Beilage? Nee, Mahlzeit. So ganz alleine. Nur Gemüse.

gemuese1Wenn ihr meine Mama fragt, wie man einen Vegetarier glücklich macht, dann wird sie wohl sagen :“Indem wir nicht nur eine Beilagenkarte bekommen oder gar eine Art „Restküche“, sondern richtige Gerichte“. Wer jetzt behauptet, dass es doch mittlerweile ein total großes Angebot für Vegetarier gäbe und es kein Problem wäre lecker und gut satt zu werden, der mag in Großsstädten sicherlich recht haben, aber auf dem Dorf ist das oft noch anders, leider. Ich erinnere mich leidig an einen Urlaub, in dem wir ein kleines Dorf in Bayern erwischten, in dem man die Veggies eher so als Aliens oder den Yeti abtat: soll es geben, haben wir aber noch nie gesehen…. Meine Mutter lebte eine Woche von Bratkartoffeln (wenn sie Glück hatte, kamen die tatsächlich ohne Speck), Beilagensalat und jeder Menge Nachtisch. Dabei zeigt „Gemüse. Das Kochbuch.“ von Andrea Grossmann, Michael Kolm und Johann Pabst aus dem pichler Verlag, dass es so einfach sein könnte bei der Fülle der Sorten und Zubereitungsarten.
Im Übrigen war das mit dem Speck an den vegetarischen Bratkartoffeln nur eine von zahlreichen Erlebnissen dieser Art: Wir hatten auch ( – wohlgemerkt immer mit dem Hinweis, dass sie vegetarisch essen möchte -) Feldsalat mit Speck, Kartoffelsuppe mit Grieben, in Schmalz gebratene Pfannekuchen, Gemüsesuppe mt Hühnerfond und mehr. Ich glaube ich wäre an dieser Stelle ziemlich böse geworden… ^^ aber zurück zum Gemüse.gemueseAndrea Grossmann, Haubenköchin in Pörtschach, Michael Kolm, Leiter des Familienbetriebes „Bärenhof“ in Arbesbach, und Johann Pabst, kochendes Urgestein im „Hotel & Spa Der Steirerhof Bad Waltersdorf“, kennen sich mit der Materie aus und zeigen das mit diesem Buch in höchster Perfektion. Der Titel klingt jetzt erstmal ein bisschen sehr schlicht, doch das Werk hat es in sich – schließlich nennen die drei Autoren das Ganze auch „Gemüsebibel“. Oha, na da bin ich ja mal gespannt. Die „Bibel“ umfasst 54 Gemüsesorten, die in alphabetischer Reihenfolge erst mal vorgestellt werden – darunter natürlich alle Klassiker, aber auch Exoten wie Chioggia-Rübe, Mangold, Pastinaken, Petersilienwurzeln und Topinambur. Kennt man zwar irgendwie alles, aber wie man das jetzt tatsächlich optimal zubereitet, weiß ich nicht unbedingt. Bei mir beginnt das Halbwissen immer mit der Frage „Kann man das auch roh essen oder muss man das kochen, damit es schmeckt und verträglich ist…?“.
Die drei Kochprofis verraten uns aber nicht nur alles Wissenswerte zu den Gemüsesorten, sondern liefern auch gleich noch die passenden Rezepte. Mir kam die Aufteilung des Buches sehr gelegen, da ich vor wenigen Tagen eine alternative Zubereitung für Chicoree suchte, bei der dieser mal nicht als Salat auf den Tisch kommt. Prompt gab es auch hierfür gleich drei kreative Ansätze, die mich alle angesprochen haben und von denen eine auch auf meinem Teller gelandet ist. Sehr leckerer „Geschmorter Chicoree in Orangensaft“. Das werde ich definitv wieder so umsetzen. gemuese2Für alle, die also ein Gemüse haben und dann ein Rezept dazu suchen, ist das Buch perfekt geeignet, aber natürlich auch für alle, die einfach mal einen Überblick wollen, was man seinen vegetarischen Gästen denn so anstatt gemischtem Salat oder Ratattouille kredenzen könnte.
Die Rezeptvielfalt reicht dabei von Beilagen wie „Pikanter Rübensalat mit Obers-Rettichsprossen-Creme und Kürbiskernpesto“, „Orientalischer Süßkartoffelflan“, „Feldsalat mit gebratenem Kürbis und Schafskäse“ oder „Eierschwammerl-Tatar“ bis hin zu kompletten Mahlzeiten wie „Wurzel-Linsen-Ragout mit Pommes carrées und Linsenhippen“, „Zwiebeltarte mit Eierschwammerln und Kräutersalat“, „Taleggio-Gemüserisotto mit Pesto, mariniertem Rucola und Kräuterseiltingspiccata“, „Kohlrabi-Spaghetti mit gegrillter Tomatenpolenta“ und „Crème brûlée vom Karfiol mit Tempura-Mohn-Gemüse“. Das klingt alles nicht nur wirklich fantastisch, das sieht auf den zugehörigen Bildern auch wirklich mehr als fantastisch aus. Farbenfroh, vielfältig und abwechslungsreich. So wünscht sich doch jeder Vegetarier zukünftig auch in einem bayrischen Dörfchen seine Speisekarte.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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