaften, Zutaten, Gegenstände – einfach alles. So kunterbunt wie die Rezepte und die Chefin selbst eben. Der Stil? Retro-shabby-lässig-cool. Nicht so ganz meines, muss ich zugeben. Es wirkt mir ein bisschen zu chaotisch und bunt, aber zum Konzept passt es. In einer Liste mit „Vorräten“ erhalten wir Tipps für die beste Grundausstattung, „Werkzeuge“ weist darauf hin, was wir sonst noch so brauchen könnten. Mit dem ersten Kapitel „Auf der Wiese“ geht es dann auch direkt hinein in die unterschiedlichsten Nationen. Wir schauen bei Mrs. Bups in Vietnam vorbei („Mrs. Burps Schmortopf“, besuchen Jamaike auf ein „Kälber-Reggae“ und genießen in Sorrent „Kalbsnuss“ Zitronenmelodie. Auch Andalusien, Sizilien und Marrakesch statten wir einen Besuch ab. Was sofort auffällt: Vegetarier haben hier ganz schlechte Karten – ohne Fleisch ist nicht! Auch in den folgenden Kapiteln „In der Luft“, „Im Wald“, „Durchgedreht“ und „Im Wasser“ gibt es kein Rezept, das ohne Tier auskommt. Dass „In der Erde“ dann rein vegetarisch daherkommt ist zwar nett, allerdings handelt es sich hier nur um Beilagen und nicht um vollwertige Mahlzeiten. Immerhin „Aus Zucker“, die Nachtischfraktion des Buches entschädigt alle Veggies. Was dann die Rubrik „Nach der Party“ als Abschluss des Werkes noch soll, ist mir nicht ganz klar: die vier Rezepte („Anti-Kater-Frappé“ = Schokomousse-Frappé, „Nüchterne Panzanelle“ = Pizzabrot, „Bhel-Puri-Snack“ = Chips-Salat und Bankok-Fleischnudeln = Spaghetti mit Frikadellenscheibchen) wirken lieblos zusammengeschustert und so ein wenig nach „wir haben da noch was ürbig, aber wir wissen einfach nicht, wo wir das unterbringen sollen“ – „okay, lass uns eine After-Party-Kategorie eröffnen, in die alles kommt was so ein bissel merkwürdig ist…“.
Zu den Rezepten selbst muss ich sagen, dass die Einteilung „Kurze Zubereitung = bis 1 Std“, „Mittlere Zubereitungszeit = ca 1,5 Std.“ und „Lange Zubereitungszeit = mehr als 2 Std“ ich doch etwas abschreckt. In Zeiten, in denen man nach der Arbeit schon stolz ist, mehr als „Mikrowelle auf – Mikrowelle zu – Mikrowelle auf zu“ schaffen, finde ich eine Stunde Vorbereitungszeit schon nicht machbar. Das geht nur am Wochenende. Und mehr als zwei Stunden geht zwar am Wochenende, lohnt sich aber nur bei mehreren Gästen. Zudem gilt hier leider nicht das Prinzip „weniger ist mehr, sondern mehr ist besser“, was bedeutet, dass kaum eines der Rezepte mit weniger als rund 30 Zutaten auskommt. Das finde ich immer dann richtig schwer, wenn es sich dabei um 25 verschiedene Gewürze handelt, von denen ich nur ca 10 besitze und alle anderen müsste ich mir extra anschaffen. Für Gäste okay, aber nicht, wenn ich nur für 2 Personen koche. Da bin cih dann soch ein wenig zu bequem, muss ich gestehen.
Was mir hingegen richtig gut gefällt, sind die „Restlos Glücklich“- Seiten, die es immer mal wieder im Buch gibt und in denen Graciela mit einem ihrer Köche in Interview-Dialogform Tipps und Tricks zur Resteverwertung gibt. Das ist heutzutage nicht nur zeitgemäß, sondern richtig originell, was da so rauskommt.

Anfängertauglichkeit: ☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆

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