Studis mögen’s schnell und simpel

studi kueche.jpgWenn man an Studentenküche denkt, dann fallen einem „Dosenravioli“, „Sandwich“ und „Pizza“ ein. Schnell muss es gehen, einfach sein und gut sättigen. Kulinarische Höhenflüge erwartet keiner. Dass es trotzdem auch ganz ohne „Convenience“ geht, beweist „Studentenküche quick and tasty“ von Pernilla Rönnlid und Lena Djuphammar erschienen beim Südwest Verlag. Die Autorinnen legen ihren Fokus darauf, dass die Gerichte schnell, einfach, lecker, gesund und kreativ sein sollen und nicht nur satt machen. Das klingt auf alle Fälle gut, wenn ich da an so manch kreative Kochkünste gewisser Studenten denke… („Ich lade dich zum Essen ein. Ich koche auch…“. Was es dann gab? Nudeln mit Rahmspinat. You see?!)

stud3Los geht es mit „Save my busy day. Retter in Zeitnot – schnelle Gerichte für hektische Tage.“ Wann Studis tatsächlich mal hektische Tage haben – in Zeiten von Bachelor und Master ist zwar alles recht straff geworden, von Zeitnot würde ich aber nicht unbedingt sprechen.. aber lassen wir das mal so stehen. „Frühstückssmoothie“ (mit Banane, Vanillejoghurt und Mango), „Preiselbeertraum“ und „Birnenkick“ werden fix zusammenpüriert, wer noch Zeit hat, den Herd anzuschmeißen, der brät ein „Veggie-Omelett“ (mit Feta plus Ruccola), überbäckt „Gegrillte Birnenbrote“ oder mixt sich einen „Lauwarmen Thunfischsalat“. Hmm… also wenn ich in Eile bin, dann finde ich Nudeln abkochen oder Kartoffeln garen nicht unbedingt fix, von daher erschließt sich mir das nicht so ganz. Zumal die Auswahl an Rezepten doch arg willkürlich ist. Weiter geht es mit „Wrap it up. Frisch gewickelt – köstliche Wraps, leicht gemacht“  und „BBQ-Chicken-Wrap“, „Hähnchen-Wrap“, „Crêpes mit Champignons“ oder „Apfel-Thunfisch-Wraps“. Alles ganz okay und durchaus als studentisch einzuordnen. Bei „Easy being green. Alles im grünen Bereich – leckere Veggie-Gerichte“ bin ich dann wieder nicht so ganz zufrieden. Da gibt es einen „Rohkostsalat“ aus rohem und püriertem Brokkoli und Blumenkohl, „Süßkartoffelsuppe“, „Melonen-Halloumi-Salat“, „Duftiges Korma“ und „Veggie-Lasagne“. Alles ganz lecker und schön umgesetzt, aber für mich nicht studentisch, nicht unbedingt schnell und auch nur bedingt günstig. Nach ein paar hilfreichen Tipps rund um Gartemperaturen geht es weiter mit dem irgendwie etwas makaberen Titel „Chicken in my kitchen. Da lachen ja die Hühner – neue Lieblingsgerichte  mit Hühnerfleisch“. Wir hätten da sehr lecker „Sandwich mit Hähnchen und Karottenpesto“, „Coconut Thai Chicken“ und „Chicken Rama“. Mit gerade mal fünf Rezepten ein arg kurzes Kapitel bevor „Gone fishing! Wie ein Fisch im Wasser – Fischrezepte, lecker und gesund“ anschließt. Ich weiß ja nicht, wie es den Studenten von heute so finanziell geht, aber „Lachs mit Chili und Feta“, „Lachs in roter Currysauce“ und „Glasnudelsalat“ ( ebenfalls mit frischem Lachsfilet) standen bei mir damals nicht auf der Einkaufsliste. Der Dosenthunfisch, der bei „Cremige Thunfisch-Pasta“ verwendet wird, schon eher.

stud4.jpgBevor wir uns dem süßen Ende widmen, präsentiert uns „Friends and food. Teamwork – mit guten Freunden kochen macht Spaß“ noch Anregungen wie „Pasta con Salsiccia“, „3 x Pizza Pesto“ (mit Basilikumpesto, Karottenpesto und Blumenkohlpesto), „Pulled Pork leicht gemacht“, „Hamburger vom Feinsten“, „Gyros Pita“ und „Chili Con Chorizo“. Alles gute Rezepte, aber weder unbedingt fix (das pulled pork braucht immerhin ganze 8 Stunden im Ofen – so lang geht nicht mal der gemütliche Abend mit Freunden) noch billig, denn wenn ich mal eben 3 Scheiben Roastbeef á 600 Gramm kaufe, bin ich mal ganz schnell viel Geld los. Aber kommen wir zum zuckrigen Höhepunkt mit „Hello sweetie! Das süße Leben – leckere Desserts, Kuchen und Snacks“. Hier geht es ganz schlicht und deutlich Studenten-typischer zu: Pfannkuchen, Schoko-Muffins, Schoko-Crossies, Popcorn-Lolli und „Knusperdessert mit Früchten“ sind im Handumdrehen zubereitet und schonen den Geldbeutel. So in Summe ein durchaus schönes Buch, das aber meines Erachtens nach seinem Anspruch nicht ganz gerecht wird: teilweise sind die Gerichte zu aufwändig, die Zutaten zu teuer und das Gericht an sich nicht typisch Studi-like.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆ (die meisten Ideen schon)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆ (ja, aber nicht alles davon)
Geschenkqualität: ☆☆ (irgendwie bin ich mir bei der Zielgruppe nicht schlüssig, weil es es mE nicht die Studis sind)
Originalität: ☆☆☆ (ganz nett, aber da es nicht das hält, was es verspricht Punktabzug)

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