Savoir vivre – mit dem passenden Wein

weinWie ich ja schon das ein oder andere mal habe durchblicken lassen, habe ich ein gewisses Faible für Wein. Eigentlich als Pfälzer Gewächs natürlich für die heimischen Tropfen, aber als Weinfreund verschmäht man auch keinen guten Tropfen von außerhalb. Da ich 2014 das Glück hatte, einen viertägigen Kurztrip durch Sud-Ouest Frankreich zu gewinnen, und mit zwei Sommeliers die französische Reblandschaft erkundete (Videobeweis Teil 3: hier) freute ich mich ganz schnitzelig auf „Meine Weinlese in Frankreich. Rezepte & Lebensart“ von Christiane Leesker und Vanessa Jansen aus de, Hölker Verlag. Zehn Winzerfamilien gewährten Einblicke in ihre Höfe, Töpfe und Leben und ermöglichten ein Buch voller authentischer, ungeschönte rund dennoch wunderschöner Eindrücke. Wie die Autorinnen betonen, waren sie extra zur Lese vor Ort, um realistische und lebensnahe Fotos und Rezepte einsammeln zu können. Das Ergebnis zeigt, dass es das wert war.

wein2Ich finde ja bereits das Cover mit den rustikalen. leicht abgewetzten Stühlen und der spärlichen Einrichtung, die man nur erahnen kann, irgendwie cool. Erinnert so ein bisschen an die Lese wie ich sie aus Kindheitstagen kenne, wenn man mit der Oma und dem Traktor in den Wingert gefahren ist, Trauben gelesen hat (als Kind mehr oder weniger zielgerichtet) und dann mitten im Weinberg Traubensaft und Butterbrot genossen hat. Klingt fast ein wenig kitschig so viel Idylle spricht da aus mir… war aber ganz einfach toll. Aber zurück zum Buch. Über 230 Seiten mit französischem Flair erwarten uns und bereits die ersten Seiten mit Landschaftsaufnahmen machen Lust auf die Reise. Eingeteilt ist das Sammelsurium an Bildern, Rezepten und Erfahrungsberichten in „Vorwort“, „Weinleseküche“, „Frühstück“, „Brotzeit“, „Kalte Vorspeisen“, „Warme Vorspeisen“, „Hauptspeisen“, „Beilagen“, “ Nachspeisen“,. „Der Wein“ und das Register samt Danksagung. Ein ganz schöner Wälzer also. Während die Bilder schon einen guten Eindruck des Lebensgefühls dort vermitteln, erklären die recht umfangreichen Texte über die äußeren Umstände und Gewohnheiten der Winzer und Erntehelfer auf. Als erstes Rezepte gibt es dann Pfirsich-, Feigen, Hagebutten- , Reineclaudekonfitüre (eine Edelpflaumensorte) mitsamt dem dazugehörigen „pain“, also Brot.  Das nächste Kapitel „Frühstück“, kommt ganz ohne Rezepte aus, da es hier um dessen Bedeutung geht. Erst die anknüpfenden Teile enthalten konkrete Anleitungen.
An dieser Stelle müssen auf alle Fälle die zahlreichen und mitten aus dem Leben gegriffenen Fotos erwähnt werden, die so stimmungsvoll und echt sind, dass man das Gefühl hat, mitten dabei zu sein. Sehr cool.
wein3Als kalte Vorspeisen serviert man den fleißigen Erntehelfern „Käsekrapfen“, „Radieschen mit Salz und Butter“, „Linsensalat“, „Rote-Bete-Salat“, „Tomatensalat mit Ei“, „Fleischpastete“ oder auch „Wildschweinterrine“. Alles nicht haute cuisine, aber die Leute sollen schließlich satt werden und ein bodenständiges Essen ohne riesigen Aufwand erhalten. Auch „Gemüsesuppe“, „Zwiebelsuppe“, „Kartoffel-Lauch-Suppe“, „Käsequiche“, „Pochierte Eier in Weinsauce“ und „Tomaten-Senf-Tarte“ sind in erster Linie günstig und gut sättigend.  Bei den Hauptgerichten winken dann „Griessklösse an Tomatensauce“, „Rind in Burgundersauce“, „Kalbsfrikassee“, „Wurst und Speck in Maische“, „Kaninchen in Weißwein“, „Hähnchen mit Pilzen und Oliven“ oder auch „Gefüllte Tomaten“. Als Vegetarier hat man hier definitiv ein Problem, denn die Küche ist deftig und fleischlastig. Bei den Beilagen stehen „Schmorkartoffeln“ und „Kartoffelpüree“, „Kartoffelgratin“, „Mangoldgemüse“ und „Ratatouille“ ebenso auf dem Speiseplan wie auch „Blumenkohlgratin“ und „Zucchinigratin“. Herzhaft, gut füllend, aber lecker. Nichts  für die schlanke Linie, aber wer hart arbeitet, muss auch gescheit essen.
Und was wäre Frankreich ohne seinen Nachtisch? Eben! Also gibt es noch „Vanilleflammeri!“, „Griespudding mit Karamell“, „Walnusskuchen“, „Puddingtarte“, „Weinbergspfirsich-Auflauf“, „Apfeltarte“ und „Crumble mit Weinbergspfirsichen“. Ein würdiger und typisch französischer Abschluss mit regionalen Produkten – stimmig wie der Rest des Buches.
Im letzten richtigen Kapitel geht es dann noch um den Wein, seine Tradition, die Herstellung, die Sorten, die Böden und vieles mehr. Ein kleiner Rundumschlag für eine erste Orientierung sozusagen. Da es sich ja bei dem Buch grundlegend um die Weinlese und die damit verbundenen Traditionen dreht, finde ich das hier auf alle Fälle angebracht und schön, denn ohne das ein oder andere Glas Wein geht sicherlich auch keine Lese zu Ende 🙂 Ein Buch für alle, die ein bisschen Urlaubsfeeling möchten, sich für Wein und Weinkultur interessieren und sich an wunderschönen Landschaftsfotos und Geschichten rund um Land und Leute erfreuen können.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆

 

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