Festlich, fein und verdammt teuer

978-3-7995-1101-8.jpgDass man sich ab und an mal was Gönnen kann und auch muss und darf, das ist unstrittig. Insbesondere natürlich an Feiertagen wie Weihnachten oder Silvester. Da kann sogar bei mir mal ein Champagner den Kopf verlieren. Nichtsdestotrotz muss alles in einem gesunden Rahmen bleiben. Bei „Fein und festlich. Neue Rezepte für Weihnachten & Silvester“ stoße ich hingegen finanziell an meine Schmerzgrenze. „30 neue Rezepte für ganz besondere Weihnachtsgerichte, dazu himmlische Desserts“ verspricht uns  der Jan Thorbecke Verlag. Was da an Klassikern  neu interpretiert hereinschneit zeigt uns auf einen Blick die Inhaltsübersicht, denn bei überschaubaren 70 Seiten gibt es keine einzelnen Kapitel. 
img_3808Los geht es mit „Mini-Éclairs mit dreierlei Mousses“ (Thunfisch, Sardine, Lachs), „Häppchen mit Fois Gras und Zwiebel-Konfit-Gelee“, „Profiteroles mit Gänseleber-Mousse“, „Topinambur-Velouté mit Jakobsmuschel“ und „Kartoffel-Apfel-Salat mit Trüffeln“. Für den kleinen Geldbeutel sind die Vorschläge dank Fois Gras, Jakobsmuschel oder auch Trüffel natürlich nicht. Auch „Kaisergranat in Champagner-Sabayon“, „Riesengarnelen-Spieße mit Früchten“, „Kleine Filo-Teig-Pasteten mit Krebsfleisch und Safran“ oder ebenso „Foie-Gras-Terrine mit Feigen und Chutney“ fallen nicht unter „Spar-Menü“.
Nach dem dritten Vorschlag „Gebratene Foie Gras mit Feigen und Honigkuchen“ bin ich gedanklich eh schon raus, weil ich ein absoluter Gegner von Stopfleber bin -Delikatesse hin oder her. Es muss keineswegs ein veganes Essen auf den Tisch, aber diese Form der Tierquälerei unterstütze ich nicht. Die Pürees „Sellerie-Püree mit Trüffeln“, „Süßkartoffel-Püree mit Haselnüssen“, Pastinaken-Püree mit Mandeln“ und „Kürbis-Püree mit gehackten Maronen“ könnte ich mir immerhin wenigstens leisten. Doch dann folgen schon wieder Schwergewichte (- finanziell-) wie „Langusten-Schwänze mit Passionsfrüchten“, „Riesengarnelen in Schalotten und Weißwein“, „Gegrillter Hummer mit Mango und Forellenkaviar“ und „Gebratene Seeteufel-Rolle zwischen Land und Meer“. Alles durchaus lecker, aber irgendwie doch zu abgehoben. Von den Bildern her ist das alles sehr lecker und ansprechend, aber für mich schlicht und einfach zu teuer. Gerade unter dem Aspekt, dass man an den Feiertagen ja selten nur für zwei Personen kocht.
img_3807Die Nachtisch-Rubrik strotzt zwar nicht vor teurer Produkte, dafür spricht mein Mitleser charmant von einem „Bad-Kreuznach-Style“ (für alle, die noch nie dort waren – die Stadt war mal ganz groß und vor allem top modern. So in den 20ern vermutlich). Retro ist das alles ein wenig – von den „Weißen Trüffelpralinen“ (wahlweise mit Kokosraspeln, Rum oder in dunkler Version mit Pfeffer), dem „Bûche Glacée“ (geeister Biskuit-Kastanienkuchen“, den „Knusprigen Blätterteigschnitten mit Cremefüllung“ und der „Baiser-Torte mit Schokolade und Haselnüssen“. Fast jedes Rezept basiert hier auf Baiser, Vanillecreme stichfest und Sahne – das kann man so gerne in die Schaufenster einer Konditorei in Bad Kreuznach stellen – essen mag ich das nicht. Moment, wann hatte Baiser nochmal so seine Blütezeit …?!
img_3805Auf alle Fälle finde ich dann tatsächlich auch hier noch ein Rezept, bei dem man es schafft, viel Geld loszuwerden. „Charlotte mit Macarons und Passionsfrüchten“. Dass es „Charlottes“ so an sich hab, auf den Geldbeutel zu gehen, gebe ich ja zu, aber das übertrifft alles: 12 Passionsfrüchte (ich zahle hier für 2 Stück locker 2,50 – 3,00 €, also in Summe rund 20 €) und 24 bunte Macarons (das Stück bei uns zu 1 €, also nochmal 24 €). Mango, Sahne und den Rest kann man da getrost ignorieren und kommt doch auf 45 € für einen Nachtisch?! Hallo? Sorry liebe Redaktion, da habe ich so gar kein Verständnis für. Das ist so überflüssig dekadent, um die Torte rum Macarons zu kleben…
Für meine Weihnachts- und Silvesterfeier leider absolut nicht geeignet. Sollte ich in irgendeiner Silvester-Lotterie das große Los ziehen, denke ich nochmal drüber nach – vielleicht.

Anfängertauglichkeit: ☆☆ (mit viiiiel Geld, damit es nicht weh tut, wenn es schief geht)
Alltagstauglichkeit: ☆ (nicht mal an den Feiertagen)
Geschenkqualität: ☆ (für gut Betuchte sicherlich – für meinen Freundeskreis eher nicht)
Originalität: ☆☆ (zum Kopf schütteln, verwundert sein und irgendwie schockiert werden)

alle Bilder © Jan Thorbecke Verlag
Advertisements