Tässchen Kuchen gefällig?

mugDie Idee des „Tassenkuchen“ oder „Mug Cake“ ist ja jetzt keine neue, aber da diese Form des schnellen Nachtisch‘ sich offensichtlich großer Beliebtheit erfreut, gibt es bei Thorbecke jetzt den Nachfolgeband „Glamour Mug Cakes. Kreative Tassenkuchen mit wow Effekt„. Diesmal zeichnet sich nicht Lena Knudsen dafür verantwortlich, sondern Antje Küthe, die unter anderem bei Essen & Trinken Erfahrungen im Bereich „Versuchsküche“ sammelte. Vier Kapitel bietet das kleine Büchlein und zwar: „Köstliche kleine Kuchen – superschnell gemacht“ (die Einleitung zum Thema), „Süße Pause für Naschkatzen“, „Leckeres für Festtage“ und „Pikanter Genuss“. Besonders letzteres macht mich neugierig, da wir den Tassenkuchen bislang ausschließlich in süßer Form hatten. 

mug2Ganz wichtig: Bitte immer für den Mikrowellenkuchen „Geschirr verwenden, das für die Mikrowelle geeignet ist“ und „quillt der Kuchenteig weit über den Tassenrand, dann ist der Becher zu klein (..)“ – ich schmunzle mich durch das Intro und los geht’s. „Schokomüsli-Mug-Cakes“, „Fürst-Pückler-Mug-Cakes“, „Red-Velvet-Mug Cakes“ oder auch „Tonka-Mug-Cakes Back& White“ sehen schon echt sehr cool aus. Dafür, dass das kein großer Auswand ist und auch mal spontan umgesetzt werden kann, ist das schon ein WOW wert. „Mug Cakes mit Ziegenkäse und Walnüssen“, „Mug Cakes Marone-Apfel“ und „Mug Cakes Matcha Wasabi“ sind für alle, die es nicht ganz so süß und dafür etwas ausgefallener mögen, „Mug Cakes Peanut Butter Crnuch“, „Pina Colada“ und „Caramel Coffee“ hingegen eher für diejenigen, die es durchaus ein wenig süßer und klebriger schätzen. Für die Feiertage gibt es dann „My Valentine“ mit Mon Cheri, „Rübli-Mug-Cakes“, „Aprikosen-Poopcorn-Mug-Cakes“, „Stollen-Mug-Cakes“, „Schwarzwälder-Mug-Cakes mit Vanille-Eis“ und „Pecannuss-Birnen-Mug-Cakes“.
mug4Die meisten Rezepte sehen durchaus nett aus, aber diese gewollt verschmierten Becher machen eher einen siffigen Eindruck und bei manchen überquellenden Tassen, auf denen dann noch Sahne, Vanilleeis oder sonstiger Dekokram thront, sehe ich die Sauerei schon kommen, die das gibt, wenn man es essen will.
Gänzlich missglückt: der „Kürbis-Mug-Cake“, auf dem ein böse dreinschauender Marzipankürbis neben einem Lakritz-(Sch***)haufen sitzt während aus der Tasse eine Masse quillt, die so eindeutig nach Halbverdautem ausschaut… ich gehe nicht noch näher darauf ein. Das will man definitiv so nicht serviert bekommen. Auch geschmackvoll anrichten will gelernt sein 😀
mug3Letzter Halt: Pikante Mugs (wobei ich unter anderem den Ziegenkäse-Kuchen von oben hier erwartet hätte). Stattdessen ein kurzes – 4 Rezepte sind es fast nciht wert da von einem Kapitel zu sprechen – „Kapitel“, in dem nicht einmal richtige Cakes vorgeschlagen werden. „Carbonara“ sind in der Tasse mit Ei und Schinken erwärmt Nudeln, das „Leipziger Allerlei“ ist eine Kartoffelbrei-Gemüse-Pampe mit Ei, für die bayrische Tasse haut man Brezeln, Milch, Weißwürste, Eier und Spitzkohl in eine Tasse und „bäckt“ es (vllt sollte sich die Autorin mal mit dem Eric von „Suppe“ zusammentun. Der weiß, wie man aus Schinkenbaguette nen Drink macht – würde hier bestimmt auch funktionieren). und dann gibt es noch den „Fisherman“ mit Creme fraice und Forelle, den einzigen Vorschlag, der etwas mit einem Kuchen zu tun hat und im Gegensatz zu den drei anderen Ideen tatsächlich genießbar ausschaut.
Summa summarum: Die süßen Rezeptideen sind ganz ordentlich, bei der optischen Umsetzung ist noch deutlich Luft nach oben. Das Kapitel mit den herzhaften Varianten ist schlicht erbärmlich und sollte einfach gelöscht werden. Das lohnt nicht und hinterlässt im Gegenteil am Ende des Buches noch einen faden Nachgeschmack. Einen Trend aufgreifen und fortsetzen wollen, ist ja gut, aber bitte mit mehr Einsatz!

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆
Geschenkqualität: ☆
Originalität: ☆

Bilder: Studio Seiffe © 2016 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern

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