Jeder das, was er mag

foodbloggerSo in etwa könnte man den Inhalt von „100 Foodblogger haben wir gefragt – #VierJahreszeiten – 100 Lieblingsgerichte“ beschreiben, denn hier kann jeder wirklich alles listen, was ihm persönlich gefällt. Beim Thema „Vier Jahreszeiten“ sind der Phantasie schließlich keine Grenzen gesetzt. 1600 deutschsprachige Foodblogs haben Autorin Simone Goller und ihre Assistentin daraufhin besucht und zur Teilnahme am Projekt vom Verlag ars vivendi aufgerufen. Dass dabei einige Blogger außen vor blieben und auch der Stil des Buchs keineswegs einheitlich ist, versteht sich da von selbst. Besonders schön ist, dass es sich nicht nur um Blogs aus Deutschland handelt, sondern auch Österreich, die Schweiz, Frankreich und Kanada mit von der Partie sind. Los geht es – versteht sich – mit dem Frühling… die nasskalte Schneeschicht vor meinem Fenster beäugend, finde ich das doch hervorragend. Also rein in die ersten Sonnenstrahlen.

Das Intro-Bild zum Kapitel spricht mich persönlich gar nicht an. Erinnert an Instagram, aber viel chaotischer, bunter, unüberschaubarere. Warten wir mal ab, ob die Rezepte sich ebenso verhalten. „Lauwarmer Spargel-Brotsalat mit getrockneten Kirschen“, „Naan mit Spargelfüllung“ ( – äh ich sehe hier Spargel, die man irgendwie mit Brot mühsam umwickelt hat… naja), „Frischkäse-Gnocchi mit Bärlauch, grünem Spargel und Shrimps“, „Gemüse mit Hähnchenbrust und Basmatireis aus dem Wok“, „Erdbeer-Raffaello-Traum“, „Vegane Amerikaner“, „Osterlamm >Rocky Road<“ (sorry, aber ein Osterlamm mit Mini-Marshmallows zuzukleistern ist nicht nur hässlich, sondern auch noch total unnötig und sinnlos), „Rhabarber-Vanille-Cupcakes mit Joghurt-Topping“, „No bake Frühlingstörtchen mit Brombeer- und Limettencreme“, „Erdbeer-Käsekuchen“ (low carb) und „Selbst gemachtes Joghurteis mit Himbeeren und Granatapfel“. Ich gebe zu, ich bin nicht überzeugt. Das ist so querbeet und kuddelmuddel, dann sind das teilweise so billige und lächerliche „Rezepte“, dass ich mich wunder, dass ein Blogger sowas ernsthaft als „Lieblingsrezept“ angibt – klar, es soll schon alltagstauglich, lecker und nicht zu aufwendig sein, aber manches hier ist einfach zu laienhaft. Welcher Blogger jeweils hinter dem Rezept steckt, wird unter dem Rezept in einem kurzen Text zu Blogger und Blog geklärt. Wem also ein Rezept gefällt, der weiß, wo er sicherlich noch das ein oder andere findet, das in die gleiche Richtung geht.
Im Sommer präsentieren uns die Blogger dann „Wassermelonen-Feta-Salat mit Minze“, „Gegrillte Wassermelone  mit Zigenkäse auf Ruccola“, „Auf Salzstein gegriller Jacobsmuschel-Lachs-Spiess“, „Galette Caprese“, „Emma – das Erdbeer-Joghurtbrot“, „Sommerliche Zitronencreme-Törtchen. Natürlich vegan“, „No bake Aprikosen-Kokos-Tarte“, „Erfrischende Rohkost-Himbeertorte“, „Träubleskuchen glutenfrei“, „Rosensirup“, „Erdbeermarmelade mit Chiasamen“ und „Wassermelonen-Minz-Cocktail“. Es überwiegen hier eindeutig die Backrezepte, Erdbeer und Wassermelone in Hülle und Fülle und man merkt eindeutig, dass sich die Blogs eben an bestimmte Zielgruppen richten. Da haben wir die Veganer, die Rohköstler, die Anhänger von low carb, diejenigen mit Glutenunverträglichkeit usw… es ist halt schwer, hier die passende Zielgruppe zu finden, die dieses Buch kaufen soll. Man kann nicht gezielt nach Rezepten suchen, es geht  nicht um bestimmte Vorlieben (außer die der Blogger) und thematisch einen Überbegriff zu finden für das Sammelsurium an Texten- schwer möglich. Aber immerhin muss ich hier  mal sagen, dass ich die Bilder in Summe alle ganz schön finde, weil sie alle die jeweilige Jahreszeit sehr treffend vermitteln und stimmungsvoll arrangiert sind. Zudem ist es eben toll, dass wirklich jedes Rezept bebildert ist. Das hat  man in vielen Kochbüchern ja leider nicht.
Im Herbst serviert man „Herbstsalat mit Speck und Birnen“, „Kürbis-Süßkartoffel-Suppe“, „Liaison von Pilzen, Rucola und knusprigen Kartoffeln“, „Käsecarbonara“, „Tarte mit Ziegenkäse und Weintrauben“, „Rote-Bete-Pesto mit gerösteten Erdnüssen“, „Würziges Apfelbrot mit Rosmarin & Sonnenblumenkernen“, „Protein-Pancakes mit Himbeersauce“, „Zwetschgen-Crumble“, „Zucker-Zimt-Zupfkuchen“ oder auch „Kürbis-Schoko-Torte“. Hier find eich wenigstens die ein oder andere Anregung und neue Idee, meine Skepsis bleibt aber bestehen.
Der Winter bringt uns dann noch „Warmen Quinoasalat mit Roter Bete und Orangen“, „Lauwarme Blutwurst mit Apfelsorbet und Meerettich“, „Blutwurstrisotto mit Apfelsauce und Kuebebenpfeffer“, „Entenbrust an Hokkaido-Kürbis-Püree mit Cumberlandsauce und Schwarzen Nüssen“, „Gedämpften Orangenpudding“, „Spekulatiuscreme mit Zimtsternen und Orangen“, „Zimtsterne“, „Rotwein-Minigugl“, „Spekulatius-Kirsch-Törtchen“ aber ebenso „Elisenlebkuchen ohne Mehl“.
Wie gesagt, tue ich mir schwer, das Buch einzuordnen, da es nicht als klassisches Kochbuch oder Backbuch taugt bzw als Nachschlagewerk. Dafür könnte ich mir durchaus vorstellen, dass alle, die gerne Blogs lesen oder gar selbst bloggen, hier vielleicht  noch die ein oder andere Seite finden, die sie bislang nicht kannten und, die ihnen gefällt. Eine Auflistung aller Blogs und aller Blogger findet sich dann auch nochmal im Anhang des Buchs. Vielleicht sollte man es also eher als solches betrachten: Ein Nachschlagewerk über die deutschsprachige Bloggerszene.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (fast alles seeehr einfach – fast zu einfach)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆☆ (nebenbei, zwischendurch, ja)
Geschenkqualität: ☆☆☆ (für alle, die sich für Foodblogs begeistern)
Originalität: ☆☆☆ (die Idee an sich ist cool, aber die Rezepte bringen es nicht)

ALLE BILDER © ars vivendi
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