Streetfood ?! Sounds good!

veganAllerdings auch nur, weil ich mal wieder das kleine Wörtchen „vegan“ überlesen habe. Aber bei „über 50 Rezepten“ müsste doch zumindest eines dabei eins, das ich überzeugend finde – vegan hin oder her, oder? Erschienen ist das Werk „Vegan Street Food“ von Nadine Horn & Jörg Mayer in der Edition Fackelträger, was schonmal bedeutet, dass es sich um ein hochwertiges Buch mit guten Bildern handeln müsste – so der Erfahrungswert bisher. Das Cover ist schön gestaltet und auch die ersten Seiten, die uns über die Motivation der Autoren zu diesem Buch, die Geschichte des Streetfood und die aktuellen Trends informieren, sind ansprechend gestaltet. Ein umfangreiches Glossar erklärt diverse Zutaten, die vielleicht nicht jeder kennt und vor allem nicht jeder daheim hat, damit man sich rechtzeitig darum kümmert, diese zu besorgen, bevor man sich an die Rezepte macht. Dass die Rezepte nicht alle „gesund“ sind, sondern es auch ums Schlemmen und „Quality time“ geht, heben die Autoren gleich mal hervor, bevor es hier zu Fehleinschätzungen kommt…

vegan5.jpgDas mit dem „gesund“ habe ich ja schon oft bemängelt, weil die vegane Küche oftmals extrem reichhaltig und fett ist. Wie sagte ein Bekannter jüngst zu mir: „Ich war in meinem Leben nie dünn, aber so fett wie damals, als ich mich vegan ernährt habe, war ich noch nie.“ (Soviel nur am Rande – meine Skepsis gegenüber dieser Ernährungsform ist also durchaus begründet). Aber ohne Vorurteile geht es an Kapitel eins „Sandwiches“ mit „Teriyaki-Bánh-Mi“, „Veganer Döner“, „Pulled Jackfruit Sandwich“, „BBQ-Tofu-Sandwich“ oder auch „Tempeh-Reuben Sandwich“. Ich bin ja generell kein Sandwich- oder Burger-Fan, aber die Version mit Seitan, Tofu und Tempeh ist so gar nicht meins. Insbesondere stört mich, dass die Burger so belegt werden, dass man die nie und nimmer essen kann. Da quillt alles oben, unten, links und rechts raus, tropft, trieft – ne, das funktioniert nicht. Und auch bei den „Green Bunny Dogs“, bei denen man das Würstchen durch eine gekochte, marinierte und dann gebratene Karotte ersetzt, lässt mich etwas erschaudern. Nein, das wäre nichts, womit man mich glücklich machen könnte, leider.

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Weiter geht es mit „Wraps, Tacos und mehr“ wie „Thai-Kohl-Wrap mit geröstetem Reis“, „Margarita-Burrito mit Karotten-Pickles“, „Rohkost-Wrap mit Sonnenblumen-Tzatziki“, und „Rote-Bete-Wrap mit Hirse-Taboulé“. Ich weiß ja nicht, ob ich zu viel erwarte, aber irgendwas fehlt mir hier. Und ich meine jetzt nicht zwingend das Fleisch. Das alles sieht irgendwie trotz zugehöriger Dips extrem trocken und krümelig aus, wobei ich mir am ehesten noch den Seitan-Souvlaki bestellen würde. Nachdem wir oben schon die Sandwiches hatten, folgen jetzt natürlich auch noch die „Burger“ mit „Marokkanischer Burger mit Rotem Baba Ganoush“, „San Diego Burger mit Pfirsich-Salsa“, „Portobello-Burger mit Sriracha-Aioli“, „Jamaica Burger mit fruchtigem Mango-Slaw“ und „Auberginen-Burger mit Schwarzbier-Schalotten“. Und ich muss zugeben, das würde ich alles essen. Das sieht alles lecker aus und statt doofer Fleischersatz-Produkte gibt es hier Alternativen wie Aubergine und Pile – das gefällt mir richtig gut. Auch die Dips und Saucen haben Bumms und machen was her. Über die Kalorien müssen wir hier nicht reden, da stehen die Veganer den klassischen Burgern in nichts nach. Dafür waren die Gemüse sicherlich glücklicher als manches Schwein, das bei den Fastfood-Ketten auf dem Tisch landet. Sieg nach Punkten also für die vegane Variante. Worüber ich ja echt schmunzeln muss ist die Tatsache, dass man auf einigen Bildern so einen halben Arm oder einen Teil Hand sieht und die dann meist richtig große Tattoos zieren – irgendwie erweckt das so den Eindruck als versuche das Buch zwanghaft zu zeigen, wie „cool“ man ist und, dass die vegane Küche was für richtig „harte Kerle“ ist … lustig.

vegan4Dann folgen „Bowls“ wie „Kürbis-Pho“, „Cauli-Fried Rice“, „Glasnudelsalat“ und „Clean-Eating-Bowl mit Spinat-Hummus“. Alles okay, das ein oder andere vielleicht für mich etwas unspektakulär, aber okay. Als ich dann aber „Mac & Cheese“ lese, stutze ich – Nudeln mit Käse ohne Käse? Wie geht das denn? In diesem Fall geht das, indem man Kartoffel, Karotte, Zwiebel, Cashew, Knoblauch, Hefeflocken, Chili, Pfeffer und Zitronensaft püriert und es unter die Nudeln hebt. Sorry Leute, ich bin ja ein phantasievoller Mensch, aber dass das auch nur ansatzweise nach irgendwas schmecken soll, das auch nur im entferntesten an Käse erinnert, kann ich mir nicht vorstellen – und nein, es reizt mich absolut nicht, das auszuprobieren. Das überlasse ich lieber den Veganern.  Aber da ich nach einer langen zuckerfreien Phase auch der Überzeugung war, dass buntes Esspapier einen unglaublich intensiv-tollen und süßen Geschmack hat, muss es wohl auch beim Verzicht auf Käse irgendwann soweit sein.
Es folgt das Fingerfood mit Rezepten für „Koreanische Tacos mit Shiitake und Sojasprossensalat“, „Mojitofu-Tacos mit einem Schuss Rum“, „Austernpilz-Tacos mit Chili-Limetten-Erdnüssen“ und „Gebackene Pakoras“. Wiederum alles durchaus lecker und appetitlich – da kann man sich nicht beschweren. Aber wenn ich dann „Obazda-Brezel“ lese, ahne ich Schlimmes. Cashew, Kichererbsen, Gewürze, Hefeflocken, Margarine und Bier sollen Camembert ersetzen? Och, nö. Abschließend folgen noch die beiden Kapitel „Saucen“ und „Basics. Buns & Co“, in denen wir die Anleitungen für „Tzaziki“, „Cashew-Aioli“, „Minz-Chutney, „BBQ- Majonnaise“, „Chimichurri“, „Buger Buns“, „Pitabrot“, „Mais-Tortillas“ und „Basic-Seitan“ finden. Das mit den Brötchen und Broten finde ich sehr klasse, denn gerade die entscheiden oft darüber, wie der Belag zur geltung kommt und wer schon einmal ein richtig mieses Brötchen hatte, der weiß, dass das alles andere zerstören kann. Auch die Dips und Saucen gefallen mir – viele der Dips, die ich regelmäßig mache (Hummus, Guacemole und Auberginenmus) sind generell immer vegan  und das ganz ohne Verzicht und Ersatz.  Alles in allem ist das Buch verglichen mit etlichen anderen veganen Kochbüchern sogar für Flexitarier wie mich durchaus interessant und schön. Ich würde zwar nicht alles essen, gerade, weil mein Verzicht eben nur dann erfolgt, wenn ich nicht verzweifelt ein Ersatzprodukt benötige, sondern auch ohne dieses eine vollwertige und runde Mahlzeit gestalten kann, aber einiges spricht mich hier durchaus an.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆ (mal mehr, mal weniger)
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆ (ja, Abzug gibt’s, weil es nicht alle Zutaten problemlos überall zu erwerben gibt)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆ (für Veganer, Vegetarier/ Flexitarier, die offen für Neues sind)
Originalität: ☆☆☆☆ (dafür, dass es vegan ist, sind die Rezepte bombastisch und vielfältig)

alle Bilder © Fackelträger Verlag/ Maria Brinkop
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