Kochgeschichten für Anspruchsvolle

kochechtKoch.echt. Von Mahlzeiten und Manufakturen. 70 Rezepte“ verpricht der Wälzer von Fabio Haebel, erschienen im Hölker Verlag. Der Einband spricht an, sieht sehr wertig aus, der Inhalt ist klar und knapp gegliedert: „Bier“, „Gemüse“, „Fleisch“, „Fisch“, „Wein“, „Austern“, „Brot“, „Honig“, „Gin“, „Äpfel“, „Schokolade“ und „Kaffee“. Wirkt auf den ersten Blick ein wenig überraschend und ich bin nicht ganz sicher, was mich bei dieser Listung erwartet. Als erstes stellt sich noch Fabio vor, als „Wirt eines kleinen Restaurants in Hamburg“ und erklärt uns, wie es zu diesem Buch kam. Getrieben von der eigenen Neugier darauf, woher die Produkte, die er verarbeitet, eigentlich genau kommen, hat sich der Koch auf den Weg gemacht die kleinen Manufakturen zu besuchen und mit deren Produkten einfache, aber raffinierte Gerichte herzustellen. Herausgekommen ist dabei das, was ich in den Händen halte. Klingt gut.Der erste Abstecher geht, wie zu erwarten, zu einer Craft-Brauerei und deren Besitzern. Schöne Bilder – im Wechsel bunt und schwarzweiß – führen uns in die Brauerei, der zugehörige Text erklärt uns den Betrieb und den Gedanken des „Craft-Bier“. Danach wird gekocht: „Miesmuscheln im Witbierteich“, „Belgische Fritten mit Witbiertunke“ und „Witbier-Eis“. Das Kapitel „Gemüse“ zeigt, wie man mitten in Hamburg mittels rund 650 alter Bäckerkisten 172 verschiedene Pfalnzensorten anbauen kann. Auch hier wieder schöne Bilder, eine ausführliche Darstellung des Projektes und leckere Rezepte: „Tarte Dijon“ mit Ochsenherztomaten, „Kürbis-Vanille-Suppe mit Kernöl“ oder auch „Maronen-Risotto“ mit Pilzen und frischen Kräutern. Beim Thema „Fleisch“ geht es dann zu einem Galloway-Rinder-Züchter, der uns gegrillten Tafelspitz und Rib-Eye kredenzt, beim Thema „Käse“ erwarten uns in der Käsemanufaktur „Linsensalat mit Ziegenkäseröllchen“, „Brioche mit Rote-Beete-Butter“ und „Apfel-Ziegenkäse-Millefeuille“.
Spätestens hier merke ich aber, dass es wenig Sinn macht, dieses Buch beschreiben zu wollen, denn was das Werk ausmacht – ähnlich „So frühstückt die Welt“ sind die wunderbaren Geschichten, die hinter den Zutaten und den Gerichten stecken. Erneut haben wir hier viel mehr als ein reines Kochbuch, denn man kann und muss wirklich lesen. Jeder Manufakturbesitzer wird eingangs auf einem kleinen Bild dargestellt, beschreibt seinen Betrieb und seine Arbeit. Das kann man einfach nicht zusammenfassen, das muss man selbst in Angriff nehmen und sich durch das Buch „arbeiten“. Es lohnt sich in jedem Fall. Gerade in unserer Zeit, in der wir immer kritischer hinterfragen, was wir eigentlich essen, ist dieses Buch der beste Beweis dafür, dass man sich die Mühe machen sollte, die kleinen Betriebe zu suchen und zu finden, die mit handwerklichem Geschick und Liebe, mit Engagement und Können „echte“ Produkte herstellen. Die derzeit heiß diskutierte Frage „Woran erkenne ich eigentlich gute(s)..“, einer großen Discountkette, wird hier wunderbar geklärt. Wenn Produkte so wie hier beschrieben produziert werden, dann sind sie wirklich eindeutig mehr als gut.
Und während ich mich weiter durch „Fischpesto“, „Quiche mit Spinat & Räucherfisch“, „Kotelett mit Rotwein-Schalotten“, „Rieslingspritz mit Maulbeeren und Limetten“, „Austernravioli mit Korianderschaum“, „Radicchio-Ciabatta“, „Grüner Spargel mit Honig ums Maul“, „Apfel-Beignets“, „Chili con choco“ und „Kaffeelikör mit Sombrero“ blättere und mir das Wasser im Mund zusammenläuft beim Anblick der tollen Bilder, kann ich jedem nur raten, sich dieses Buch zu kaufen, es zu lesen, zu erleben, zu genießen. Von mir gibt es dafür ein ganz großes „Like“, weil ich die Idee wunderbar finde und die Umsetzung absolut gelungen ist.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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