„Mach’s mir lecker“ – erotischer Genuss

foodOkay, okay, das ist jetzt etwas billig angeteasert, aber ganz ehrlich: „Food Porn“ hat das verdient. Mit der Einteilung in „Vorspiel“, „Höhepunkt“ und „Danach“ wird gleich zu Beginn klargestellt, dass es hier richtig zur Sache geht. Kulinarisch natürlich. Und wie sexy Essen sein kann, wie pornös, wollüstig und lasterhaft so manche Speise daherkommt – es ist einfach ein Fest für Augen und Gaumen. Erschienen ist das Ganze beim Hölker Verlag,  erdacht und umgesetzt haben es Raik Holst, Torsten Schmidt und Jan Kornstaedt (irgendwie war ja schon klar, dass hier Männer am Werk waren…). Lust auf den Genuss ? Los geht’s!

Vorab schonmal ein großes Lob für die fabelhaften Fotos – die könnte man sich allesamt gerahmt in die Wohnung hängen. Toll finde ich auch, dass man den Bildern wirklich den Platz einräumt, den sie brauchen, um zu wirken. Auf jeweils einer Doppelseite werden uns die Gerichte präsentiert, jedes dabei so detailreich, dass man problemlos stundenlang blättern und staunen kann. Wir haben „entdeckst du alle Zutaten“ gespielt, weil es einfach großen Spaß macht, die einzelnen Bilder genaustens zu studieren. „Panzanella mit Paprika und Sardinen“, „Spargel-Erdbeer-Salat mit grünem Pfeffer“, „Zucchiniblüten in Curry-Tempura mit Orangen-Vinaigrette“, „Scharfer Kaki-Avocado-Salat mit knusprigem Reisblatt“, „Kräutersalat mit rohen und frittierten Pilzen“, „Gebeizter Lachs mit frischen Kräutern und Limette“, „Schwarzwurzeln und Staudensellerie mit Portulak und frischem Meerettich“, „Ofentomaten mit Büffelmozzarella und Vanille“, „Venusmuscheln mit Granatapfel und Algen“ oder auch „Gebackener Fenchel mit Tomaten, Oliven und Pesto“ – nach einem so überzeugenden Vorspiel bin ich doch umso gespannter auf den Haupt-Akt. Sowohl Vegetarier als auch Fleischesser kommen hier voll auf ihre Kosten und alleine die Opulenz der Bilder verleitet dazu „EXZESS“ zu schreien. Wow!
Zum Höhepunkt bewegen wir uns dann mit „Rosmarin-Perlhuhn mit Zitrone und Knoblauch“, „Black Calamar mit Möhre und Spitzpaprika“, „Gebackene Auberginen, Schlangenbohnen und Limette“, „Spicy Kai-Lan mit krossem Tofu und Cashewkernen“, „Panierte Austernpilze auf Radiccio mit Oliven und Zitronenmelisse“, „Gebratene Lammkoteletts mit Gemüsechips“, „Kürbis-Ravioli mit Roter Bete und Cranberrys“, „Chamäleonkürbis mit Roten Zwiebel und Zimt“, „Kräuter-Malfatti auf buntem Ratatouille mit Parmesan“ sowie „Lachsteriyaki mit Gurkensalat und Lotuswurzel“. Das Auge isst hier sowas von mit – ich bin überwältigt, geflasht und in Anbetracht der Tatsache, dass das bei mir wohl nie und nimmer so GEIL aussehen wird, auch ein bisschen traurig. Wer sich hier rantraut, der muss auf alle Fälle Zeit, Geduld und diverse Zutaten mitbringen. Mal eben auf die Schnelle aus dem zaubern, was man im Kühlschrank hat, ist hier nicht drin. Aber darum  geht es ja auch nicht. Soll ja keine schnelle, billige Nummer werden, sondern eine richtig heiße Erfahrung. (Um im Jargon des „Food Porn“ zu bleiben).
Für alle, die immer noch nicht genug haben, gibt es dann einen Nachschlag mit „Bread and Butter Pudding mit Joghurt und karamellisierter Orange“, „Erdbeer-Topfenknödel mit Basilikum, Pekannüssen und Vanillesahne“, „Salzburger Nockerl  mit Vanille und gemischten Beeren“, „Kokos-Panna-Cotta mit Erdbeeren und Zitronengras“, „Birnen mit Safran-Chili-Sirup und Johannisbeeren“, „Kleine Pavlovas mit Himbeeren und Zitronenmelisse“ oder „Geeiste Weintrauben mit Kaffee-Espuma“. Und wer jetzt noch nicht mehr als befriedigt ist, der ist wohl unersättlich.
Ich für meinen Teil bin platt, aber glücklich. Tolles Buch, wunderbare Rezepte, geniale Bilder. Vielleicht erhalte ich mir auch die Illusion, dass die Umsetzung auch bei mir so sexy und scharf wäre. Vielleicht nehme ich mir das Buch auch nur ab und an, um mir Appetit zu holen, ein ganz klein wenig Food-geil zu werden und mich in dem „was wäre wenn“ zu verlieren. Bekanntermaßen sind ja manchmal die Gelüste, denen man nicht nachgibt, die besten. Wäre doch schade, denn die Realität mir das crashen würde.

Anfängertauglichkeit: ☆ (leider einfach NEIN!)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆ (viele Zutaten, viele teure Zutaten, aufwändig inszeniert)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆ (für jeden, der gutes Essen und tolle Food-Pics liebt)
Originalität: ☆☆☆☆☆ (mich hat es geflasht und den anderen sollte es auch so gehen)

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