Kochen nach Zahlen – äh, nach Bildern

so geht kochen 1Es gibt abstrakte Projekte, die so reduziert und doch so eindeutig sind, dass es mich immer wieder umhaut. Da gab es zum einen eine Reihe, in der Comicfiguren nur als schlichte farbige, unterschiedlich große Rechtecke dargestellt wurden. Eigentlich kann man das fast nicht erkennen, aber es funktioniert. Genauso interessant fand ich „Grimms Märchen ohne Worte“ und „Das Leben in 5 Sekunden. 200 Biographien von Gott bis Pippi Langstrumpf.“ Kein Wunder also, dass mich „So geht kochen. Spielend leicht zum Meisterkoch. Das ultimative Anleitungsbuch.“ von Gabriela Scolik, erschienen im Moewig-Verlag, sofort brennend interessiert hat. Ein Kochbuch in quasi Comicform?! Geht das? Ja, das geht und zwar ultimativ genial. Der Mann, der sich normalerweise für mein Kochbuch-Hobby nicht erwärmen kann, ist ebenfalls interessiert und sehr angetan. „Das waren bestimmt Informatiker oder so, die das gemacht haben. Das sieht so aus, als wäre das für mich gemacht. Kein Schnickschnack, kein blöder Text. Stattdessen alles auf einen Blick in Bildform.“ Auch ich bin hin und weg! Ich glaube, wer dieses Buch von vorne bis hinten ordentlich liest und verinnerlicht, der kann damit nicht nur bei „Wer wird Millionär“ bestehen, sondern auch wissenstechnisch den ein oder anderen Profikoch in den Schatten stellen. „Hat so ein bisschen was von Unterrichtsmaterial,“ ergänzt der Mann. „Wer sich das alles merken kann, der hat bestanden.“

so geht 2Allgemein scheint das Buch einen Generalanspruch an Vollständigkeit zu erheben, denn die rund 470 Überschriften bieten wesentlich mehr als alle Koch- und Backbücher, die ich in meinen 30 Jahren in der Hand hatte (und das waren nicht gerade wenig!). Ob Grundausstattung der Küche, kleine Gläserkunde, Messerkunde oder die ewige Frage: „Wie deckt man den Tisch denn nun wirklich wirklich richtig ein?“ – es gibt fast nichts, was hier nicht abgehandelt wird. Daneben gibt es Informatives wie „Welches Land verbraucht wieviel von welchem Lebensmittel“, „Welches Vitamin wofür?“, „Welches Gewürz zu welchem Fleisch?“, „Chilischärfegrade“, „Pasta-Kunde“, „Kaffee-Kunde“ etc. Ein wenig erschlagen bin ich schon nach den ersten Seiten, aber auch so wahnsinnig beeindruckt. Es wird gezeigt, wie welches Gemüse zuzubereiten ist, wie man was richtig schneidet und viel viel viiiiiel mehr. Dabei reicht die Bandbreite von Laie (Eier trennen), über Fortgeschritten (Brotteig zubereiten) bis hin zu Profi (Kuchengitter flechten). Es werden diverse Teige erklärt, Fleischarten und alles, was man für den „Küchenkampf“ wissen muss. Und alles wie oben beschrieben in Bildform. Zuerst die Zutaten und dann im Diagramm was wann wo dazukommt. Simpel, übersichtlich, klar. Die Kochlöffel neben den Rezepten (1-3) geben an, wie schwer das Rezept ist, das Flammensymbol (1-3) die Hitze und eine grüne Paprika weist drauf hin, dass es sich um ein vegetarisches Gericht handelt. Auf die Rezepte werde ich an dieser Stelle nur kurz eingehen, weil es einfach so viele sind, dass ich gar nicht wüsste, wo man da anfangen sollte. Eingeteilt sind diese in „Ganz ohne kochen“, „Kochen“, „Im Ofen zubereiten“, „Schmoren“, „In der Pfanne braten und frittieren“, „Grillen“, „Backen“ und „Einmachen“. Also quasi alles! Dabei reicht auch hier die Bandbreite wieder vom Anfänger bis zum Profi, von „Wie mache ich Rührei?“ bis hin zu „Wie koche ich Boeuf Bourguignon?“. Manchmal finde ich die Einteilung etwas schwer, weil beispielsweise Crepes und Galettes in zwei unterschiedlichen Kapiteln untergebracht sind, ebenso wie Süßkartoffelpommes (im Ofen gegart) und Kartoffelpommes (frittiert).  Ohne alphabetisches Verzeichnis wird es schwer, hier etwas gezielt zu finden. Dafür lädt dieses Buch dazu ein, sich treiben zu lassen, zu blättern, zu entdecken und Spaß zu haben. Was ich etwas schwer finde, ist die Tatsache, dass es nur Comicbilder gibt und keine Fotos. Einerseits bewahrt das vor Enttäuschungen („Menno, das sieht aber gar nicht so aus wie..“), andererseits kann man das Werk wie ein Lehrbuch durchblättern, ohne Hunger zu entwickeln. Nüchtern. Wer sich also beim Bilder betrachten Anregungen holen möchte, der wird hier nicht glücklich werden. Wer jedoch weiß, was er machen möchte und nur das dazu passende Rezept sucht, der ist hier ideal aufgehoben. Da ich in normalen Kochbüchern die Gerichte mit Fleisch optisch selten ansprechend finde, obwohl ich es gerne esse, habe mit „So geht kochen.“ erstmals ein Buch, bei dem ich mich tatsächlich an Fleisch herantraue, weil es absolut neutral wirkt und ich mich darauf konzentrieren kann, dass ich weiß, wie es schmecken wird. Ein weiteres und letztes Kapitel gibt es übrigens noch: „Trinken“. Darin erfahren wir, welcher Wein zu welchem Essen, diverse Cocktailrezepte, internationale Tee- und Kaffeezubereitungen sowie internationale Katermedizin. Natürlich auch alles in Bildern. Ein HOCH auf die Reduzierung, Abstrahierung und „So geht kochen.“ Mein neuer Lieblingscomic!!!

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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