Einmal die fleischfreie Reise, bitte

orientErneut begeben wir uns hinein in die farbenprächtige und gewürzreiche Welt des Abendlandes. Diesmal mit „Orient köstlich vegetarisch“ von Salma Hage (Edel Verlag). Aufgeteilt ist das Buch in die Rubriken „Getränke“, „Frühstück“, „Dips und Mezze“, „Salate“, „Gemüse“, „Hülsenfrüchte & Co“ sowie „Desserts“. Bevor sich aber alles um den Genuss dreht, legt uns Alain Ducasse, selbst ein großer Fan der mediterranen Küche, dieses Werk ans Herz mit dem Hinweis, dass die Rezepte darin nicht nur unsere Geschmacksknospen begeistern werden, sondern wir auch lernen werden, bessere, weil nachhaltig produzierte Produkte zu wählen und allein auf der Basis von Gemüse und Getreide hervorragende Gerichte zu zaubern. So ein Lob vom Großmeister – ist natürlich verdammt viel wert. img_3823Und natürlich äußert sich auch die Autorin selbst zu ihren Intentionen und der Philosophie ihrer Küche. Auf ganzen zehn Seiten erläutert sie uns die Grundlagen der hier vorgestellten Küche und die Kultur, in der sie aufgewachsen ist. Und, weil meinem zwar viele, aber längst nicht alle Zutaten der orientalischen Küche vertraut sind, gibt es vorab auch noch ein umfassendes Glossar. Los geht es dann mit Grundlagen wie „Laban“ und „Tahini“, „Zatar“ und „Baharat“, die man für zahlreiche Rezepte benötigt. Wenn ich mir überlege, was man unter den Getränken so erwarten kann, tippe ich auf Kefir, Tee, gewürzte Milch und keinerlei Alkohol. Tatsächlich gibt es „Kardamomtee“, „Zimt-Anis-Tee“, „Libanesischen Milchkaffee“ und „Doogh“ (Milchjoghurtdrink mit Minze), aber auch „Dattel-Tahini-Smoothie mit Zimt“, „Limettenwasser mit Ingwer, Erdbeeren und Minze“, „Libanesischen Eistee mit Orangenblütenwasser“ und „Blutorangensaft mit Granatapfel und Rosenwasser“. Alles ziemlich lecker, wenn auch das ein oder andere für meinen Geschmack sicherlich etwas zu süß.
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Zum Frühstück gibt es „Weizenkorn-Porridge“ (sieht irgendwie aus wie eine Körnermischung mit Milch), „Kardamom-Haferbrei mit frischem Granatapfel“, „Manouche-Brote“, „Laban-Frühstücksschnecken mit Zatar“, „Rosenwasser Pfannekuchen mit Pistazienkernen und Honig“, „Mandelbrot“, „Libanesisches Omelett“, aber auch „Foul Medammas“ (dicke Bohnen mit Kreuzkümmel, Knoblauch und Petersilie) – der Großteil (also alles Süße) wäre mir willkommen, die deftigen Speisen wären mir morgens doch etwas zu viel. Aber alles in allem schöne Gerichte und ansprechende Fotos. Bei „Dips & Mezze“ erwarten uns dann „Nüsse in Zatar-Würzkruste“, „Dicke-Bohnen-Dip mit Artischocken“, „Baba Ganoush“, „Kürbishummus“, „Mandelhummus“ oder auch „Petsersilienfalafeln mit Sesamkruste“, „Chili-Kichererbsen-Kräcker“, „Halloumi mit Sumach und Minze“, „Kleine Damaskus-Kibeh mit Pinienkernen“. An dieser Stelle fehlen mir persönlich ein wenig die Bilder,  aber die Rezepte an sich lesen sich gut.
img_3825Die Salate sind durch die Bank kreativ, aber irgendwie recht trocken – so auf den ersten Blick. Wir hätten da „Auberginen-Granatapfel-Salat mit gerösteten Pinienkernen“, „Spinat-Fattoush“(Brotsalat), „Freekeh-Salat mit Granatapfel und Feta“ (Urkorn), „Karottensalat mit Koriander und Sesam“, „Fenchel-Sellerie-Salat mit Sumach“, „Süßkartoffeln mit Walnusskernen und Quinoa“, „Ofengerösteter Blumenkohl mit Knoblauch-Tahini-Dip“. Ähnlich geht es dann weiter mit „Gemüse“ wie „Paprika  mit Quinoa-Kichererbsen-Füllung“, „Champignonsuppe mit gerösteten Sumach-Pinienkernen“, „Gergillter Spargel mit Zatar und Mandeln“, „Grüne-Linsen-Tabouleh“, „Spargel-Feta-Quiche“, „Gefüllte Zucchini in Joghurtsauce“, „Libanesische vegane Moussaka“ und „Gefüllte Weinblätter mit Linsen und Reis“. Alles schöne Rezepte, aber irgendwie bin ich nicht ganz so angetan wie von „Scirocco“ – das war einfach noch eine Spur genialer und kreativer.
Bei den Hülsenfrüchten schlemmen wir dann „Grüne-Erbsen-Suppe“, „Quinoa-Taboulé“, „Schwarzkohl mit Bulgur“, „Pilz-Cashew-Burger mit Aprikosen“, „Linsen-Bulgur-M’Juderah“ (Linsen mit Gewürzen und Zwiebeln), „Rote-Linsen-Röllchen“ und Linsenbällchen. Die Idee, auf einer Seite mehrere Gerichte abzubilden ist zwar per se nicht schlecht, mich stört es aber, dass ich immer blättern muss, um zu erfahren, was welcher Salat ist bzw. was sich hinter den einzelnen Nummern verbirgt. Das ist auf Dauer nervig.
img_3824Bei den Desserts locken dann noch „Dattel-Hafer-Riegel mit Gewürzen“, „Frischer Fruchtsalat mit Minzsirup“, „Granatapfel-Joghurt-Ice-Pops“, „Honigmelonen-Orangenblüten-Sorbet“, „Süße geröstete Kichererbsen“, „Kunafa mit Zitronensirup“ (Gries-Semmelbrösel-dessert), „Kokos-Ingwer-Torte“, „Anis-Sesam-Kekse“, „Pistazien-Walnuss-Halva“, „Baklavaröllchen“, und „Kardamom-Bananen-Kuchen“. In Summe schon ein tolles Buch mit einer riesigen Auswahl an Rezepten und tollen Vorschlägen. Und ganz ehrlich: Hätte ich nicht vorher „Scirocco“ in die Hände bekommen, wäre ich vermutlich restlos begeistert…. mein Favorit bleibt da aber klar ersteres.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆ (etwas Übung braucht man sicherlich und Gespür für die Gewürze)
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (wenn man sich vorher die Gewürze und Zutaten besorgt hat)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆ (für alle, die die orientalische Küche mögen – und Scirocco nicht kennen ^^)
Originalität: ☆☆☆☆ (weil Scirocco einfach den Tick geiler & innovativer ist nur 4 ☆☆☆☆)

© alle Bilder Phaidon Press Limited/ Liz und Max Haarala Hamilton
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