Um die Welt mit Malin und dem Sauerteig

brotWir (also wenn ich in dieser Form mal von den „Deutschen“ reden darf), sind nicht unbedingt als Meister des Reis‘ bekannt, gelten nicht unbedingt als die Experten für Hülsenfrüchte  oder Hersteller der weltbesten Nudeln, aber bei einer Sache kann uns so schnell keiner was vormachen: Brot. Was Urlauber oder auch Langzeit-Auswanderer in Berichten und Dokus nur allzu oft vermissen, ist die gigantische Vielfalt der deutschen Brotlandschaft.  Bei uns gibt es Weißbrot,  Dreikornbrot, Vierkornbrot, Fünfkornbrot, Weizenmischbrot, Dinkelbrot, Maisbrot, Roggen- und Roggenmischbrot,  Leinsamenbrot, Sojabrot, Gewürzbrot, Kartoffelbrot, Steinofenbrot, Pumpernickel und Knäckebrot, Schwarzbrot, Sauerteigbrot, wir können Baguette, Ciabatta und Fladenbrot. Doch auch wenn wir alles können, so stammen viele Ideen aus anderen Ländern. Doch wo gibt es welches Brot und welches ist besonders toll? Die Schwedin Malin Elmlid (studierte BWLerin aus Berlin und Hobbybäckerin) hat sich mit „The Bread Exchange. Vom Reisen und Tauschen mit einem Sauerteig im Gepäck – Geschichten und Rezepte.“ (Prestel Verlag) auf den Weg gemacht, das herauszufinden. 

Vorab: Nehmt euch Zeit. Viel Zeit.
brot1Weil Sie sich über die ganzen unnötigen Zusätze im Brot ärgerte („Ich wohnte in Berlin und es war sehr schwer, gutes Weizenbrot in der Stadt zu bekommen – ganz ohne Hefe gebacken, gute Zutaten, lange Gärzeiten.“) und der Ansicht war, dass „Wasser, Mehl und Salz – drei Zutaten, die immer und überall erhältlich sind, mehr braucht es nicht für ein gutes Brot“ ausreichen müssen, wagte Malin das Experiment.  Mit einem Sauerteig im Gepäck (tatsächlich hatte sie den Sauerteig in einem Schraubglas dabei, denn wie ein Lebewesen muss man diesen „füttern“ und pfleglich behandeln, damit er weiterlebt) machte sie sich auf, die Welt zu bereisen, Rezepte, Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. Gebacken wurde dabei überall, wo sich ein Ofen finden ließ, also im Hotel, Restaurant, bei den Menschen daheim oder in improvisierten Öfen im Nirvana. Von Berlin nach Stockholm, von Warschau nach New York, dann Richtung Kabul und von Antwerpen über Kalifornien bis San Franciso und noch weiter ist sie gereist. Herausgekommen ist bei dieser Tour ein umfangreiches, lebendiges und vielschichtiges Werk, das weit mehr als Brotrezepte beinhaltet. <

brot2Malin nimmt uns mit auf diese Reise und teilt mit uns ihre Erlebnisse mit Menschen, Kulturen, Lebensart. An jeder ihrer Stationen backt sie ihr Brot und tauscht bzw. teilt es gegen die verschiedensten Dinge ein (Rezepte, Geschichten, Leckereien, Konzertkarten, Massagen). Neben dem Buch hat sie all die Erlebnisse auch auf ihrem Blog thebreadexchange.com festgehalten. Und wie bereits oben erwähnt, finden wir in „The Bread Exchange“ neben Brotrezepten und Geschichten auch Rezepte für „Feigenconfit“, „Dal mit Gemüse“, „Blutorangen-Curd mit Rosmarin“, „Birchermüsli“, „Schmalznudeln“, „Saure Gurkensuppe mit Dill“, „Backkürbis-Salat mit Ahornsirup“, „Kartoffel-Lauch-Pasteten“, „Belgische Waffeln“ oder auch „Sauerteigpfannkuchen“ und „Veganes Bananenbrot“. Die Bilder sind allesamt umwerfend, fangen die Stimmung perfekt ein und versetzen den Leser in Urlaubsstimmung mit einem Hauch Fernweh.
brot5Und wo ich gerade bei „Leser“ bin, komme ich auch auf die oben angesprochene „Zeit“ zurück, die man sich nehmen muss. Das Buch ist extrem umfangreich und weil es eben nicht in erster Linie um die Rezepte geht, sondern um das, was die Autorin erlebt, gibt es reichlich Text.
Natürlich gibt es auch Rezepte und Bilder, aber um das Ganze als „Gesamtkonzept“ zu erfassen und sowohl die Stimmung als auch die Weisheiten und Philosophien zu erkennen, muss man sich auf das Werk einlassen und es ganz in Ruhe lesen und wirken lassen. Alle, die es eilig haben, sollte sich das wunderbare Buch für ruhige, entspannte Stunden aufheben – es lohnt sich.

Anfängertauglichkeit: ☆☆ (so wie die Autorin lange scheiterte, muss es wohl allen bei den Anfängen ergehen)
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆ (die Rezepte ja, selbst so ein Projekt zu stemmen, nein :))
Geschenkqualität: ☆☆☆☆ (für alle, die Brot mögen und gerne lesen)
Originalität: ☆☆☆☆☆ (tolle Idee, super Umsetzung und hervorragendes Buch)

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