Sind wir nicht alle ein bisschen bal(l)a?

balaganUms „verrückt sein“ geht es hier nicht, sondern vielmehr um das Balagane, also das „Durcheinander“ wie es die Autorin Haya Molcho in „Balagan! Rezepte aus der orientalischen Küche“ selbst übersetzt. Was sie damit  meint ist, dass sie und ihre Küche zahlreiche Wurzeln überall haben. Dabei kombiniert sie besonders gerne Süßes und Salziges, Warmes und Kaltes – und davon am liebsten ganz viel. Aufgeteilt ist das Buch in „Oriental Basics: Dips, Saucen & Co“, „Orientalische Begleiter: Salate & Suppen“, „Von der Hand in den Mund: Orientalische Snacks & Fingerfood“, „Drunter & Drüber: Fleisch & Fisch“, „Drunter & Drüber: Vegetarisch“ sowie „Süße Kindheitserinnerungen: Desserts & Drinks“. Die Auswahl der Rezepte kam zusammen, indem sich die Autorin eine Woche lang mit verschiedenen Generationen getroffen, gemeinsam gekocht und gegessen hat. Eine schöne Idee.

balagan2Wir beginnen mit wunderschönen, farbenprächtigen und vor allem sehr großen Bildern und Texten – ungewohnt, aber sehr angenehm beim Durchblättern. Das Rezept folgt erst im Anschluss an die tollen Fotos, dazwischen gibt es immer mal wieder Anekdoten und Hinweise der Autorin. Zu „Marokkanischen Palatschinken mit Toffeesauce“, „Marokkanischen Palatschinken mit Toffeesauce“, „Spinatpalatschinken mit Labanefüllung“, „Orangenmadel-Kuchen“ oder auch „Gemüsefrittata mit Schafskäse“ gesellen sich „Asiatische Maispuffer“ und „Crostine mit Avocadocreme und getrockneten Tomaten“ -alles unter dem Oberbegriff „Frühstück mit der Familie“. balagan3Ahhh – ich erkenne. Das Buch ist nicht wie anfangs vermutet, in die oberen Kategorien gegliedert, sondern führt lediglich zu Beginn eine doppelte Auflistung durch: einerseits nach den Kategorien (mit entsprechenden Seitenzahlen) und dann noch einmal – so wie die Rezepte abgedruckt sind  – nach den sieben Tagen, in denen gekocht wurde. Das ist für die Suche natürlich emrh als praktisch bzw. sehr übersichtlich, wenn man nicht „just for fun“ blättern möchte oder alphabetisch sucht.
Tag zwei („Der Tag beginnt salzig.“) bietet dann „Auberginen-Paprika-Dip“, „Frittierte Artischocken mit Labane“ „Spinat-Malven-Suppe“, „Knoblauchconfit“ und „Artischockensuppe mit Salzzitrone“. Tag drei („Kulinarisches Durcheinander mit Freunden: Mezze und Süßes“) liefert Rezepte für „Hummus“, „Spicy Tahina-Sauce“, „Gefüllte  Minizucchini mit Zitronensauce“, „Auberginensalat“, „Filoteigzigarren mit Spinat-Käse- oder Lamm-Rund-Füllung“, „Reispudding mit Toffeesauce“, „Mandel-Dattel-Shake“ oder auch „Halbgefrorene Schokoladentorte“. Sieht alles toll aus, liest sich wahnsinnig lecker und absolut abwechslungsreich.

Doch was ist das – Werbung? Ich fasse es nicht. Da macht die Autorin doch glatt auf zwei Seiten Werbung für eine iSi-Flasche, mit der man „ja-ach-wie-toll“ Schaum produzieren kann. Die angeblich auch in einem Familienbetrieb hergestellt…. ach komm. Das geht schlicht gar  nicht. Auch noch mit Logo und den beiden Söhnen, die das schicke Teil in die Kamera halten. Nene, das ist nicht cool!

balagan4.jpgViel cooler hingegen die Tatsache, dass alle Rezepte nochmal mit einem qr-Code versehen sind, weil das Foto ja etliche Seiten vorher war. Gute Idee, obwohl ich beim Kochen selten eine Hand für ein Handy frei habe. Tag vier („Gute-Laune.Macher: Salate aus dem Orient“) erfreut uns mit „Orientalischem Kartoffelsalat mit eingelegten Zitronen“, „Marokkanischem Karottensalat“, „Mejadra mit Grünkern“, „Fenchel-Granatapfelsalat mit gebeiztem Lachs“, „Saubohnen-Erbsen-Salat mit Granatapfelkernen“, „Belugalinsen-Blumenkohl-Salat“ und „Rote-Bete-Salat auf Couscous“. So stelle ich mir die orientalische Küche vor. Und was mich mal wieder begeistert: Fast alles ist vegetarisch und dabei so vielfältig, bunt und unterschiedlich. Toll! An Tag fünf gibt es dann „Marokkanisches Feuer: Tajines und Gegrilltes“ mit „Hühnchentajne it Wurzelgemüse, Nüssen und getrockneten Früchten“, „Gefüllten Zwiebeln“, „Marokkanischem Zitronenhühnchen“, „Ossobuco aus der Tajine“, „Vegetarischem Zucchinikebab“, „Spinat-Hummus-Laibchen“  oder auch „Blumenkohl im Ganzen serviert mit Olivenöl“. Dazwischen Familienfotos, Eindrücke der Feiern mit Freunden und Bekannten. So geht Stimmung. Tag sechs „Kochen mit Nuriel & Nadiv“ bringt „Winetrliches Wurzelgemüse mit Pecorino“, „Rote Linsensuppe mit Mangold“, „Quinoa-Kürbis-Laibchen mit Kokos-Curry-Sauce“, Backkartoffeln mit Raucharoma“ und „Dattelsirup“ auf den Tisch. Und dann am siebten Tag („Chatifim: Kleine Snacks zum Mitnehmen“) dürfen wir uns noch an den Eindrücken von „Kartoffelwürfeln Massala“, „Polentaecken mit Kreuzkümmel und Chili“, „Gerösteten Walnüssen mit Kreuzkümmel und Chili“ sowie „Grüner Falafel“ laben.

balagan5Doch was sehe ich da? Schon wieder Werbung. Diesmal NENI Eiscreme… äh – okay, das mit Neni hab ich auf dem Cover gelesen, konnte und kann es aber nicht einordnen. Ach, sieh mal da. Dieses tolle-tolle-tolle Eis gibt es ab jetzt in Österreich bei den dortigen Spar-Märkten zu kaufen. Nein, was für ein Zufall. Sorry, aber das mag ich einfach nicht. Es ist ja schön und gut, wenn man selbst von einem Produkt überzeugt ist, aber in dieser Form zu werben, in einem -vom Käufer gegen cash gekauften – Buch, das finde ich nicht schön.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆ (alles gut erklärt, aber nicht unbedingt für Einsteiger)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆ (einzelne Sachen sind sicher schnell gemacht, aber in Summe eher fürs Wochenende)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆ ( Liebhaber der orientalischen Küche)
Originalität: ☆☆☆☆ (schöne Idee und gute Umsetzung)

 

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