Bei denen (food) hack(t)s wohl

foodWer bei facebook so wie ich recht viel unterwegs ist und dann auch noch den ein oder anderen foodblog aboniert hat oder Fan einer solchen Seite ist, der kommt seit Längerem nicht mehr ohne sie durch den facebook-Alltag: Food hacks. Also kleine Kniffe, die das Kochen, Backen oder auch zahlreiche andere Lebensbereiche erleichtern. Da ich von den Tipps mithin echt begeistert bin (Knoblauch schälen, in dem man ihn nur lange genug in einem Glas schüttelt) kam mir „Food Hacks. 111 Geniale Life Hacks für die Küche“ von Christina Kuhn aus dem Komet Verlag wie gerufen. „Mit Kreativität, viel Phantasie und manchmal auch reiner Genialität werden Gegenstände zweckentfremdet und bieten so einen absoluten Mehrwert“ verspricht uns die Autorin. Klingt schonmal genau nach dem, was ich mir erhofft hatte…food2Unterteilt sind die Tricks in die drei Rubriken „Nützliches“, „Praktisches“ und „Überraschendes“. Tipp 1: Blumenkohl beim Kochen mit eier Zitronenscheibe ins Wasser geben, dann bleibt er schön weiß. Aha – also bei mir ist der das auch so immer. Oder hatte von euch schonmal jemand roten, blauen oder orangenen Blumenkohl, weil er falsch gekocht wurde? Tipp 3: Kartoffeln muss man dunkel und kühl lagern. Ernsthaft jetzt? Das soll ein Tipp sei? Das weiß ich seit meiner Kindheit und hat nichts mit einem Kniff zu tun, sondern nur mit einer korrekten Aufbewahrung. Alternativ kann man einen Apfel dazulegen, um die Knollen am Keimen zu hindern – aha. Dass man mit Essigessenz entkalken kann, die Guacemole mit dem Kern drin länger frisch und grün bleibt, man einen verbrannten Kuchen rettet, indem man das Verbrannte abschneidet und den Kuchen mit Schokolade überzieht, weiß ich ebenfalls seit Jahren und das ist schlicht Wissen bzw. allenfalls sind das Hausfrauentipps.
food3Dass man die Reife einer Avocado daran erkennt, indem man den Stilansatz rauszieht, mag zwar funktionieren, wird mir im Supermarkt aber aller Wahrscheinlichkeit neben der reifen Avocado auch Hausverbot einbringen, wenn ich das bei ein paar Objekten mache. Das gilt im Übrigen auch für die Ananas, bei der man das innerste Blatt herausziehen soll… Weinreste und übrig gebliebene Kräuter, Fond und Zitronensaft kann man in Eiswürfelformen eingefrieren und ach ja, Knoblauch kann man voll easy schälen, indem man ihn in ein Schraubglas gibt und schüttelt. Kommt einem bekannt vor? Ja, mir auch. Über geniale Tricks wie: Frischetest für Eier mit Wasserglas, Klumpenfreies Salz mit Reiskörnern und Kühlschrankgerüche neutralisieren mit Backpulver reden wir mal besser nicht. Neu hingegen sind für mich die Ideen wie „Bananen schneller reifen lassen“ (im Backofen bei 150 Grad für 40 Minuten), angeschnittene Avocado frisch halten“ (indem man sie mit Zwiebelstücken in einer Box lagert) und „Kuchen frisch halten“ (indem man vornedran mit Zahnstochern eine Scheibe Toastbrot feststeckt). Ob ich eine der Ideen brauche? Eher nicht. Wenn ich Bananen vollreif brauche, kaufe ich sie entsprechend gereift, Avocado verarbeite ich meist komplett, zumal die nach der Lagerung ja nur noch für Gerichte taugt, in denen Zwiebel vorkommt und wenn ich meinen Kuchen frisch halten möchte, heißt die Lösung Alufolie oder Frischhaltefolie.
Besser wird es bei den praktischen Ratschlägen leider auch nicht: Auflauf für eine Person in einer großen Auflaufform machen, indem man mit Alufolie die Form halbiert, mit einer Flasche ein Nudelholz ersetzen, die Pizza statt mit einem Pizzaschneider mit einer Schere zerteilen, Schnitzel mit einer Pfanne platt klopfen, Eier mit einer leeren Plastikflasche trennen, Torten perfekt schneiden, in dem man das Messer in heißes Wasser taucht und Gebratenes aus der Pfanne entfetten, indem man es auf einem Küchenkrepp abtropfen lässt – hallo, geht’s noch? Da fühl ich mich dann doch ein wenig verschaukelt. Wobei es auch Tipps gibt, die einfach nur dumm sind: Reste von Eierschalen mittels eines Stückes Eierschale rausfischen? Salmonellen ahoi – wir geben euch noch eine Extrachance. Und auch die Idee, eine Steinofenpizza zu backen, indem ich sie auf einem Tontopfuntersetzer aus dem Baumarkt backe, den ich sehr heiß vorheize – wie soll ich die Pizza denn dann im belegten Zustand draufbekommen ohne, dass das wieder abkühlt oder ich mir die Flossen völlig verbrenn? Abgesehen von ein paar Stauraum-Vorschlägen, die ganz okay sind, aber allesamt ziemlich kacke aussehen, ist das Kapitel zwar amüsant, aber sinnvolle Tipps finde ich hier keine. In Runde drei erwarten uns dann überraschende Hacks wie „Sekt kühlen mit TK-Früchten“, die Herstellung von herzförmigen Eiern oder Parmesankörbchen, Bacon aus dem Waffeleisen, die Herstellung von Butter aus Sahne, Kuchen aus zwei Zutaten (Schokocreme und Eier), Eis aus zwei Zutaten (Kondensmilch und Creme fraice), Mousse aus zwei Zutaten (Schokolade und Sahne). Alles nicht wirklich neu, bahnbrechend, genial und bei manchen Tipps bin ich mir auch sicher, dass das nicht funktioniert. In Zeiten von Internet und Food Hacks auf facebook und in tausend Kochforen, hat so ein Buch einfach keine Chance. Die Hausfauentipps finde ich auf allen Seiten im Netz und den Rest ebenso. Leider nicht überzeugend!

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (ja, aber zumeist nur für absolute Anfänger)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆ (das meiste klappt wohl)
Geschenkqualität: ☆ (nee, einfach nee)
Originalität: ☆ (ich hab mich immerhin über den ein oder anderen Tipp amüsiert)

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