Wenn das Omelette Pfannekuchen, Palatschinke oder Crêpe heißt…

palat1Pfannekuchen kennt wohl jeder – dachte ich zumindest. Ich dachte aber auch, dass jeder unter Pfannekuchen das versteht, was meine Mama daheim als „Pfannekuchen“ auf den Tisch bringt. Bei uns sind Pfannekuchen immer herzhaft. Die süße Varainte lernte ich erst im Studium kennen und muss sagen: „Nee, das kommt an Mamas Pfannekuchen so gar nicht ran!“ Meine Mama ist aber auch wie sie selbst schon immer betont die „weltbeste-Pfannenkuchenmacherin“ – und ich gebe ihr recht. Pfannekuchen gibt es bei uns in erster Linie immer zum Spargel mit Soße und dazu noch Kartofffeln. Wobei ich auch immer dachte, dass alle Welt den Spargel so isst wie wir. Nicht in so langweiligen Stangen mit blöder Sauce Hollandaise, sondern in Stücke geschnitten in einer dicken weißen Soße gekocht, die aus dem Sud der zuvor gekochten Spargelabschnitte hergestellt wird… leckerst! Aber ihr merkt, ich schweife vom Thema ab. Also: Pfannekuchen. In der Lotte-Welt sind die relativ dick, schön gelb mit helbbraunen (manchmal auch eher sehr dunkelbraunen) runden Flecken und (leider) relativ fettig. Die werden nämlich in richtig viel Butter oder Margarine gebraten, damit sie diesen satten Farbton erhalten. Aber genug zu den weltbesten Pfannekuchen der weltbesten Pfannekuchenmacherin…
In meinem Brifkasten landet „Palatschinken & Co: Crêpes. Omeletten. Pancakes. Wraps.“von Renate Wagner-Wittula und Adi Bittermann (pichler verlag) ein Werk, das mir ganz neue Eierkuchen-Horizonte eröffnet. palat2Nach einem Intro, in welchem die Autorin erklärt, dass die Welt der Palatschinke (der Verlag ist in Österreich ansässig, weswegen wir hier an der ein oder anderen Stelle ein anderes Vokabular vorfinden und Palatschinken eigentlich das ist, was ich als Pfannekuchen kenne) in den letzten Jahren dank multikultureller Einflüsse um zahlreiche Varianten erweitert wurde und einer kurzen Erklärung zu den Begrifflichkeiten der österreischischen Eierkuchen-Welt, finden wir ein erst einmal sechs! Seiten „Palatschinken-ABC“. Auflaufomelette, Bisquitomelette, Blini Brandteigomlett, Crêpe, Crespelle, Dalken, Fritatten, Galette, Liwanzen und vieles mehr sind zwar im Grunde ähnlich, aber doch alle unterschiedlich. Als Koch in Österreich würde ich beim Anblick dieser Auflistung schier verzweifeln. Bei mir gibt es Pfannekuchen süß und salzig, wenn sie dünn sind heißen sie Crêpe und wenn sie herzhaft und aus Buchweizenteig hergestellt werden Galette. Mit diesem Wissen habe ich die letzten 30 Jahre auch ganz gut überlebt, muss ich sagen. Aber ich wohne ja auch nicht in Österreich.
Neben einem umfangreichen Angebot an Tipps und Tricks für das Gelingen des idealen Palatschinken finden wir natürlich erst einmal die Grundteigrezepte für die unterschiedlichen Eierkuchen. Ganz zeitgemäß gibt es dabei auch Varianten für Veganer und Menschen mit Lactoseintoleranz. Das gehört heutzutage ja schon gewissermaßen zum guten Ton. Das Buch gliedert sich in sechs große Kapitel von denen das erste „Palatschinken Warm-up. Gefüllte Köstlichkeiten für den kleinen Hunger und als Vorspeise.“ heißt. „Kalte Spargelcrêpe mit Schinken und Gemüsevinaigrette“, „Frühlingsrolle & Crêpe von der Ente!, „Palatschinkenpizza“, „Gratinierter Palatschinken mit Blattspinat und Schinken“ – ich bin erstaunt, was man mit einem Palatschinken so alles machen kann. Manche Vorschläge wie „Grammelpalatschinken“ (also Grieben), „Hirn-Palatschinken“ (mit Kalbshirn) oder „Lauchcrêpes auf Octopuscarpaccio“ muss ich jetzt nicht unbedingt haben, aber jedem das seine 🙂
Kapitel zwei kommt mit „Pikantes Omeletten-Ballett. Feine Omeletts für zwischendurch.“ daher und fasst sich mit sechs Omlettvarianten wie „Kräuteromlett“ udn „Bauernomlett“ sehr kurz. Weiter geht es mit „Gesund gerollt. Vegetarischer Palatschinkengenuss.“ und Schafskäse-Palatschinkentürmchen.“, „Wrap mit Pilzsalat gefüllt“, „Spinat-Erdäpfel-Pastete“ und „Kürbis-Palatschinken-Lasagne“ – auch die Vegetarier dürfen sich also über richtig originelle und abwechslungsreiche Gerichte freuen. „Nice to meat you. Fleischpalatschinken von handfest bis luftig-leicht.“ wo wir unter anderem „Hortobágyer Palatschinken“ (mit Kalbshack gefüllt), „Zwiebelfleisch-Palatschinkentascherl“ oder „Wraps mit Pulled Pork gefüllt“ präsentiert bekommen. Aber auch „Kräuterfritatten auf Kokos-Ingwerhenderl“, „Überbackene Wild-Crespelle“ und Rehnüsschen mit Schwarzwurzelpalatschiken“ gehören zum Rerpertoire der Flaischabteilung. Die beiden letzten und zu meiner Freude umfangreichsten Kapitel tragen die Titel „Sündhaft gut. Süße Palatschiken-Klassiker und feine Crêpes“ sowie „Süße Verfühung. Flaumige Omletten und duftende Pancakes.“ ein Hoch auf den Nachtisch! Da werden Palatschinken mit Marillenmarmelade, Erdbeeren, Apfelkompott oder Nutella gefüllt, es wir mit Mohn, Rum, Sahne und Nüssen gewerkelt und am Schluss haben wir Rezepte wie „Kakaopalatschiken mit Mango“, „Schwarzwälder Palatschiken“, „Dattelbällchen auf Karamellsauce“, „Crème-brûlée-Palatschinken“ oder klassischen Topfenpalatschinken. Daneben können di Omelett- und Pancakevariante und die „Liwanzen mit Powidlfülle“ leider kaum angkommen. Dafür waren die vorherigen Rezepte einfach zu ausgefallen. Alles in allem ein beeindruckendes Buch rund um den Pfannkuchen-Palatschinken und alle Spielarten, die damit möglich sind. Was mir ein bisschen fehlt, sind die Bilder, da wir leider nur durchschnittlich jedes dritte Gericht bebildert haben und wenn ich mir so anschaue, wie kreativ die Rezepte optisch umgesetzt sind, bedauere ich diesen Umstand noch ein bisschen mehr. Trotzdem. Schönes Buch!

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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