Bring den Garten rein, wir kochen ein!

marmIch hatte ja schon mehrfach angedeutet, dass mir dieses traditionelle Omabild mit dem Keller voller Marmelade, Schnaps, Likör, Gelee, eingelegten Früchten und mehr fehlt. Das mit dem selbst einkochen und endlich mal wieder so ein tolles Regal vor sich zu haben, ist daher für diesen und nächsten Sommer ein klar definiertes Ziel. Helfen sollen mir dabei „Edle Liköre & feine Schnäpse selbst gemacht!“ von Simone Edelberg sowie „Marmeladen & mehr“ von Kay-Henner Menge beide erschienen bei Bassermann. Beide mit einem ansprechenden Einband und der Hoffnung auf viele tolle Ideen, mit denen ich dann zu den nächsten Familienfesten alle in Hülle und Fülle beglücken kann.

likoerBereits die ersten Seiten der Liköre zeigen jedoch, dass kreative und moderne Ansätze hier wohl nicht zu erwarten sind. Altmodische und altbackene Bilder, eine Einführung, in der auf die ersten Liköre und die Mönche, welche sie herstellten, eingegangen wird, unattraktive und extrem schlecht ge-photoshopte Bilder und ein paar literarische Zitate rund um Schnaps und Likör. Nicht sonderlich schön. Dann gibt es noch einen Rundumschlag, was welchen Alkohol auszeichnet und ein paar Tipps zu den Gerätschaften, die man für die Herstellung benötigt. Ein „ABC der Branntweine“, hilfreiche Hinweise zur Wahl des Wassers und des Zuckers sowie zu Gewürzen, die man einsetzen kann. Alles ganz nett, aber von der Wahl der Bilder, der Schriftart und der ganzen Aufmachung wirkt das Buch als sei es ein Produkt der späten 80er. Und nein, kein Retro-chick!
Und endlich kommen wir zu den Rezepten. Hier gibt es eine bunte Auswahl mit Bierlikör, Birnenlikör, Brombeerwässerchen, Eierlikör, Erdnusslikör, Far West, Gewürzlikör, Grasshopper, Hagebuttenlikör, Himbeergeist, Johannisbeer-Korn, Kir, Kleeschnaps, Marillengeist, Pfefferminzlikör, Pomelo Brandy, Rumtopf, Teelikör, Spinatsirup, Walnusslikör und mehr. Eine bunte und vielfältige Auswahl, bei der wirklich jeder etwas findet, das ihm gefällt. Von komplexeren Anleitungen wie „Mother’s best“ für den man Kalmuswurzel, Orangenschale, Zitronenschale, Anis, Kamille, Kümmel, Wacholder, Doppelkorn, Zucker und mehr braucht bis hin zu ganz simplen Anweisungen wie „Zitronenwodka“ (Wodka und Zitrone -tadaaa) wird jedes Zeitfenster angeboten. Leider werden die Rezepte aber extrem lieblos präsentiert. Es fehlen Bilder. Dort, wo es Bilder gibt, passen diese nicht zum Rezept, sondern sind schlicht Platzhalter mit einer oftmals farblich nicht zum Rezept passenden Flüssigkeit gefüllt- sinnlos, hässlich, überflüssig, doof.
Das letzte Kapitel, das nach den vorherigen Abteilungen „Pousse Cafes“ und „Schnapsideen – leckere Longdrinks und kokette Cocktails“ (diese Alliteration ist noch das Originellste am ganzen Buch) folgt, bietet dann noch ein paar kulinarische Anregungen, wie und wo man die Schnäpse und Liköre verarbeiten könnte. Nett, aber kann das angestaubte Buch und die lieblose Umsetzung leider nicht rumreißen 😦

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (alles gut machbar)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆ (schon, aber nicht mit viel Spaß)
Geschenkqualität: ☆ ( nope)
Originalität: ☆ (nee, einfach nee)

marm2Viel schöner dagegen die Marmeladen. Ein sehr gutes Intro mit genau den Infos, die man als Anfänger braucht, um Marmelade, Chutney oder auch Curd herzustellen, stellt einen guten Einstieg in das Thema dar. Die Haltbarkeit mit 1 – 2 Jahre anzugeben, ist zwar nicht so genau, aber immerhin ein Richtwert, wenn es zB ums Verschenken geht. Bei allen Rezepten, bei denen diese Angabe nicht zutrifft, wird die Haltbarkeit gesondert angegeben. Hierfür ein dickes Lob! Los geht es mit dem Klassiker: Marmelade. „Pfirsich-Aprikosen-Konfitüre mit Lavendel“, „Birnen-Walnuss-Konfitüre mit Safran“, „Himbeerkonfitüre mit weißer Schokolade“, „Apfelstrudelkonfitüre“ sind schon mal richtig ausgefallen und auch „Kastanienmus  mit Vanille und Rum“, „Tomatenkonfitüre mit getrockneten Aprikosen“ und „Zwetschgenmus mit Lebkuchengewürz“ findet man sicherlich nicht im Supermarkt. Ein kleiner Abstecher zur Herstellung von Fruchtsäften und schon geht es weiter mit „Gelees & Curds“, wo uns „Apfelgelee mit Pfefferminze“, „Blaues Traubengelee mit Rosmarin“, „Erdbeer-Rhabarber-Gelee mit Duftgeranie“, „Holunder-Apfel-Gelee mit Kardamom“, „Bayrisches Weißbiergelee“ und „Teegelee mit Kumquats“ neben „Himbeer-Curd mit Limette“ oder „Maracuja-Curd“ erfreuen.

marm3Für alle, die es nicht ganz so süß mögen folgt dann „Pikant Eingekochtes“, was unter anderem die Rezepte für „Johannisbeer-Relish mit Lebkuchengewürz“, „Mango-Chutney mit Äpfeln“, „Würzigen Kirschketchup“, „Mirabellen-Chutney mit Paprika“ oder „Balsamico-Quitten-Gelee mit Thymian“ liefert.
Zum Abschluss gibt es noch ein paar Tipps zu Beschriftung und Verpackung sowie beim ersten Buch ein paar Rezepte, in denen die Marmeladen und Chutneys weiterverarbeitet werden. Schönes Buch, richtig richtig tolle Rezepte und eine ansprechende Umsetzung!

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (alles gut machbar und ein super Intro)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆☆ (sicher dat!)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆ ( für alle, die gerne Einkochen)
Originalität: ☆☆☆☆☆ (tolle Rezepte – jaaaa )

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