Kaum Kohlenhydrate, viel Genuss.

low.jpgAls Kontrastprogramm zur Schokolade gibt es jetzt noch als guten Vorsatz für den Jahreswechsel „Low Carb mit Genuss. 100 kreative Rezepte mt den richtigen Kohlenhydraten“ aus dem Thorbecke Verlag von Tori Haschka. Die Autorin, die nach einer Infizierung mit Kolibakterien Drüsenfieber bekam und ihre komplette Ernährung umstellen musste, berichtet von Ihrer Suche nach energiespendenden Kohlenhydraten. Auf diesem Wege landeten damals statt Reis, Nudeln, Kartoffeln und Brot Quinoa, Chiasamen, Leinsamen und Hülsenfrüchte auf Ihrem Teller. In welcher Form genau, das werden uns die Rezepte dann wohl zeigen.


Wie bei einem klassischen Tagesablauf beginnen auch wir mit der Ernährung am Morgen und „Muntermachende & Stärkende Frühstücksideen“. „Pancakes mit Mandeln und Blaubeeren“, „Omlett  mit Feta, Minze, Linsen und Pistazien“, „Quinoa-Porridge mit Chai-Tee und Aprikosen“, „Weiche Eier mit baked beans“ oder „Socca-Pfannekuchen mit geräuchterm Lachs und Hüttenkäse“ sind die Alternative zu Brot, Brötchen und Cornflakes. Die Rezepte klingen super, sind aber durchaus aufwendig, da sie zahlreiche Zutaten und deutlich mehr Zeit als ein Marmeladenbrötchen beanspruchen. Wer also morgens immer in Eile ist, der sollte am besten abends schon alles soweit vorbereiten wie es geht. Das nächste Kapiel „Leichte Snacks zu Drinks“ klingt wie für mich gemacht, wenn es denn das ist, was ich mir darunter vorstelle… und eine kurze Erklärung vor den Rezepten bestätigt meine Hoffnung: Alternativen zu Chips, Salzsstangen und Co.
„Gemüsesticks mit weißen Bohnen, Parmesan und Artischocken-Dip“, „Radieschen mit Butter und Trüffelsalz“, „Grünkohlchips mit Zitrone“, „Spießchen mit frischen und gebratenen Tomaten, Minze und Halloumi“, „Zucchini-Fritten“ und „Würzige Kichererbsen“ taugen zum Knabbern bei Tisch, aber vor dem Fernseher gibt das glaub ein ziemliches Chaos. Dennoch gute Ansätze, um sich mal  mehr zu gönnen als schlicht die Tüte Chips aufzureißen.
Teil drei widmet sich dann „Suppen“ (die andere Art des flüssigen Mittagessens). „Weiße Knoblauchsuppe mit roten Trauben“, „Aguadito oder peruanische Hühnersuppe mit Koriander“, „Kalte Kichererbsensuppe mit Curry“, „Hühnersuppe mit Zitrone, Ei und weißen Bohnen“ – dass diese Suppen gut sättigen glaub ich aufs Wort. Lecker aussehen tun die Gerichte auf jden Fall, aber bei so viel Bohnen, Linsen, Erbsen und „Füllmaterial“ kann ich  mir nicht vorstellen, dass mein Darm das so lustig fände. Was ich vom Titel „Interessante Beilagen & Salate“ (mit denen man auch einen 1,90-Meter-Mann satt bekommt) halten soll, weiß ich ja gerade nicht so ganz, denn „interessant“ ist im Bezug auf Essen und Frisuren immer kritisch zu betrachten. Aber schauen wir mal. „Fenchel-Püree“, „Erbsen-Püree“, „Karotten-Püree“, „Brokkoli-Steaks mit Chimichurri-Sauce und Paranüssen“, „Pikante Bratäpfel mit Ziegenfrischkäse und Parmaschinken“. Mir würden da glatt die Beilagen als komplette Mahlzeit ausreichen. Auch der „Drei-Bohnen-Salat mit Basilikum-Pesto“, der „Blumenkohl-Couscous mit Mandeln, Rosinen und Minze“, und die „Gebratene Rote Bete und Karotten mi Ras-el-Hanout, Minze und Laban“ würde ich mir sofort jederzeit bestellen. Die Fotos dazu sind ungekünstelt, ansprechend, ohne Schischi, aber rundum gelungen. Und während ich jetzt bereits „gesättigt“ bin, kommen wir zu „Leichte sommerliche Festessen“ und „Seebrasse im Zucchinimantel“, „Thailändischer Grüner Papayasalat mit Forelle“, „Paprikaschoten gefüllt mit Chiasamen, Hummus und Pinienkernen“, „Tandoori-Lachs mit Linsen und Raita-Sauce“ – und erneut die Erkenntnis, dass ich Bilder mit Fleisch (Hähnchen in Piri-Piri-Marinade mit schwarzen Bohnen und Tomaten/ Pulled Pork mit dirty Quinoa und Pfirsichen) schlicht wesentlich weniger sexy finde als vegetarische. Dass das trotzdem alles schmeckt, bezweifel ich nicht, aber wenn ich nach den Fotos wählen müsste….
dann doch lieber aus der Rubrik „Wohlfühlessen am Kamin“ „Aubergine überbacken“, „Quinoa-Grütze mit Garnelen“ oder „Miso-Aubergine mit Ingwer-Tofu und Adzuki-Bohnen“, obwohl die „Entenbrust mit Roter Bete, Radieschen und Kakao“ durachaus ansprechend daherkommt.
Und bevor ich gesättigtem Auges platze noch „Desserts, die Lust auf mehr machen“. Da hätten wir dann „Panna Cotta aus Jogghurt mit pochierten Zimt-Birnen“, „Trifle mit Chia, Mango, Kokos und Macadamia-Nüssen“, „Törtchen mit Erdnussbutter und Marmelade“ oder auch „Pfefferminz-Schokoladen-Mousse mit Pistazien“. Alles verdammt lecker und unter dem Aspekt, dass es sich hier um ein Kochbuch handelt, dass aus der Notwendigkeit von Verzicht und Einschränkung entstanden ist, kein bisschen Notlösung.
Gerade daher finde ich das Buch toll. Für alle, die das nur mal eben ausprobieren wollen, dürften die Rezepete von der Zusammensetzung und dem Aufwand jedoch zu anspruchsvoll sein. Halbherzig ist das nicht machbar. Für alle, die sich gesünder ernähren wollen oder tatsächlich unter Unverträglichkeiten leiden und ihre Kohlehydratzufuhr einschränken wollen oder müssen, gibt es hier haufenweise tolle Rezepte, die lecker sind, satt machen und bei denen man definitiv nicht auf Genuss verzichten muss.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆

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