In die Küche, hopphopp

kitchenGenau dorthin lädt uns Bloggerin Meike Peters in ihrem ersten Werk „eat in my kitchen. kochen, backen, essen und genießen“ (Prestel Verlag) nämlich ein. Aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen mit den Einflüssen der französischen und italienischen Küche ihrer Mutter kocht sie jetzt in Berlin zusätzlich unter den Einflüssen ihres amerikanischen Freundes – multikulti also. In der Einleitung erklärt sie, welche Rolle das Essen und seine Zubereitung in ihrem Leben spielen und erklärt gleich, dass es nicht auf eine professionelle Großküche ankommt, sondern auch sie in einer kleinen Küche mit wenigen, aber guten Utensilien arbeitet. Das finde ich in Zeiten, in denen viele Kochbücher Dörrapparate, Sous-Vide-Garer oder Thermomix ja schon fast zur Grundausstattung gehören, sehr angenehm. Stattdessen legt sie viel Wert auf Bioqualität, Saisonalität, Wildfang, verantwortungsvollen Konsum und bewussten Umgang mit den Lebensmitteln. Für einzelne Lebensmittel wir Kräuter, Hefe, Öle, Essige usw gibt es extra Tipps. 

img_3849Wir beginnen mit den Salaten, wo uns „kaki, mozzarella und prosciutto di parma mit basilium und ahorn-vinaigrette“, „rucola-trauben-salat mit kichererbsen und orangenblüten-dressing“, „weißkohl-birnen-salat mit balsamico-speck“, „warmer karottensalat mit eingelegter zitrone und minze“ oder auch „mediterraner kartoffelsalat mit dicken bohnen, rucola- und zitronenpesto“ alles sehr kreative und coole Zusammenstellungen, aber auf den Bildern, die an und für sich auch super sind, wirkt das alles so trocken, dass ich mich nicht wirklich dafür begeistern kann. Mag sein, dass ein Dressing das Ganze etwas zusammenfallen lässt, aber so sieht das einfach aus als wäre es nicht angemacht. Schade.
Weiter geht es dann deutlich weniger roh mit „gemüse“ und „knusprigen bratkartoffeln mit fenchel“, „geröstetem wurzegemüse mit gestampften rosmarin-knoblauch-bohnen“, „sautiertem spinat mit orange und kardamom“ (okay, das finde sogar ich gewagt), „gerösteten kürbisspalten mit kreuzkümmel und pistazien-feta-dip“, „scharfem blumenkohl mit harissa, zitrone und petersilien-joghurt-dip“neben „geröstetem rosenkohl mit ingwer und zitrone“. Alles wieder tolle Ideen und Kombinationen aber auch hier fehlen mir irgendwelche Saucen oder Zutaten, die dem Ganzen eine gewisse Feuchtigkeit geben. Mir persönlich zu trocken. Bei den Suppen ist dieser Kritikpunkt zum Glück nicht zu befürchten: „bärlauch-vichyssoise“, „pastinaken-süßkartoffel-suppe mit karamellisierten pflaumen und geschlagener gorgonzola-mascarpone“, „ingwer-zitronen-blumenkohlsuppe“ – 0815 ist das definitiv nicht. Allerdings glaube ich, dass die Kompositionen vielen doch zu bunt und gewöhnungsbedürftig sind. Für eine große Runde würde ich persönlich mich nicht trauen, das zu kochen.
img_3852Deutlich gefälliger kommt die Pasta mit „maltesische zitronen-ricotta-pasta mit basilicum“, „spargel-lauch-erbsen-lasagne mit chèvre und pecorino“, „spaghetti mit waldpilzen, orangen-butter und knusprigem salbei“ oder auch „kürbis-gnocci mit roqueford-sauce“ daher. Dass man es tatsächlich schafft, Nudelgerichte trocken aussehen zu lassen, ist schon bemerkenswert. Die „sandwiches“ „erbsenpesto, karamellisierter honig-speck und frischer majoran“, „lamm, marokkanische-zitrone und kapern“, „geröstete frühlingszwiebeln und raclette in carozza“, „bratwurst-ciabatta-sandwich mit weisen bohnen, orange udn thymian“ oder „balsamico-erdbeer-tartine mit chèvre und pistazien“ sehen durch die Bank lecker aus, haben aber wie so oft bei belegten Broten und Brötchen den Fehler, dass man die so wie sie abgebildet sind, schlicht und einfach nicht essen kann. Da rutscht alles weg, es tropft, ist viel zu hoch als dass man den Mund so weit aufbekäme und wenn dann noch Cherrytomaten im Ganzen draufliegen – ich weiß, wie das endet!
img_3851Dann folgen „fisch“ und „fleisch“ in Form von „forelle al cartoccio mit tiroler speck, oliven und tomaten“, „miesmuscheln in einem sud aus blutorangen, fenchel, ingwer und kurkuma“, „maltesische thunfisch-spinat-pie“, „schwertfisch mit minze, tomaten und zitronen-kapern-öl“, „bayrischer bier-krustenbraten mit süßkartoffen und pastinaken“, „riesling-holunder-hähnchenkeule mit aprikosen und rosmarin“, „langsam geröstete ente mit ingwer, honig und orange“ und „rustikaler hackbraten mit lauch und bergkäse“. Das Problem mit der fehlenden Sauce oder was auch immer muss ich nicht schon wieder thematisieren, sondern lobe lieber mal, dass wirklich jedes Rezept bebildert ist, die Fotos ästhetisch sind und die Rezepte wirklich gut erklärt sind. Was mir ein wenig fehlt, sind Zeitangaben an den Rezepten, die mir auf den ersten Blick verraten, wie lange ich dafür in der Küche stehen muss. Oft sind nämlich vor dem eigentlichen Rezept noch diverse Vorarbeiten zu leisten.img_3850
Abschließen folgen noch „herzhaftes backen“ und „süßes“ mit Anleitungen für „berg-brötchen mit käse und gewürzen“, „gozitanische pizza mit kartoffeln, aubergine, chèvre und fenchelöl“, „birnen-stilton-tarte mit rosmarin“, „zitronen-ricotta-cannoli“, „polenta-kuchen mit rosenwasser-vanille-sirup“, „ricotta-olivenöl-muffins mit erdbeeren“, „mohnhörnchen mit zitronen-kardamom-butter“ und „ottijet – maltesische sesamkekse mit nelken und anis“. Diese Rubriken sind für mich eindeutig die rundesten, weil hier wirklich alles stimmt. Dann gibt es noch ein paar Tipps zur Vorratshaltung mit eingelegten Zitronen, Holunderblütensirup und scharfem Rhabarber-Chutney“ bevor sich eine handvoll Rezepte von befreundeten Blogger-Köchinnen anschließen. So ein bisschen Werbung für andere Bücher des Verlags ist ja schon okay 🙂

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆ (alles gut beschrieben und fein erklärt)
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (auf jeden Fall)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆ (für alle, denen Sauce nicht so wichtig ist ^^)
Originalität: ☆☆☆☆☆ (weil die Rezepte echt sehr cool sind und unglaublich kreativ und mutig)

Bilder ©Prestel Verlag/ Meike Peters
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