Fernweh mit zartem Schmelz

schneeWas bei mir einen Urlaub als „Auszeit“ kennzeichnet, sind nicht nur die Distanz zur Heimat, die fremden Städte und manchmal auch Kulturen, sondern natürlich auch die andersartige Küche. Da reicht es ja manchmal schon, dass man das Bundesland wechselt und schon trifft man auf Gerichte, die man ein paar Kilometer weiter gar nicht kennt. Mit „Schneemilch & Pressknödel. Südtiroler Bäuerinnen und ihre Rezepte“ bringen uns Frieder Blickle und Isolde von Mersi „Schlutzkrapfen“, „Ochsenaugen“ und „Strauben“ näher. Bei traditionellen Gerichten original von den Höfen bin ich doch allemal dabei…
IMG_4116.JPGNeun Höfe („Englhorn“, „Niederstein“, „Gasser“, „Falschauer“, „Laxn“, „Kinig“, „Röck“, „Sotciastel“, „Eggerhöfe“) und ihre Bäuerinnen stellen sich und ihre Heimat den Lesern vor und präsentieren klassische Rezepte, die bei ihnen daheim auf den Tisch kommen. Dabei geht den Rezepten stets eine Einführung über die Bewohner mit Bildern der Region, der Bäuerin und des Hofes voraus – schöne Idee, da hat man gleich das Gefühl, dass es irgendwie persönlicher wird. Bei Sonja Sagmeier, die Vollwertköchin ist und vom Käse bis zum Brot alles selbst herstellt und größtenteils selbst anbaut, sind das zum Beispiel „Dinkelvollkornnudeln mit Gemüse und Käsesauce“, „Kasknödel mit Rucola und Kirschtomaten“, „Käsetörtchen mit Mangold“, „Pizzoccheri mit Spinat“, „Palabirnenschmarrn“, „Dinkelbrötchen“, „Marillensirup“ und die im Titel hervorgehobene „Schneemilch“. Alles gut erklärt, gut umsetzbar, schön anzuschauen und sicherlich lecker. Die „Schneemilch“, ein Gericht, das nur am Tag des „Scheibenschlagens“, aufgetischt wird und aus Vollkornbrot, Nüssen, Sultaninen, Milch, Rum, Honig und jeder Menge Sahne besteht, wäre jetzt nicht ganz  meins, der Rest allerdings schon.

IMG_4118.JPG
Weiter geht es dann mit Anna Moosmair, die mir sofort sympathisch ist, weil bei ihr in wirklich jedes süße Gericht mindestens ein Obstler wandert 🙂 bei ihr finden wir „Gerstsuppe“, „Speckknödel“, „Schweinsbraten“, „Ochsenaugen“ (frittierte Teigkugeln mit Kastanienfüllung) und „Bauernzelten“ (eine Art Früchtebrot). Waltrauf Pixner serviert „Apfel-Ingwer-Geleewürfel“, „Apfel-Minze-Fruchtaufstrich“, „Apfel-Chutney“, „Süß-saure Zwetschgen“, „Getrocknete Tomaten in Olivenöl“ und „Süß-sauer eingelegte Zucchini“. Dann folgt Elisabeth Schweigl mit „Rindsuppe“ (wahlweise mit Brot, Schöberl, Grießnocken), „Rindscarpaccio mit Löwenzahn und eingelegten Pfifferlingen“, „Bauerngröstl“, „Kaninchenbraten mit gebackenem Fenchel“ sowie „Omeletten mit Erdbeeren und Rhabarber“.
IMG_4117.JPGAlles schön bodenständig, urig und ohne überflüssigen Schnickschnack. Das zieht sich auch bei den restlichen fünf Bäuerinnen so durch, die unter anderem noch die Rezepte liefern für „Bandnudeln mit Radiccio“, „Erdäpfelteigtaschen mit Almkäse“, „Hirschgulasch mit Polenta“, „Linzer Schnitten“, „Spanferkel mit Erdäpfeln“, „Woaznmuas mit Hollermulla“, „Kastanienreis mit Sahne „Monte Bianco“, „Apfelkriechl“, „Eistackaler Weißweinsuppe“, „Tris von Schlutzkrapfen, Spinat- und Kasnocken“, „Apfelstrudel“, „Kaspressknödel“ und „Hosnearln mit Marillenmarmelade“. Ich geb ja zu, dass ich mich allein über die Namen großartig amüsieren kann. Aber Spaß beiseite – die Rezepte sind durch die Bank authentisch und schön. Da bekommt man direkt Sehnsucht und möchte sich auf die Höfe beamen und die Bäuerinnen persönlich kennenlernen, die mit so viel Herzblut und regionalen Produkten diese tollen Gerichte zaubern.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (alles gut erklärt und nicht abgehoben)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆☆ (ich denke schon)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆ (für alle, die ein wenig Urlaubsflair brauchen können)
Originalität: ☆☆☆☆☆ (weil es authentisch ist und die Bäuerinnen uns einen tollen Blick in ihre Küchen schenken)

© ALLE BILDER: Folio Verlag/ Frieder Bickle
Advertisements