Crazy Kreuzungen für Genuss-Hipster

cronut2Bagel, Donut und Muffin waren gestern und sind heute ja schon wieder so „altbacken“, dass sogar die meisten Großeltern etwas mit den Begriffen anfangen können. Heißt dann zwar ab und an mal „doffnudd“, „bägggel“ und „mafffn“, was aber vielleicht auch mit dem dialektalen Umfeld zu tun haben könnte. Fakt ist: Die Welt braucht wieder was Neues, dem die hippen der Hippsten hinterherrennen können und das beim „Dorfvolk“ erstmal nur für große Fragezeichen sorgt. Et voila, hier kommen Cronut, Crogel und Bruffin. Was klingt wie ein schlechter Scherz und klassischer Verhörer, ist der neuste Schrei in der Backwelt. Zwitter-Snacks, also solche, bei denen man einfach mal zwei Klassiker gekreut hat, um das ultimative Geschmackserlebnis zu kredenzen. Beim Cronut sind das Croissant und Donut, also Blätterteig in Donutform. Beim Crogel sind Croissant und Bagel zusammengekommen, was durch das vorgaren des Gebäcks in Wasser zu einem außen knusprigen und innen weichen Kringel führt. Und beim Bruffin ergeben Muffin und Brioche (also das interkulturelle Couple USA-France) einen in der Muffinform gebackenen fettigen Hefeteig, in welchen Zutaten eingerollte werden. Und wer keine Zeit hat, mal eben nach Amerika zu springen und sich ein paar Stündchen bei den angesagtesten Läden für diese Neukreationen anzustellen, der bereitet sie kurzum anhand von „Cronuts, Donuts & Co. Über 50 trendige Backideen“ von Karin Iden aus dem südwest-Verlag selbt daheim zu.
cronut1Wer jetzt nur den Kopf schüttelt, dem sei gesagt, dass da ja gar nicht so dumm ist, denn eigentlich verfolgt das ja das gleiche Ziel wie alle Kreuzungen (zB in der Pflanzenwelt), bei denen man versucht, die besten Eigenschaften einzelner Objekte zu kombinieren, um ein noch überzeugenderes Endergebnis zu erhalten. Und das ist ja irgendwie sinnvoll, oder? Mag sein, dass ich da jetzt ein bisschen was zusammenwerfe, aber ich versuche nur, dem Ganzen eine faire Chance zu geben und nicht ebenfalls von vornherein „überflüssig“ zu rufen. Das kleine, aber feine Büchlein beginnt mit einem praktischen Intro zu den einzelnen Teigsorten und den zugehörigen Tipps, damit diese auch optimal gelingen. Wer schon mal an einem Brand- oder Hefeteig verzweifelt ist, weiß diese Anweisungen zu schätzen. Danach folgen fünf Kapitel mit Rezepten udn zwar „Donuts – Auf die amerikanische Tour“, „Cronuts – Eine runde Sache“, „Bagels- Süß und pikant“, „Crogels – Außen knusprig, innen weich“ und „Bruffins – eine kleine Mahlzeit“. Bei den Dounts haben wir die Wahl zwischen Hafe- und Rührteig sowie einer Variante Cake-Donuts vom Blech. Diese werden dann unter andem zu „Starlight-Donuts“ mit Vanillefüllung und -glasur, erhalten Irish-Whiskey-, Kirsch-, Schoko-Minz-, Matcha-, Bitterlikör-Orangen-, oder auch Caipifüllungen. Die Cronuts gibt es dann mit Nouguat-Mandel, Gewürzcreme, Pistazien- und Eierlikörcreme mit Hugo-, Mango-Kokos-, Orangen-Lavendel- und Erdbeer-Basilikum-Creme. Für alle, die es lieber herzhaft mögen gibt es alternativ Forellenmousse, Kalbsleberpâte oder Roquefort. Und wer sich nicht ganz vorstellen kann, wie das im Endeffekt aussieht, der stellt sich einfach vor, dass man ein Croissant aufschneidet, belegt oder beschmiert und einen Überzug drauhaut. Nur eben, dass es sich um ein runde Croissant mit Loch in der Mitte handelt. Man könnte auch sagen, dass es halt ein Dougnut ist – nur mit einem Croissantteig. Und wenn wir dann jetzt zu den Bagels kommen, könnten wir die auch so beschreiben. Also ganz strenggenommen haben wir eine Form, die aber jedes Mal aus einem anderen Grundteig besteht 🙂 ganz einfach.
Bei den Bagels gibt es dann statt der Glasur eben Käse, Körner oder Gewürze obendrauf. Innendrin bietet uns Iden „Kiwi und Schinken“, „Chicken-Sunrise“(Hähnchenbrist mit Koriander, Chili, Zwiebel und Curry), „Tofu und Gemüse“, „Dänische Art“ (Würstchen und Gewürzgurke und Pflaumensenf) – nuja, wenn es denn sein muss. Das wäre mir jetzt etwas zu gewagt, muss ich sagen, aber ich habe auch ein kleines Problem mit der Kombi süß/herzhaft. Insegsamt fällt dieses Kapitel aber auch sehr kurz aus. Wobei man ja ehrlich sagen muss, dass das eigentlich nur ein „wie belege ich mein Brötchen“ Kurs ist, oder? Bei den Crogels (Hefe-Blätterteig in Kreisform) gibt es bunten Quark, Lachscreme und Kaviar, Zucchini und Bacon, Avocado-Eiercreme und noch ein paar Ideen, die man auch auf alle anderen Brötchen hauen könnte. Wirklich originell finde ich hingegen die Bruffins, die „Wunder-oh-Wunder“ sogar mit einer eigenen Form daherkommen. Gebacken werden sie in Muffinformen, weswegen wir keinen Kreis mit Loch haben ^^, sondern richtig schick aussehen. Man rollt dabei die Zutaten in den Teig ein, weshalb dieser eine Rosenform erhält. Der Grundteig ist ein Briocheteig, der dann wahlweise mit Rosinen und Kardamom, Marzipan und Pistazien, Mandeln, Zucker & Zimt, Mohn udn Rosinen oder Schinken, Käse beziehungsweise Lauch und Speck garniert wird.
Insgesamt finde ich das Buch ganz süß. Schöne Fotos, nette Ideen, die sich insbesondere für die Kaffeetafel oder auch als kleine Überraschung für die Kollegen im Büro anbieten. Allerdings sind ein paar der Anregungen ein bisschen fade bzw nicht sonderlich neu und insgesamt einander zu ähnlich. Für die Bruffins, die ich bis dato tatsächlich nicht kannte, gibt es aber einen Extrapunkt 🙂
Anfängertauglichkeit: ☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆

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