Trendig? Nee, unentschlossen & wirr

kochtrends.jpgDass sich so manches Buch nicht recht einordnen lässt, was es denn nun sein soll und sein will, hatten wir ja schon. Ebenso ist es mit „Kochtrends für jeden. Super lecker – super leicht – super Food“ aus der Reihe ARD Buffet vom ZS Verlag. Wer kennt sie nicht, die Küche beim ARD, in der in frohem Wechsel allerhand Köche Ihr Können zeigen. Unter dem Aspekt „Kochtrends“ wurden einige ausgewählte hier zusammengetragen. Die Trends denen sie sich widmen sind „Clean Eating“, „Street-Food“, „Vegan“, „Gutes Fleisch“, „Super-Foods“ – also quasi alles so irgendwie. Dass das ein unkonzeptionelles Konzept ist, ahne ich bereits, denn wer soll hier angesprochen werden? Es gibt Fleisch, dann mal wieder nicht, dann nur Gesundes, aber dann auch wieder Fettiges – irritierend.
IMG_4035.JPGFür Leute wie mich, die sich generell für Essenstrends interessieren, mag das ein nettes Sammelsurium sein, für alle Fans des ARD-Buffet sicher auch, aber alle anderen werden wohl nicht viel mit dem Werk anzufangen wissen. Aber werfen wir mal einen Blick auf die Rezepte selbst: „Salate, Suppe & Co“ macht den Anfang mit „Linsen-Avocado-Salat mit Joghurtdip“ (Super-Foods), „Bohnensalat  mit veganer Majo“ (Vegan), „Kartoffelschnee mit Kaviar“ (Clean Eating), „Wilder Tomaten-Brot-Salat mit gebackenem Mais“ (Vegan), „Steckrüben-Tafelspitz-Topf“ (Clean Eating), „Tomatenkaltschale mit gebratenem Kaninchenrücken“ (Clean Eating) – hier knallen Welten aufeinander. Wer den Hasen essen würde, kann sicherlich mit der veganen Majo wenig anfangen, wer den Hasen lieber streicheln würde, der wird sich sicherlich dieses Buch nicht zulegen. Kompliziert.
IMG_4034.JPGDann folgt erst einmal eine ausführliche Beschreibung dazu, was „Clean Eating“ bedeutet – alle anderen Ernährungstrends werden im laufe des Buches ebenso erläutert- bevor noch „Lachsforelle mit Wiesenkräutern“ (Clean Eating) und „Gebackene Zucchiniblüte mit Lauch und Madeira“ (Street-Food) das Kapitel abschließen.
Für „Zwischendurch“ gibt es den „Burger Buchholz“ nach einem Rezept von – natürlich – Frank Buchholz (Gutes Fleisch), „Sandwich mit Hummus und Rosmaringemüse“ (Street-Food“, „Pastrami von der Avocado“ (Street-Food), „Falafelplätzchen mit Salsa und Cashew-Kartoffelsalat“ (Vegan), „Lachstatar mit Kartoffelpuffern und Zitronensauce“ (Super-Foods), „Zucchinitarte  mit roten Zwiebeln“ (Vegan), „Ochsensemmel mit Coleslaw“ (Street-Food), „Auberginenröllchen und Crostini mit Garnelentatar“ (Street-Food), „Pizza mit Fenchel und Tomaten“ (Clean-Eating) … kunterbunte Rezepte mit netten Bildern, aber irgendwie so wirrwarr.
IMG_4038.JPGDa kann man nicht wirklich gezielt ein Rezept suchen und auch die Zuordnung ist nicht so eindeutig, weil meiner Meinung nach viele Vorschläge „Street-Food“ auch zu „Gutes Fleisch“ passen würden, andererseits sind viele Clean-Eating-Rezepte fast vegan oder leicht in vegan abzuändern. Generell finde ich, dass Etliches aus dem Bereich „Street-Food“ nicht unbedingt dort anzusiedeln wäre (zB die gefüllten Zucchiniblüten aus dem ersten Kapitel). Und was genau jetzt eigentlich überhaupt Street-Food ist und was genau Super-Foods sind, das ist ja auch alles sehr schwammig von der Begrifflichkeit und Definition her. Wenigstens sind „Gutes Fleisch“ und „Vegan“ relativ fest umrissen.
IMG_4036.JPGEs folgen „Gemüse & Pasta satt“ mit „Butterspargel mit Brunnenkresse und Serrano“ (Super Food), „Gefüllte Tomaten mit Petersilien-Paprika-Quinoa“ (Vegan), „Gefüllter Kürbis mit Zucchini-Nuss-Salat“ (Vegan), „Steinpilze in Sherryrahm mit Pappardelle“ (Super-Foods), „Pastinaken-Birnen-Püree“ (Clean Eating – bis auf die drei Löffel Butter aber auch vegan!), „Linsencurry mit gebratenem Skreifilet“ (Super-Foods), „Schwarzwurzeln im Salzteig mit Gemüsesauce“, „Knusper-Aubergine mit Kartoffelsalat und Currydip“ (Street-Food). Schöne Rezepte, willkürlich Zuordnung und kein richtiges Konzept. Auch bei „Fleisch & Fisch“ wird sich das nicht ändern, wobei hier wohl kein veganer Tipp dabei sein dürfte. „Hähnchen mit Erbsengemüse“ (Gutes Fleisch), „Gefüllter Truthahn mit Krautsalat“ (Gutes Fleisch), „pastrami vom Beef mit Couscous und Topinambur“ (Gutes Fleisch)“, „T-Bone-Steak vom Grill mit Tomatenconfit“ (Gutes Fleisch), „Wiener Schnitzel mit selbst gemachten Pommes“ (Street-Food), „Kalbsbuletten mit gebratenem Weißkohl“ (Street-Food), „Zwiebelrostbraten mit Spinat-Maultaschen“ und „Cajun-Hähnchen mit Bratreis und Wurzelgemüse“ (beides Gutes Fleisch), „Gelbschwanzmakrele mit Zucchini und Ofentomaten“ (Clean Eating), „Thunfisch mit Mangosalat“ (Super-Foods), „Goldforelle im Fenchelsud“ (Super-Foods) sowie „Tintenfischringe mit Tomatensalsa und Brotsalat“ (Street-Food).

Alles in allem schöne Rezepte, aber in seinem Versuch, auf allen Hochzeiten tanzen zu wollen, verliert das Buch sich selbst. Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht ganz nicht halb – unentschlossen. Und das macht es auch so schwer, das Buch einzuordnen. Ich finde keine Zielgruppe und kein richtiges Konzept – leider kein Treffer. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, gezielt nach „Vegan“, „Gutes Fleisch“ oder „Clean Eating“ zu suchen, da das Buch lediglich ein alphabetisches Register beinhaltet.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆ (alles gut erklärt und mit Zeitangaben)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆ ist ja für den Alltag gedacht)
Geschenkqualität: ☆ (Fans des ARD-Buffet?)
Originalität: ☆☆ (kein richtiges Konzept, keine gute Sortierung, keine Zielgruppe)

© ALLE BILDER ZS VERLAG

 

 

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