Oh, wie süß! Zuckerbomben-Kreischalarm

candyDiese perfekt inszenierten, farblich unschlagbar harmonischen und bis ins kleinste Detail geplanten „Fest-Tische“ auf denen sich Minitörtchen, Minimuffins, Miniburger, Minihäppchen usw. türmen, kenne ich ja ehrlich gesagt bislang nur aus Frauenzeitschriften und dem Fernsehen. Da ich bislang weder auf einer Babyparty war, noch auf einer Hochzeit, auf der das zelebriert wurde, begebe ich mich mit „Sweet Table & Candy Bar“ auf ganz neues Terrain. Renate Gruner, die das Buch für den Brandstätter Verlag konzipiert hat, betreibt in Wien mehrere Cupcake-Cafes und war 2011 die erste, die den Trend dort der breiten Masse bekannt machte. Mittlerweile kennen auch die Österreicher Cupcakes, Muffins und Co und die gute Dame hat weitere Filialen eröffnet und Bücher geschrieben (unter anderem das, um welches es hier geht) und verspricht „Ein Schlaraffenland zum Greifen und Naschen nah!“ Na dann – auf in den Zuckerkampf. 

Das erste Ensemble heißt „Home Sweet Home“ und verführt uns mit „Bananen-Nuss-Brownies“, „Kalten Schnäutzchen“ und „Naked Cake“ – der ist nicht wirklich nackt, hat aber im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Kuchen und Törtchen keine Fondanthülle (Gott sei dank!). Aussehen tut das alles ganz nett auch, wenn ich es irgendwie so ein wenig farblos finde. Die „Pavlova“ so gelb-braun mit Eiweißfüllung, das „Weiße Kaffee-Feigen-Topping“ ebenfalls recht gelblich genau wie das „Nektarinen-Topping“, dazu braune „Kastaniengläser“. Sieht ganz hübsch aus, aber so ein wenig nach alten Polaroid-Fotos und Patina. Das Rosendekor und die Anrichtung im Holzschrank verstärken den Retro-Effekt zusätzlich. Für mich darf es ruhig ein wenig frischer zugehen.
Mit „Traumhochzeit“ wird es dann weiß-rosa und deutlich ansprechender. „Schmetterlingskekse“ (mit Fondant), „Herzkekse“ (mit Fondant), „I love you-Torte“ (mit noch viel mehr Fondant) treffen auf Muffins mit „Preiselbeer-Topping“, „Holunderblüten-Trüffeln“, „Früchtegläser“ und „Birnen-Topping mit Schokoerdbeeren“. Alles extrem zuckerlastig, pappig und zudem ziemlich mascarpone-schwer. Das einzige, was mich hier wirklich anspricht und was ich definitiv vernahschen würde, wäre das „Cheesecake-Törtchen“, wobei auch das noch eine extra Schokoladenglasur bekommen hat, die ich etwas zu viel finde.
Der dritte Süßigkeitentisch  steht unter dem Motto „Baby Show – It’s a boy“. Folglich ergänzen wir Fondant und Co um eine gewaltige Ladung blaue Lebensmittelfarbe, damit die Torte auch einen schön blauen Überzug bekommt. Wenigstens bei  „Lavendel-Honigmilch“, „Karamell-Popcorn“, „Blaubeer-Rosmarin-Roulade“ und den Toppings „Weiße Schoko-Vanille“, „Weiße Schoko-Kokos“, „Weiße Schoko Zimt“ und „Weiße Schoko-Rosmarin“ wird auf zusätzliche Farbergüsse verzichtet. Dafür tobt sich die Autorin bei ihren blauen „Prinzen Cakepops“, den „Blauen Kokospralinen“ und den ebenfalls blauen „Meringues“ kräftig aus. Sieht auf alle Fälle ziemlich cool aus, aber essen würde ich persönlich dann doch lieber die Naschwerke ohne künstlichen „Boy-Charme“. Was mich an der Stelle aber stört ist, dass es zwar einen Partytisch für den kleinen Prinz gibt, nicht aber für die kleine Prinzessin. Das hatte ich irgendwie erwartet. Stattdessen geht es mit „Happy Valentine“ weiter. Ganz ehrlich: eigentlich ist Valentinstag doch ein Event für zwei, oder? Also warum einen Süßigkeitentisch für eine Gruppe herrichten? Ich bin ein wenig irritiert, gebe ich zu. Erwartungsgemäß ist die Hauptfarbe rot/ rosa. Es gibt „Schaumküsse“, Punschherzen“, „Rosen-Cupcakes“, eine „Valentinstorte“ und Muffins mit „Karamelltopping“. Alles entsprechend mit Röschen und Herzchen verziert und mit Fondant überzogen. (Ob Frau Gruner ein lebenslanges Abo darauf hat?) Sieht alles schön aus, aber wieviele Liebenden soll ich denn damit versorgen? Das macht in meinen Augen nur Sinn, wenn ich ein Cafe oder Lokal habe.
Next Party: „Candy Bar“. Flexibel einsetzbar, wann immer man eine große Meute mit einem vielfältigen Nasch-Buffet überraschen möchte. Alles angerichtet in großen Gläsern macht definitiv Eindruck und sieht schick aus. Wir hätten diesmal „Weißer Schoko-Crunch mit Beeren“, „Müslikonfekt“, „Minz-Patties“, „Milchschoko-Mandel-Fudge“, „Weißer-Schoko-Oreo-Fudge“, „Lemon-Curd-Marshmallows“, diverse bunte „Meringues“ und „Johannisbeer-Schoko-Trüffeln“ im Angebot. Theoretisch würde mich davon noch am ehsten der Oreo-Fudge reizen, aber irgendwie sieht gerade der aus wie eine Badebombe. Nee, nee. Für mich ist das nicht so das Wahre. Dafür finde ich die nächste Rubrik „Süße Weihnachten“ extrem ansprechend. Zwar hatte ich so etwas an Weihnachten noch nicht ins Auge gefasst, aber es wäre eine Überlegung wert. „Vanille-Cupcake“, „Winterliches Sauerkirsch-Gelee mit Creme-Fraiche-Topping“, „Mandel-Zimt-Keksbäumchen“, „Coconut-Kiss“ und „Schoko-Zimt-Cake-Pops“ ächzen zwar ebenfalls unter einer ordentlichen Fonsant-Ladung, sehen aber einfach klasse aus. Und auch die Marshmallow-Lollies sind eine coole Idee.
Leider ist das letzte Kapitel „Kids‘ Party“ dann wiederum erschreckend bunt. Wie die Namen „Zauberbaum-Torte“, „Ballon-Cake-Pops“, „Kunterbunter Wackelpudding“, „Buntes süß-salziges Popcorn“ oder auch „Süße Raupe Nimmersatt“ erahnen lassen, geht es hier nochmal ans Eingemachte. Da werden alle Register der Lebensmittelfarbpalette gezogen und Kinderherzen erfreut, denn denen würde das sicher richtig gut gefallen. Mich hingegen erschlägt es und ich würde es auch meinem Kind ungern anbieten. Im Anschluss daran gibt es noch ausführliche Tipps zum perfekten Dekorieren (wie verarbeitet man denn Fondant überhaupt) sowie die Grundrezepte. Für mich ist das Buch nicht das ideale, weil ich nicht zwingend den Anlass sehe, so einen Tisch auszurichten. Für den Fall, dass ich mal irgendwann eine Hochzeitstafel oder Babyparty ausrichten darf, bleibt es aber auf alle Fälle im Schrank, denn dann werde ich es sicher gut einsetzen können- wenn auch an der ein oder anderen Stelle mit etwas weniger Fondant.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆
Geschenkqualität: ☆☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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