Sehnsucht nach Südindien

spiceSpirit & Spices. Südindische Kochkulturen“ von Michael Langoth aus der styria edition hat mich in mehrfacher HInsicht überrascht. Zuerst fällt auf: das Buch kommt wirklich großfromatig daher, was bei den tollen Bildern aber nur von Vorteil ist, damit man sich an diesen in ihrer ganzen Opulenz erfreuen kann. Dann stellt  man bereits auf den ersten Seiten fest, dass es sich nicht (wie ich ursprünglich dachte) um ein Kochbuch handelt, sondern vielmehr um ein Kulturbuch. Wir erfahren sehr textreich, aber auch mit unglaublich tollen Bildern alles rund um die Kultur, die Ernährung, die Landwirtschaft, die Religion und mehr. Wie das mit den Gewürzen ist, den heiligen Kühen, dem Vegetarismus und der indischen Brotkultur. Die Gewürze wie Pfeffer, Kardamom, Koriander, Curryblatt, Tamarinde, Asant, Schwarzkümmel, Amchur oder auch Ajowan werden ausführlich dargestellt, oftmals sieht man die einzelnen Zwischenschritte von der frischen Frucht bis hin zum fertigen Gewürz, es werden die Einsatzgebiete und die medizinischen Aspekte erläutert. Nach einem verhältnismäßigen Kapitel mit Kochtechniken, welches Zutaten, Zubereitungen und Equipment der indischen Küche darstellt, folgen dann tatsächlich auch noch Rezepte. Die Zutaten sind überschaubar und werden ganz übersichtlich unter den Rezepten nochmal in klein abgebildet so dass man auf einen Blick erkennt, was im Rezept drin ist. Die Idee finde ich richtig gut und praktisch. Auf einen Blick erkennt man bei den exotischen Namen der Rezepte, ob es zB vegetarisch ist ohne, dass man die gesamte Zutatenliste lesen muss. Gefällt mir ausgesprochen gut. Wir erfahren, wie man selbst Masala-Sauce herstellt, um damit „Green Chicken Masala“, „Chana-Masala“ (Kichererbsen-Kokos-Masale), „Taar-Masala“ (Lamm-Karamom-Masala) oder auch „Alli Masala“ (Kartoffeln & Bumenkohl) zuzubereiten. Auf Masala folgt Dal (darunter fallen alle Hülsenfrüchte) mit „Nimakai Rasam“ (Rote Linsen mit Limette aus Thailand), „Palak Dal“ (Straucherbsen und frischer Spinat), „Schwarze Berglinsen mit Granatapfel auf indische Art“ oder „Sambar“ (Gemüsesuppe  mit Urdbohnen und Tamarinde). „Dry“ präsentiert dann frittierte, gebratene und gegrillte Gerichte ohne Sauce wie „Green Chicken Tikka“ (Gegrillte Hühnerstücke mit Grüner Kruste), „Gobi Manchurian“ (Mandschurischer Blumenkohl), „Thoran“ (Gebratenes Gemüse mit Kokosnuss aus Kerala). Dananch folgen die Reisgerichte wie „Chicken Biryani“ (Goldener Safranreis mit Huhn), „Prawn Pulao“ (Zarte Shrimps in duftendem Reis). Den Abschluss bilden Joghurtkreationen wie „Minze-Koriander“, „Karotte-Kohlrabi“, „Ananas-Granatapfel“, Chutneys mit Tomate, Mango oder Kokos sowie „Pickles“, also eingelegte unfreiefe Früchte mit viel Säure. Und last but not least folgt noch ein kurzer Abstecher in die Nachtischwelt mit „Rabdi Kulfi“ (Eis aus gebratener Milch), „Nariyal Ki Kheer“ (Kokos-Reis-Flammeri) und „Kesari Bhaath“ (Gerösteter Griess mit Safran und Nüssen) bevor wir noch die Verbindung von Religion und Essen bei den Indern erläutert bekommen.
Ich bin absolut angetan. Wenngleich Indien in den Medien in den letzten Jahren ja nicht unbedingt für positive Schlagzeilen sorgen konnte, so macht das Buch dennoch Lust auf eine Reise dorthin. Die Kultur ist spannend, bunt lebendig und die Küche muss er Wahnsinn sein. Ich kenne nur die eingedeutschte Variante und kann daher nur erahnen, welche Fülle an Aromen und welche Geschmacksexplosionen die Gerichte im Original auszulösen vermögen. Wenn die Sachen nur halb so gut schmecken wie die Bilder es vermuten lassen, dann muss es großartig sein. Ein ganz tolles Buch, das keineswegs ein Kochbuch ist, sondern ein Spiegel der Kultur, in welcher das Essen eine zentrale Bedeutung hat. Wundervoll!

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

und einen Extrapunkt, weil ich es mir auch einfach nur als Kunst- und Kulturobjekt in die Vitrine stellen möchte: ☆.

Advertisements