Nord, Süd, West? Ne, in den Osten geht’s

eastAber nicht in unsern Osten, sondern in den Osten Asiens – genauer in den Südosten. Dorthin entführt uns „EAST. 130 Rezepte aus Südostasien“ von Leanne Kitchen & Antony Suvalko. Das farbenprächtige Werk (Hölker Verlag) bietet dabei neben landestypischen Gerichten auch zahlreiche wunderschöne Landschafts- und Portraitaufnahmen, die einem wahrlich den Atem rauben. Wer noch nicht selbst dort war, hat nach dieser Lektüre garantiert Lust, sich selbst einmal live vor Ort in das Abenteuer „Südostasien“ zu stürzen.

Als Einleitung erwarten uns Grundrezepte für „Hühnerbrühe“, „Rinderbrühe“, „Süße Chilisauce“, „Limettendressing“, „Tomaten-Sambal“, „Frühlingszwiebelöl“, „Chili-Marmelade“ oder auch „Erdnuss-Kokos-Mischung“, „Gelbe Currypaste“, „Vietnamesisch eingelegte Zwiebeln“ und „Pandansaft“ – eine umfangreiche Sammlung aus allem, was so den klassischen asiatischen Geschmack ausmacht und was ich (zugegebenermaßen) meist im Asialaden kaufe, um meine Gerichte ein klein wenig authentisch asiatisch anzuhauchen. Kaufen geht halt schneller, aber besser schmecken werden sicher die selbst zubereiteten Marinaden und Würzungen. Zumal man ja manches bei uns auch nicht problemlos findet bzw sich erst bestellen lassen muss. Macht also durchaus Sinn, einem für diese wichtigen Grundzutaten eine Anleitung mit an die Hand zu geben bevor wir uns in die Welt der „Snacks“ aufmachen.

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„Gedämpfte Taro-Küchlein“ (mit Garnelen und Pilzen), „Lor bak“ (Fleischröllchen mit Dip), „Fischküchlein mit Kokos“, „Sago-Bällchen mit Schweinefleisch“, „Garnelen-Süßkartoffel-Plätzchen“, „Gemüseplatte mit Auberginen-Dip und gelbem Bohnen Dip“ und klassische Sate-Spießchen bieten eine Fülle an bekannten und neuen Genüssen. Weiter geht es mit einer Auswahl an Suppen wie „Laksa“, Kokos-Nudel-Suppe“, „Rindfleischsuppe mit fermentiertem Tofu“, „Reisbrei mit Huhn“, „Saure Fischsuppe mit Ananas“, „Tom yum mit Meeresfrüchten“ und Rippchensuppe mit Tamarinde“ .. so als Vegetarier würde man da nicht ganz glücklich.
Aber zum Glück folgen dann auch schon „Salate“ mit „Bananenblütensalat“, „Salat aus sauer eingelegtem Gemüse“, „Schweinefleisch-Auberginen-Salat“, „Salat von grünem Gemüse mit Kokos“, „Rindfleisch-Pilz-Salat“, „Spiegelei-Salat“, „Hähnchen-Krautsalat“, „Gemüsesalat  mit Erdnusssauce“ und „Tintenfisch.-Bohnen-Salat“ lassen keine Wünsche offen. Optisch haut mich das zum Teil jetzt nicht so um – da finde ich die anderen Bilder, die Land und Leute zeigen wesentlich beeindruckender. Fast bin cih ein bisschen froh, das bei den „Currys“ nicht alles abgebildet ist, denn erfahrungsgemäß lassen sich Currys – so lecker sie auch sein mögen – einfach nicht optimal ablichten. Klingen tun „Grünes Fischcurry mit Aubergine“, „Gelbes Curry mit Muscheln“, „Nyonya-Hähnchencurry“, „Rotes Entencurry mit Litschis“, „Garnelencurry mit Omlett“ und „Rindfleisch Rendang“ allerdings köstlich.
east3.jpgIm nächsten Kapitel wird dann „Sanft gegart“ und man serviert „Salat-Wraps mit Schweinefleisch“, „Galgant-Lachs in Karamell“, „Orangen-Ingwer-Ente“, „Kokos-Ingwer-Stubenküken“ und „Saurer Hähnchen-Auberginen-Eintopf“. Auffällig ist, dass man für alle Rezepte halt schon recht viele Zutaten braucht. Die asiatische Küche lebt von den Aromen und spart nicht an Kräutern und Pulvern. Daraus wiederum ergibt sich wiederum, dass manche Gerichte richtig lange brauchen, weil man sie entsprechend köcheln lässt, damit das Fleisch weich wird und alle Aromen sich entfalten können. Nix für die schnelle Feierabendküche also.
Ebenso wenig eignen sich bei mir für abends leider richtig deftige Speisen, wie sie uns unter „Gebraten & Frittiert“ präsentiert werden: „Chickenwings mit Salat aus Grüner Mango“, „Gebratenes Zitronengras-Hähnchen“, „Pfefferkrabben mit Curryblättern“, „Knusperhähnchen Nyonya-Art“, „Ingwerfisch mit Schweinefleisch“, „Tamrinden-Garnelen“, „Knusprige Muschelpfannkuchen“ und „Würziger Bratfisch“. Und, wie sollte es anders sein, gibt es natürlich auch „Reis & Nudeln“ mit „Gebratenen Hokkien-Mee-Nudeln“, „Gebratenem Reiskuchen“, „Garnelennudeln aus dem Tontopf“, „Pad Thai“, „Reisnudelsalat“, „Klebreis mit Huhn“ und „Grünem Nasi goreng“. Ich liebe die asiatische Küche (zumindest so wie ich sie eben hier kenne), aber die Bilder überzeugen mich irgendwie nicht. Vielleicht fehlen mir einfach die Aromen, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, sobald man die Gewürze riecht, aber übers Auge funktioniert das in dem Fall nicht.
Gevor wir zum süßen Abschluss kommen wird noch „Gebraten & Gegrillt“. „Gegrilltes Kokoshühnchen“, „Fünf-Gewürze-Wachteln vom Grill“, „Honig-Pfeffer-Lamm“, „Gegrillter Thai-Schweinenacken“, „Hähnchenspieße mit Limettenblättern“ und Ochsenrippchen mit Kokosglasur. Irgendwie wiederholt sich hier viele, habe ich den Eindruck und so allmählich ist es mir auch irgendwie zu fleischlastig. Da freue ich mich doch auf die „Desserts“: „Sternanis-Eiscreme mit Früchten“, „Süße Bohnen mit Kokosklebreis“, „Babybananenkuchen“, „Geleekonfekt mit Pandan und Rose“, „Reiskuchen  mit Palmzucker“ und „Kokospudding mit schwarzem Klebreis“ bilden den klebrigen – äh – süßen Abschluss unserer Ostasienrundreise.
Lust auf das Land habe ich jetzt auf alle Fälle bekommen, aber wie schon angedeutet eher auf die Kultur, welche in den Bilder so bunt und vielfältig dargestellt wird, weniger aber auf das Essen dort. Sicherlich werde ich das revidieren, sobald ich die entsprechenden Aromen und Gewürze in der Nase habe (vielleicht schon beim nächsten Besuch meines Lieblings-Asiaten in Deutschland) – gänzlich überzeugt hat mich das Buch als Kochbuch aber leider nicht.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆ (da für Anfänger eher schnelle Gerichte taugen, nicht ganz)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆ (teils- teils)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆ (für alle Asia-Fans, die gerne authentisch kochen möchten)
Originalität: ☆☆☆ (stimmiges Konzept, schöne Bilder, aber nicht ganz mein Ding)

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