Süffiges selbst angesetzt

schnaps.jpgDas Thema „Schnäpse“ und „Liköre“ aus der heimischen Küche hatten wir ja bereits, aber ich bin der Ansicht, dass da noch ein paar weitere Bücher nie schaden können und freue mich über „Ansatzschnäpse. Liköre, Schnäpse und Kräuterweine selbst gemacht“ von Walter Gaigg aus dem Heyne Verlag. Weil dem Autor die Rezepte anderer Werke oft zu zu exotisch oder zu süß waren, hat er einfach mal selbst ein Buch verfasst, in dem er hauptsächlich Ansatzschnäpse aus heimischen Kräutern vorstellt, auf zu viel Zucker verzichtet und bei den Likören auf Klassiker zurückgreift. Klingt gut!

Natürlich bekommen wir vorab eine kurze Erläuterung zu „Geist“ und „Likör“ bevor es an die Grundlageninfos rund ums Ansetzen geht. Welcher Alkohol, welche Früchte, welcher und wieviel Zucker, welche Gewürze, wie filtriert man und welche Flaschenverschlüsse eignen sich am besten. Dann gibt es ein eigenes Kapitel zur Weinherstellung im eignen Keller (das reizt mich ungemein, aber derzeit habe ich schlicht keinen Platz) und ein eigenes zur Sektherstellung (das hat der Mann im Hinblick auf „Druck“, „Explosionsgefahr“ und „Glasflasche“ von vornherein verboten). Trotzdem sehr interessant und lehrreich.
Es folgt ein alphabetisch sortierter Rezeptteil mit „Ackerdistel“ (Ackerdistelgeist), „Apel“ (Apfelkorn), „Echter Alant“ (Alantansatz), „Berberitze“ (Berberitzengeist) und „Blutzwurtz“ (Blutwurtzgeist). Ich gebe zu, die Hälfte davon kenne ich nicht mal . Aber in der heimischen Kräuter – und Blütenwelt beschränke ich mich normalerweise auch auf das, was ich im Blumenhandel oder beim Gemüsehändler bekomme. Ganz praktisch daher, dass nicht nur das fertige Getränk abgebildet ist und man eine Vorahnung der Farbe bekommt, sondern auch das Kraut/ Gewächs/ Obst, um das es sich hier handelt. Und damit man auch was lernt bei der Herstellung der Leckereien gibt es vor dem Rezept jeweils einen Abschnitt über das, was wir da verarbeiten und was mir zumindest, nicht immer bekannt ist.
Die Zubereitung ist kurz und bündig, aber gut verständlich erklärt, es werden genaue Lagerzeiten angegeben, die das Gesöff ruhen muss, bevor man es verkosten darf – easy. Dann folgen Rotbuche, Brombeere, Kornelkirsche, Walderdbeere, Engelwurz, Gelber Enzian, Estragon, Fichte, Heckenrose, Haselnuss, Heidelbeere, Mispel und weitere Exoten wie Jostabeere, Kalmus, Taubnessel, Tausendguldenkraut, Weinraute und Zirbe. Insgesamt über 60 heimische Kräuter und Früchte – das ist mal ein Wort.
Und das ist vor allem noch nicht alles. Mit dem kleinen Kapitel „Klassiker“ folgen noch die Rezepte für „Eiercognac“, „Eierlikör“, „Kaffeelikör“, „Bierlikör“, Rotweinlikör“, „Schlagoberslikör“, „Schokoladenlikör“, „Zitronenlikör“ und „Orangenlikör“. Da bleibt kein schnapsseliger Wunsch offen bei der Auswahl.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (Wein und Sekt eher nicht, der Rest schon)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆☆ (fürs Wochenende …)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆☆ (für alle, die gern mal einen schnäpseln)
Originalität: ☆☆☆☆ (ein bisschen schöner könnten die Bilder sein, aber in erster Linie geht es ja um die Anleitungen und die sind wirklich gut und vielfältig)

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