Snackst du noch oder powerst du schon?

power2Wer kennt das nicht? Riesen Hunger vor oder nach der Mittagspause, schnell was Kleines zwischendurch gegessen, weil man noch so wahnsinnig viel zu tun hat und dann das: Fresskoma. Da ist das Essen noch nicht mal ansatzweise verdaut, da meldet unser Hirn schon Sendepause und wir wissen genau, dass dieses Tief jetzt weder mit einem Espresso noch mit frischer Luft weggeht. Seit geraumer Zeit geistern so genannte „Superfoods“ durch die Presse. Essen, welches angeblich genau diesen nachteiligen Effekt verhindert. Mit „Power Snacks, 50 supergesunde Snacks für Energie und Ausdauer“ aus dem Parragon Verlag landet so ein Werk erstmals bei mir auf dem Tisch.

Nach einer ausführlichen Einführung rund um das Thema „gesunde Ernährung“ und „was man braucht, um fit und leistungsfähig zu sein“, geht es los mit der Rubrik „Unterwegs“, welche uns in die Welt der idealen Snacks für außerhaus einführt. Schokoriegel und Co waren gestern. Heute gibt es „Litschi-Trauben-Erfrischung“, „Dreierlei Quinoa-Power“, „Geröstete Kichererbsen mit Würzmischung“ oder auch „Mandel-Aprikosen-Energieschnitten“. Alles vegetarisch, soweit ich das richtig sehe auch vegan und durchaus lecker. Eine gute Alternative zum Schokoriegel ist das allemal, aber leider auch richtig kalorienreich. Superfood ist also in großen Mengen genossen, keineswegs super für die Figur. Das sollte man vielleicht noch ein bisschen deutlicher hervorheben. Denn auch, wenn das alles gesund ist und Kraft gibt – es eignet sich nicht, um sich damit satt zu essen, sondern soll lediglich einen kleinen Kraftschubs geben. Im zweiten Kapitel „Auf der Arbeit“ werden uns dann „Geröstete Grünkohlchips“, „Zucchini-Walnuss-Brötchen“, „Kokos-Haselnuss-Trüffel“ oder „Kekse mit Schokolade & Quinoa“ serviert. Auch hier gilt wieder: Genuss in Maßen, nicht in Massen. Sicherlich bieten alle Rezepte einen höheren Mehrwert als dies ein plumper Schokokeks oder die Tüte Gummibärchen könnte, aber kalorientechnisch gibt sich das kaum was. Die Autoren sehen die Vorschläge jedoch ebenfalls keinesfalls als Mahlzeitenersatz, sondern nur als Lösung, den Gang zum Süßigkeitenautomaten zu verhindern. Teil drei heißt „Energieschub“ und liefert uns besonders protein- und fettreiche Rezepte wie „Eiweiss-Birnen-Shake“, „Putenkroketten mit Parmesan-Leinsamen-Kruste“, „Popcorn-Schoko-Schnitte mit Gojibeeren, Mago & Pistazien“ sowie „Bananenröllchen mit Tahini & Dattelsirup“ oder „Hähnchen-Bällchen mit Grünkohl & Chiasamen“. Den Hinweis, dass zu einem gesunden Lebensstil auch entsprechend regelmäßig Bewegung gehört, gibt es gratis obendrauf. Danach erwarten uns die „Wochenendsnacks“, also Kleinigkeiten, die ein wenig aufwändiger sind als das, was uns zuvor präsentiert wurde. Da gibt es dann „Hähnchen-Satay mit Erdnusssauce“, „Mini-Paprika mit Hähnchen-Käse-Füllung“, „Dicke-Bohnen-Dip mit Minze & Rohkost“, „Kürbis-Pekannuss-Pfannekuchen“ aber  auch „Vietnamesische Garnelenrollen“. Insgesamt für mich eine ansprechendere Rubrik, weil die Sachen nicht nur gesund, sondern auch durchaus in größeren Mengen zu genießen sind. Der letzte Teil (Kaptiel 5) befasst sich mit „Süße(n) Verführungen“ – … moment, wenn das jetzt nochmal ein eigenes Kapitel wird, was waren dann die gefühlten 1000 Rezepte mit Schokolade, Banane, Erdnussbutter, Datteln, Popcorn… – okay, ich bin gespannt. „Macadamia-Cupcakes mit Schokoglasur“, „Brownies mt Schwarzen Bohnen“, „Eiscreme mit Kokosmich, Erdbeeren & Honig“ reihen sich ein neben „Mini-Blinis mit Pfirsichen & Himbeeren“ oder „Rhabarber-Zitronenkuchen mit Sirup“. Alles in allem wirklich leckere Rezepte und der Gedanke, Zucker und Künstliches zu vermeiden, gefällt mir auch, aber auch hier sollte man mit den Mengen ganz schön vorsichtig sein.
Summa summarum finde ich das Buch und die Rezepte sehr ansprechend. Die Zutaten sind ausgewählt, ehrlich und hochwertig, die Zubereitung ist kein Hexenwerk und auch für jeden Anfänger machbar. Was man jedoch immer im Blick haben muss, ist ähnlich dem, was bei vielen Bioprodukten gilt: das Produkt x/y ist im Vergleich hochwertiger als das Billigprodukt z, aber auch x/y macht nicht schlank. Ob der Schokoriegel jetzt aus fairtrade-Bioanbau stammt oder nach den Vorgaben der Superfoods zubereitet wurde (mit dunkler Schoko, Nüssen, Früchten, Samen) – es ist und bleibt ein Schokoriegel, der sich auf die Hüften schlägt. Unter dem Aspekt jedoch, dass man sich mit dem Essen bewusst auseinandersetzt und wirklich einen Mehrwert bei den Power-Snacks hat, macht das Buch für alle, welchen die Problematik des Mittagstiefs vertraut ist, durchaus Sinn. Wer sich figurfreundliche Vorschläge erhofft, ist fehl am Platz.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆

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