Ein Fest für Vegetarier!

vegeAuch wenn ich selbst keineswegs Vegetarier bin, so beschwere ich mich doch recht oft (auch hier) darüber, dass es für Vegetarier häufig kein adäquates Angebot gibt, sondern meist auf „den Rest“, also die Beilagen, verwiesen wird. Würde mich jetzt vielleicht auch gar nicht so sehr tangieren, wenn ich das nicht seit Jahrzehnten bei meiner Mama mitkriegen würde, die deswegen eher ungern auswärts isst. Okay, hier in der Pfalz, wo ich lebe, sind Wurst und Fleisch einfach Grundnahrungsmittel – zumindest in der Gastronomie. Umso schöner also, dass es bei den Kochbüchern mittlerweile immer und immer mehr OHNE gibt. „Festlich vegetarisch. 18 Menüs fürs ganze Jahr.“ ist da eines der aktuellsten Beispiele aus dem Haus Hölker von Martin Kintrup. Toller Einband, sehr hochwertige Aufmachung und meine große Hoffnung für Weihnachten, denn bei uns gibt es Braten … außer für Mama.

IMG_3722.JPGSchon die ersten Seiten lassen erahnen, dass hier jemand mit unglaublich viel Liebe zum Detail und sehr kreativer Ader am Werk war. Die Inhaltsübersicht wird auf einzelnen Tischsets – oder Küchenhandtüchern präsentiert, die Hintergründe der Seiten sind ebenfalls immer Stoffe. Schöne Idee. Darauf eine tolle Mischung aus Küchenutensilien, Geschirr, Scherenschnitten, ausgeschnittenen Figuren und vielem mehr. Mir sagt der Stil eindeutig zu und ich freue mich umso mehr auf die Rezepte. Los geht es quasi mit dem Valentinstag (Februar) und einem „Dinner for Two“, das aus „Rote Liebe Drink“, „Latte Macchiatto von Möhre und Pastinake“, „Rote Bete Gnocci“, und „Flambierten Crêpes mit Waldbeeren“ besteht. Alles so ein bisschen rosarot, aber (abgesehen von den Gnocci, die etwas gewöhnungsbedürftig aussehen) schön und stimmig. Weiter geht es mit einem Frühling voller Kräuter und „Sauerampfersuppe mit pochiertem Ei“, „Kartoffelpizza mit Frühlingskräutern“ sowie „Buttermilchcreme mit Waldmeistererdbeeren und Melissenkrokant“. Tolle Bilder, tolle Arrangements und leckere Rezepte – ich würde das alles sofort und ohne Einspruch essen.

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Die nächsten Kapitel sind dann „Feines Ostermenü“, „Fröhlicher Osterbrunch“ und „Köstliches Spargelfest“ bevor es zum „Blüten- und Beerenzauber“ kommt. Dieser frohlockt mit „Sommerlichem Löwenzahnsalat“, „Hibiskuscouscous mit Ziegenkäseröllchen und Himbersalsa“ neben „Hugo-Joghurt mit Holunderblütenspinkle“. Es folgen Menüvorschläge zum „Grillen mit Freunden“, der „Asiatischen Chill-Out-Party“ und der „Mezze aus 1001 Nacht“, die aus „Zweierlei Manakish“, „Süßkartoffel-Baba-Ganoush“, „Zitronen-Röstkartoffeln mit Kräuter-Labne“, „Spinatsalat mit Roter Bete und Feigen“, „Orangentaboulé mit Halloumi“ und „Möhrenfalafeln mit Zhug“ besteht. Bombe, ey. Ich könnte mich da glatt reinwerfen und obowohl ich das Buch bereits ein paarmal komplett durchgeblättert habe, fällt mir auch dieses mal erst hier auf, dass es tatsächlich vegetarisch ist.
Ich hab keineswegs den Eindruck, dass hier unvollständige Rezepte sind oder irgendwas fehlt – nein, das sind umwerfend perfekte, harmonische, tolle, sättigend und wahnsinnig kreative Rezepte komplett ohne Fleisch. Genau das würde ich mir in unserer Gastronomie so wünschen. Wahnsinn!
img_3719Warum es mir an dieser Stelle überhaupt auffällt? Weil die nächste Rubrik der „Vegane Sommerabend“ ist und ich das erste mal denke, dass das irgendwie ein bisschen kahl wirkt. Hier dann eben wirklich so, als habe man irgendwelche Komponenten vergessen… Aber da ich mit den Veganern kein Mitleid habe, blende ich das Kapitel einfach mal aus und erfreue mich an der Fülle der tollen vegetarischen Vorschläge.
Weiter geht es mit „Sonntagsfrühstück“, „Delikater Herbstschmaus“, „High Tea“ sowie „Hot & Spicy“ und ich kann nur sagen, dass die Zusammenstellungen alle klasse sind. Beim „Entspannten Heiligen Abend“ gibt es dann „Herzhafte Blätterteigstangen“, „Gelbe-Bete-Carpaccio mit Postelein und Grapefruit“, „Polentagratin an Rahmwirsing“ und „Schwarzwälder Kirsch im Glas“ – alles nicht übertrieben aufwändig, aber lecker und recht fix zubereitet. Muss ja nicht immer der altbekannte Kartoffelsalat sein, wenn es schnell gehen soll.
IMG_3723.JPGÜber das „Vegane Festmahl“ schweige ich besser… und wende mich „Weihnachten de luxe“ zu. Da erfreuen uns „Sekt mit Glühweinsirup“, „Crostini mit Ziegenkäse und Cranberrys“, „Kürbissuppe mit gebrannten Mandeln“, „Getrüffeltes Kartoffelgratin mit glaciertem Wintergemüse“ sowie „Marzipanknödel mit Spekulatiusbröseln und Apfel-Preiselbeer-Kompott“. Davon wird bei mir an Weihnachten definitiv das ein oder andere auf dem Tisch landen. Lecker! Und mit „Silvester Glamour“ enden dann das Jahr und das Buch. Zum Finale werden „Dinner-for-one-Bowle“ (okay, bei der würde ich Mitternacht wohl nicht mehr so ganz mitbekommen), „Antipasti-Tortilla“, „Linsen-Kichererbsen-Suppe“, „Tex-Mex-Schichtsalat“, „Lauch-Käse-Baguette mit Tomaten und Oliven“ und „Schoko-Baiser-Kuchen mit Himbeer-Sekt-Coulis“ serviert. So kann man doch super ganz vegetarisch ins neue Jahr rutschen 🙂 Ich bin restlos begeistert. Mit Abstand eines der tollsten und schönsten vegetarischen Kochbücher, die ich kenne. Absolut empfehlenswert!© alle Bilder Hölker Verlag/Julia Hoersch

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (ja, das ist alles machbar)
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆ (sind ja Menüs für Festtage, daher kein Alltag – aber einzelne Komponenten sicherlich)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆ (definitiv. für jeden!)
Originalität: ☆☆☆☆☆ (ja und nochmal ja und sowas von. einfach nur wunderbar)

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