Das Buffet für den kleinen Angeber :)

schönerJa, ich gebe es zu: ich bin schon so ein kleiner Strunzer (bei uns ist das hier ein kleiner Angeber), wenn ich für Gäste ein Buffet herrichte. Im Idealfall will ich dann nicht nur, dass alle es toll und lecker finden, sondern dass so ein richtiges *boah-wohooo-wow-krass* kommt. Teilweise erreiche ich das dadurch, dass ich einfach eine riesige Menge auffahre, aber ich versuche natürlich auch optisch das ein oder andere Highlight zu servieren. Und ganz ehrlich: mit den richtigen Tipps und Kniffen kann man ja aus der schlichtesten Gurke oder Karotte ein wahres Kunstwerk zaubern. Aber man braucht eben einfach auch das wissen, wo man die richtigen Tipps herbekommt. „Schöner kochen. Die Kunst der perfekten Zubereitung. Rezepte und Tipps für Partys und Feste.“ aus dem Becker Joest Volk Verlag von Rafael Pranschke erscheint mir da eine gute Herangehensweise auf dem Weg zum Superstrunzer – verspricht auch der Autor, der im Intro erklärt :“selbst einfachste Zutaten (…) erhalten durch neue Zubereitungstechniken den Touch des Spektakulären.“ Na dann bin ich ja mal gespannt. schöner2Vielversprechend sind die Bilder allemal – der Fotograf ist aber auch Foodstylist (ich hoffe mal, dass hier nicht mit Rasierschaum, Superkleber und Klarlack gearbeitet wurde, denn das wäre für mein Buffet jetzt nicht so schön …). Nach ersten Anleitungen zum Dekorieren mit Gemüse und Obst (das Klassische, was man auf einem Buffet nicht essen müsste, was aber spätestens am Ende der Party doch weg ist) folgen „Tapas, Snacks und Sushi“ mit „Mini Ofenkartoffeln  mit Kaiar“, „Frischkäse-Spinat-Rolle“ und Hähnchenroulade mit Wildspargel. Wirklich originell finde ich „Gebackene Toast-Muffins mit Ei und Speck“, bei denen man eine Toastscheibe walzt, in eine Muffinform drückt und dann mit den beiden anderen Zutaten befüllt. Auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Mit „Soßen und Dips“ geht es weiter, dann folgt „Serviert im Glas“ mit diversen Süppchen mit Schäumchen (Spinat mit Muskat, Tomate mit Parmesan…) also alles was in der Theorie ganz einfach ist, aber richtig Eindruck macht. In die gleiche Rubrik fallen auch „Garnelen im Poulardenflügel mit Zitronencreme“, „Jakobsmuschel mit geliertem Pfirsich“ und „Paprikamousse mit Thunfischtempura“ wobei ich da alleine die Einzelbestandteile „angeberisch“ genug finde. Wenn ich mal soweit bin, dass ich beim Buffet Jakobsmuschel serviere …. ich glaube das dauert noch ein bisschen. Bei „Stäbchen und Spieße“ erwarten uns dann „Surf und Turf auf Rosmarinspießen“, „Garnelenstäbchen mit Kaviar“ und Hähnchen-Zitronengras-Spieße mit Spargel und Granatapfel“ – da wird geklotzt, nicht nur gekleckert. Billig wird das Buffet mal nicht. Alle Studis, Sparfüchse oder alle, die eine Party mit ein paar hundert Gästen günstig ausrichten wollen, werden bei diesen Gerichten nicht fündig. Da gibt es dann nur jeweils ein Alibigläschen zum Anschauen :D. „Crêpes, Crostini und Rösti“ brilliert ebenfalls mit exklusiven Zutaten (Seeteufel, Lachs, Garnele) und originellen Anrichte-Versionen (Crêpebeutel). Ich bin bislang auch noch nicht auf die Idee gekommen, Rösti aus Rote Bete oder Spinat zu machen, obwohl das naheliegend ist und optisch ein echtes Highlight. Das letzte Kapitel „Süßes Partyvergnügen“ mit fünf Rezepten fällt allgemein recht schwach aus. Die „Kokos-Fruchlollis“ sind eckig geschnittene Fruchtspieße, das „Joghurteis am Stiel mit Schokogitter“ sieht nett aus, taugt meiner Meinung nach aber nicht für ein Buffet, weil es sogar auf Eis innerhalb kurzer Zeit schmilzt. Die „Schoko-Nuss-Salami“ finde ich einfach nicht sonderlich lecker (ist ein Gag, aber ich mag das nicht, wenn man irgendenwelchen Süßkram wie Wurstware aussehen lässt) und Crumble sieht im Glas immer gut aus, wenn man es richtig macht, dafür brauche ich keinen Foodstylisten. Dennoch bin ich von dem Buch überzeugt, da die Rezepte lecker aussehen, sich gut auf einem Buffet anrichten lassen und ihre Herstellungszeit überschaubar ist. Lediglich die Tatsache, dass die Zutaten insgesamt recht teuer werden, da ziemlich viel Fisch verarbeitet wird, finde ich etwas schade. Aber ist ja auch das Buffet für den kleinen Angeber. Der muss dann halt mal in den sauren Apfel beißen und ein bisschen was investieren, wenn er strunzen will 🙂

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆

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