Papa „kocht“ – äh bastelt Abendbrot

papaDass es heutzutage oftmals nicht mehr reicht, dem Kind Essen zu machen, sondern dieses auch noch in Form eines „Happings“ kredenzt werden muss, zeigen eindrucksvoll die sogenannten Bento-Boxen asiatischer Über-Mütter, die morgens mal eben zwei Stunden früher aufstehen, damit das Töchterchen Hello Kitty in der Brotbox hat oder der Sohnemann die Ninja Turtles.. In etwa in diese Richtung geht auch „#papamachtabendbrot. Ein Vorlese-Rezept-Buch für Väter und Mütter von Daniel Staffen-Quandt“ aus dem claudius Verlag. Da es sich hier aber eben um Papa handelt und nicht um eine übermotivierte asiatische Helikoptermutter mit Perfektionszwang gibt es hier den Käfer Konrad, den Grinsekäfer oder auch den verrückten Egon. 

Es ist ja schon süß, dass der Autor (Vater dreier Kinder und Journalist) sich solche Mühe gibt, den Kindern das Abendbrot schmackhaft zu machen. Da werden dann Rennautos aus Brot geschnitten, kleine Raupen mit Mini-Laugenbrötchen gestaltet, Wurstsemmeln in Schweinegesichter verwandelt und das Käsebrot mit ein bisschen Gemüse, Ketchup und einem Ring aus Tortilla-Chips zum Löwen…
„#papamachtabendbrot ist kein Kochbuch. Gekocht werden höchstens einmal Eier. Kreativ sind die 25 Kinderteller zum Abendessen allemal, und eine unschätzbare Inspirationshilfe. Mal mit Kindern, mal für die Kinder. Und die von Daniel Staffen-Quandt gezauberten Tellerbilder helfen auch dabei, Papa und Mama in Ruhe mit am Tisch sitzen und selber etwas essen zu lassen. #papamachtabendbrot ist also ein kreatives Rezeptbuch. Die essbaren Bilder, die hier entstehen, dienen als Anreiz für die Kleinen, auch einmal Gesundes oder Ungewohntes zu essen. Eben zeitgemäße Kinderküche. #papamachtabendbrot ist außerdem ein Vorlesebuch: Jeder Teller bringt eine Geschichte mit. Aus dem Leben der Kinder gegriffen und gut geeignet, als Auftakt vorgelesen zu werden. Damit aus Essen Spaß wird und Essen Freude bringt. Moderne Familien werden dieses Buch lieben!“ heißt es beim Verlag.
Und genau da ist so ein bisschen der Haken. Es wird nichts gekocht, im Prinzip gibt es immer nur belegte Käse- und Wurstbrote, die mal mehr mal weniger in Form geschnitten und gestanzt sind. Insbesondere bei mit Förmchen ausgestanzten Figürchen frage ich mich da 1. wie soll da irgendwer (ja sogar bei Kindern frag ich ich das) davon satt werden und 2. müssen die Eltern dann immer alle Stanz-Reste essen? Gerade bei drei Kindern wäre das dann nämlich ein ziemlicher Berg. Insgesamt zeigt der Autor 25 Beispiele von belegten Broten und zu jedem Motiv gibt es eine einseitige Vorlesegeschichte, die Lust auf das Essen machen soll. Die Rezensionen bei Amazon sind alle top – vermutlich liegt das daran, dass ich das allabendliche Drama mit Kindern und dem Abendbrot noch nicht kenne. Für mich als recht kreativen Menschen ist das Buch eher ein „nett“ als ein gelungen. Es mag aber sein, dass ich irgendwann, wenn ich selbst mal Kinder zu versorgen habe, dankbar dafür bin, dass es mir jemand abnimmt, mir abends noch irgendwelche lustigen Figuren ausdenken zu müssen, um das Gemüse und die Brötchen in den Nachwuchs reinzubekommen. Von daher einfach mal ein „Danke“ vorab, vielleicht bin eines Tages ja wirklich froh, das Buch als Reserve zu haben.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆ (sogar für Eltern im Dauerstress easy umsetzbar)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆☆ (schnell, nicht kompliziert, super)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆ (für alle dauergestressten Eltern)
Originalität: ☆☆ (im Vergleich zu den Bento-Boxen bin ich halt einfach enttäuscht…)

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