Genuss mit Blick auf den Seerosenteich

monetWenn man mich nach meinem Lieblingsmaler fragt, so lautet meine Antwort seit der Kindheit „Monet“. Auch wenn ich die Bilder von Franz Marc, Kandinsky oder Degas ebenfalls liebe, so ist Monet für mich immer noch derjenige, in dessen Bildern ich mich einfach verlieren kann. Wasser, Blüten und noch mehr Blüten. „Zu Gast bei Monet. Rezepte aus Giverny“ von Florence Gentner und Francis Hammond aus dem Prestel Verlag war da quasi so etwas wie eine Pflichtlektüre für mich. Bereits der Einband macht Lust auf Kunst und Kochen. Und schnell wird beim Blick ins Buch klar, dass es auch hier um eine Symbiose geht – die des Künstlers und der Kochkunst. 

monet3Aufgeteilt ist das Buch in die Kapitel „Der Tisch der Kindheit“, „Frühstück im Grünen“, „Der Zauber von Giverny“ und „Schlemmer und Feinschmecker“. Ein umfassendes Vorwort geht den Rezepten voran und auch in den einzelnen Kapiteln gibt es reichlich zu lesen. Denn die Rezepte, die hier vorgestellt werden, sind nicht einfach Rezepte aus der Zeit und der Gegend Monets, sondern sollen so oder so ähnlich auch bei ihm auf den Tisch gekommen sein. Herangezogen wurden hierfür unter anderem Aufzeichnungen seines Stiefsohns, die das Leben der Familie sehr detailreich dokumentiert haben. Der Lebensweg Monets wird dabei ebenso dargestellt wie das Landleben in seinem Haus in Giverny, die Feste dort und mehr. Zahlreiche Bilder (sowohl Gemälde als auch Fotos) und Zitate ergänzen das Werk. Aber werfen wir endlich mal einen Blick auf die Rezepte, zu denen eingangs bereits gesagt wird, dass der Maler ein Genussmensch und guter Esser war, der aber einfache Gerichten bevorzugte. Großen Wert legte er auf die Zutaten und deren Zubereitung. Zu diesen einfachen, aber guten Speisen zählen „Käsesoufflé“, „Champignongratin“, „Bohnenpfanne mit Würstchen“, „Möhren nach Landfrauenart“, „Rindfleischpastete“ und „Kalbsschmorbraten“. Etwas irritiert bin ich schon, wenn ich dann „Austern mit Würstchen“ und „Hummer auf amerikanische Art“ sehe, aber in Frankreich gehören die eben – im Gegensatz zur deutschen Küche – nicht nur auf Festtafeln, sondern werden auch mal im Alltag gekocht. Natürlich mochte Herr Monet aber auch Süßes und so kommen auch „Vanillecreme“, „Tarte tartin“, „Zitronen-Madeleines“ und „Nanteiser Mandeltaler“ auf den Tisch.
monet4.jpgNach einem weiteren Kapitel aus Monets Leben, das ihn natürlich auch kulinarisch geprägt hat, geht es „in den Garten“, wo „Knoblauchsuppe“, „Meerettichsauce Radinsky“, „Sauce tartare“, „Kartoffelpastete“, „Hähnchen mit Flusskrebsbutter“, „Kaninchenpastete“, „Jakobsmuscheln nach Florentiner Art“, „Kirsch-Clafoutis“ und „Erdbeer-Mousse“ auf uns warten. Alles in allem muss ich sagen, dass ich die Aufmachung spannend finde, die Idee der Mischung aus Biografie und Kochbuch schön, aber irgendwie nicht ganz überzeugt bin. Die Bilder der Gerichte sind teilweise einfach zu schlicht, die Rezepte selbst irgendwie ein kunterbunter Mix. Für mich als Monet-Fan ist das ganz interessant, aber eher unter dem Aspekt der biografischen Züge. Gerade die Fisch- und Krustentierrezepte sind bei uns nicht so einfach umsetzbar, weil die Grundprodukte schlicht sehr teuer sind. Weiter geht es mit „Kräuter-Reis-Suppe“, „Gestürzte Eier mit Tomatensauce“, „Trüffel-Brathähnchen“, „Wiener Schnitzel mit Petersilienei“, „Tauben nach Jägerart“, „Hecht mit Butter-Zwiebel-Sauce“, „Teecreme“ und „Pistazientorte“….
monet5 Auch im letzten Teil des Buches finden sich Fleisch- und Fischgerichte, Suppen und Nachtisch. Irgendwie kompliziert zu erklären, was mir nicht so recht gefallen mag an dem Buch. Die Idee, wie schon gesagt, finde ich gut, aber der „Konsum“ des Buches ist nicht ganz einfach. Man kann es nicht so durchblättern wie ein Kochbuch, weil man eben die ganzen Texte lesen muss, um den Bezug zu den Rezepten und deren Zusammenstellung zu verstehen. Die Rezepte wiederum finde ich so für sich stehend nicht überzeugend, sondern nur unter dem Aspekt „so hat Monet gegessen“ interessant. Für alle, die den Maler ebenso schätzen wie ich ist das Buch sicher schön, für alle anderen aber eher schwere und überflüssige Kost.

Anfängertauglichkeit: ☆☆ (französische Küche? eher nicht!)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆ (viele Zutaten zu teuer, vieles zu aufwändig in der Umsetzung)
Geschenkqualität: ☆ (ja, wenn es ein eingefleischter Monet-Fan ist)
Originalität: ☆☆☆ (ja, aber nicht ganz überzeugend)

Advertisements