Rotkäppchen steht auf Schinkenstullen

maer.jpgNeue Ansätze finde ich ja generell spannend und die Idee, Märchen mit Rezepten zu verbinden, ist richtig gelungen. Betrachten wir beides als Kulturgut der Gesellschaft, so ist die Gemeinsamkeit schnell gefunden und wenn man aufmerksam durch die Märchenrunde geht, fällt einem auf, dass tatsächlich in vielen davon das Essen eine große Rolle spielt. Da hätten wir Rotkäppchen mit dem gefüllten Korb, Hänsel und Gretel, die einerseits das Lebkuchenhaus vernaschen, andererseits über Brotkrumen den Weg zurück nach Hause sichern, wir hätten den Froschkönig, der darauf besteht, vom gleichen Teller zu speisen und Schneewittchen, die bei den Zwergen selbiges einfach tut, ohne um Erlaubnis zu bitten. Und natürlich gibt es zum Happy End stets ein opulentes Bankett. Auf die Idee zum Buch bin jedoch nicht ich gekommen, sondern Stevan Paul, der bei „Heute koch ich, morgen brat ich. Märchenhafte Rezepte“ erschienen im Hölker Verlag definitiv eine geniale Eingebung hatte.

maer3Acht Märchen hat er sich vorgenöpft und passende Menüs dazu entworfen: „Aschenputtel. Einfache Küche“, „Dornröschen. Für Gäste“, „Rapunzel. Verführerische Sünden“, „Rotkäppchen. Für unterwegs“, „Rumpelstikzchen. Über dem Feuer“, „Schneewittchen. Lieblingsgerichte“, „Die Bremer Stadtmusikanten. Abendbot“ und „Hänsel und Gretel. Ofenschmaus“.
Vom ersten Eindruck her, überzeugt das Buch durch einen wunderbaren Einband, tolle Zeichnungen und Fotografien märchanhafter Orte und Wesen runden dieses positive Bild ab. Dann erklärt der Autor uns, wie er zu der Idee kam und wie der Aufbau (am Anfang ist immer das Märchen abgedruckt) sich gestaltet und wodurch das Buch sich auszeichnet („kulinarische Märchenwelt, in der besondere Würzungen, viele alte Gemüsesorten und Kräuter eine wichtige Rolle spielen“). Da man zwar im Prinzip alle Märchen irgendwie kennt, diese aber oft nicht ganz präsent hat, finde ich das nützlich. Zumal man im Zweifelsfall den Partner in der Küche damit beschäftigen kann, dass er einem vorliest und nicht beim Kochen stört *chrrchrr*.

maer4.jpgBei Aschenputtel locken „Tomatensalat mit Tomaten-Pesto-Röstbrot“, „Gebratene Makrele auf Rahmspinat mit Linsen“, „Lyoner-Rettich-Salat mit Löwenzahn“ oder auch „Blaue Kartoffeln mit Kräuterquark und Brezel-Radieschen-Salat“. Schöne Bilder, schöne Rezepte und dazwischen immer wieder Fotografien und Zeichnungen. Dornröschen empfängt uns mit „Prinzenröllchen“ (Gefüllte Kalbsröllchen), „Spargelsalat mit Rhabarber-Vinaigrette und Rosen“ und „Rosenlikör“, bei Rapunzel „Rapunzelsalat deluxe“ (Feldsalat mit Kartoffeln, Nüssen, Birnen und Blauschimmelkäse), „Grüner Spargel mit getrüffeltem Rührei“, „Feine Nudeln mit Estraogon-Butterforelle und Orangenrahm“ – zudem zeigt eine Übersicht der einzlenen Kartoffelsorten wie vielfältig die Knolle ist. Für unterwegs gibt uns Rotläppchen dann „Rote-Beeren-Limonade“, „Lauch-Zwiebel-Muffins mit Schnittlauch-Meerettich-Quark“, „Schinkenstulle mit ofengeschmorten Tomaten und Kräuterfrischkäse“ sowie „Sternkrapfen mit Schokoladensauce“ mit. Auch die nächsten Kapitel überzeugen mit einem bunten Mix aus stimmigen Landschafts und Essens-Fotografien, Zeichnungen, Übersichten (Kräuter/ Wurzelgemüse/Pilzvariationen) und versetzen einen beim Blättern in eine fantasievolle Stimmung. Für alle, die ein Kochbuch mit Mehrwert wollen, das unterhält und neue Impulse vermittelt, ist das Buch bestens geeignet. Für alle Eltern aber der Hinweis: Auch wenn es sich hierbei um ein „Märchenbuch“ im weitesten Sinne handelt, dürften Kinder von den Rezepten nur bedingt begeistert sein. Ich persönlich freue mich sehr darüber, dass Herr Paul diesen genialen Einfall hatte.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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