Bockshornklee küsst Kardamom – Indisch für Anfänger

indischVerführerische Indische Küche. Originalrezepte aus ganz Indien.“ bringt uns der Parragon-Verlag näher. Damit wir vorab wissen, was wir zu erwarten haben, gibt es ein Intro mit einer kruzen erklärung zur Geschichte der Indischen Küche, deren Abstammung, Einflüsse und Entwicklung seit 2800 v. Christus. Und da die Einflüsse zahlreich udn die daraus resultierende Küche mehr als vielfältig ist, gibt es noch eine kurze Erklärung dazu, worin sich Norden, Süden, Westen und Osten in ihrem Angebot heute unterscheiden. Unterschiedliche kulturelle Einflüsse und die Tatsache, dass alle Regionen über andere landschaftliche Konditionen und klimatische Bedingungen verfügen und somit andere Nahrungsmittel auf ihrem Speiseplan stehen haben, bedeutet eine Fülle an indischen Gerichten, der ich mir bis dato nicht bewusst war.
Bevor es losgeht, vermittelt uns die Liste der „Wichtigsten Zutaten“ noch einen Eindruck davon, was wir für das perfekte indische Essen benötigen wie Gewürznelken, Bockshornklee, Fenchelsamen, Garam masala und Kardomom. Vieles davon habe ich tatsächlich da, bei Bananen- und Curryblättern und Asant (gemahlenes Harz) muss ich passen. Aber bisher habe ich glaub auch noch nie irgendwas gekocht, wofür ich das gebraucht hätte. indisch 2Das Kapitel „Grundrezepte“ zeigt, wie man „Garam masala“ (eine der populärsten Gewürzmischungen), „Grüne Chilipaste“, „Paneer“ (weißer Käse) oder auch „Ghee“ (Butterschmalz) selbst herstellt. Das finde ich schonmal löblich, denn wenn etwas mit so wenigen Zutaten herzustellen ist, ich es aber in Deutschland nur sehr schwer fertig finden kann, warum sollte ich es dann nicht einfach selbst machen? Im ersten „richtigen“ Kapitel heißt es dann „Raitas, Chutney & Pickles“, typische Beilagen also, die zum Essen dazugericht werden wie „Gurken-Raita“ (erinnert von den Zutaten an einen milden Tsaziki), „Raita mit Joghurt, Granatapfel und Erdnuss“, „Koriander Chutney“, „Kokosnuss-Sambal“ und „Eingelegte Limetten“. Schon hier wird deutlich, dass Gewürze das „a und o“ der Küche sind und hier alle, die es nicht zumindest ein bisschen scharf mögen, verloren haben, denn es gibt fast kein Rezept ohne Chili. Mir persönlich sagt das aber sehr zu, da ich liebend gerne scharf esse. Auch die ansprechenden Fotos der Gerichte und die wunderschönen bunten Bilder Indiens machen Lust, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Weiter geht es dann mit „Snacks und Vorspeisen“, also kleinen Häppchen, die zu jeder Tageszeit passen. Hier erwarten uns „Vegetraische Samosas“ (das ist ja so etwas, was man klassischerweise bei einem Inder in Deutschland auch bekommt), „Kochbananenchips“, „Gefüllte Chili-Bhajis (also grüne Chilis, die mit einer würzigen Kartoffelmasse gefüllt und mit Kichererbsen-Kreuzkümme-Chili-Teig ummantelt frittiert werden), „Tapioka-Kartoffelküchlein“ (ja, die kleinen Perlen, die bei uns vor ein paar Jahren in Bubble-Tea ertränkt auf dem Markt kamen… ), „Pikante Joghurtsuppe“, sowie diverse Fschhäppchen, die entweder frittiert, gebraten oder als Küchlein auf den Tisch kommen. Den internationalen Einfluss merkt man dann bei „Koriander-LammKebab“, „Hühnchen-Ei-Rolle“ und „Gedünstete Hähnchen-Teigtaschen. Alles in allem extrem unterschiedliche Gerichte, wobei mir auffällt dass die Inder wohl ganz gerne Sachen in Teig verstekcn und das dann frittieren. Da es aber wie gesagt so eine große Auswahl gibt, bleibt auch ohne diese Rezepte noch mehr als genug übrig, was man unfrittiert genießen kann. Es folgen neben weiteren sagenhaft schönen, bunten, atemberaubenden Bildern noch mehr Rezepte, diesmal „Hauptgerichte“, worunter dank einer reichhaltigen Einlage durchaus auch eine „Vegetarische Nudelsuppe“ zählt. Diverse Currys wie „Bengali-Curry“ (mit Zucchini, Aubergine, Erbsen, Mohn, Ingwer und mehr), „Linsen-Gemüse-Curry“, „Tandoori-Pilz-Curry“ und sehr viele unterschiedliche Fisch-Currys folgen. Daneben gibt es „Knoblauch-Chili-Kartoffeln mit Blumenkohl“, „Würziges Auberginenpüree“, „Seezunge in Chili-Joghurt“, „Gedämpfter Fisch mit Koriander Chutney“, „Frittiertes Höhnchen nach persischer Art“, und allerlei Hähnchen nach „Goa-Art“ (mit Neklken, Zimt, Kokos), „Biryani“ (mit Knoblauch, Ingwer und gewürztem Reis). Wir bekommen „Fleischbällchen in cremiger Cashewsauce“, „Lamm-Dhansak“, „Kaschmiri-Lamm in Fenchelentopf“ und „Schwein mit Chili, Essig & Knoblauch“ (das einzige Scheinefleischgericht im Buch, soweit ich das sehe – warum ich bislang noch kein Gericht mit Rundfleisch gefunden habe, fällt mir auch gerade wieder ein ^^) serviert und ich erkenne, dass es hier niemals unter zehn verschiedenen Gewürzen ausgeht. ich stelle mir ein paar Leute meines Freundeskreises vor, die nicht über Salz und Pfeffer hinauskommen und weiß, dass die das weder zubereiten noch essen könnten. Diese Explosion der Geschmacksknospen ist halt nicht für jeden was. Wer auf Schnitzel mit Pommes abfährt und als Beilage maximal Ketchup mag, der dürfte schlichtweg überfordert sein. Für alle, die beim Essen gerne Abwechslung haben und sich auch gerne daheim fühlen möchten, als seien sie im Urlaub, die dürften bei diesem Buch in Verzückungsschreie verfallen. indisch3Insbesondere für die Vegetarier bietet diese Küche eine immense Auswahl. Auch das vierte Kapitel dürfte wieder alle Vegetarier erfreuen: „Hülsenfrüchte“ – herzhafte Gerichte aus Hülsenfrüchten, auch als Beilage geeignet. Ob „Gelbe Mungobohnen mit Pilaw-Reis“, „Pikante Schwarze Linsen“, „Kitchri“ (eine Kombi aus Basmatireis und roten Linsen), „Gemischte Hülsenfrüchte mit Fünf Gewürzen“, oder auch „Kichererbsen in würziger Tomatensauce“ – Langeweile? Fehlanzeige! Die vorletzte Abteilung des Sammelsuriums der indischen Küche befasst sich mit „Reis und Brot“ beweist eindrucksvoll, dass Reis definitiv nicht einfältig und öde ist, sondern durch Zugabe von Gewürzen, Samen, Nüssen, Kokosmilch und mehr gleich eine ganz neue Dimension einnimmt. Das gilt auch für Brot, welches wir hier als „Chili-Koriander-Naan“, „Pikantes Kichererbsenfladenbrot,“ oder „Parathas mit Kartoffeln und Blumenkohl“ kennenlernen. Und dann befinden wir uns mit „Desserts & Getränke“ schon am Ende unserer bunten Reise. „Weiches Karotten-Toffee“, „Safranjoghurt mit Granatapfel“, „Cremiger Mandel-Pistazien-Reis-Pudding“ oder „Rosen-Glasnudel-Milchshake“ hier geht es richtig süß zur Sache. Für den europäischen Gaumen dürfte das ein oder andere, was man uns hier vorschlägt, deutlich zu süß sein, aber auf einen Versuch sollte man es definitv ankommen lassen so lecker wie das auf den Bildern ausschaut. Ob ich mich mit Glasnudeln und Basilikumsamen in einem Milchshake anfreunden kann, weiß ich zwar noch nicht, aber wer nicht wagt…. Insgesamt ein ganz wunderbares Buch mit unglaublich tollen Bildern Indiens, tollen Food-Fotos und definitiv ausgefallenen Rezepten, die uns Indien in die heimischen vier Wände zaubern.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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