Süß & salzig? Super strange!

IMG_4314Ich persönlich stehe auf diesen Kick, wenn man süß und salzig kombiniert, weswegen ich mich mit höchsten Erwartungen auf „sweet & salty. Frühstück für den ganzen Tag. Waffeln, Toasts und andere schnelle Kleinigkeiten“ von Andrea Martens und Jo Kirchherr (AT Verlag) gestürzt habe.  Was mich da dann allerdings erwartet, hat mich doch an der ein oder anderen Stelle schockiert, überfordert und ab und zu auch entsetzt. Es geht hierbei nämlich nicht darum, dass es süße und salzige Versionen eines Gerichtes gibt, sondern dass bei wirklich allen Rezepten beides kombiniert wird. Ob das nun passt oder nicht! 

Toast Hawaii kennen wir alle – entweder man mag das oder eben so gar nicht – und auch die Vorliebe der Autorin für Marmeladebrot mit Käse kenne ich aus dem Bekanntenkreis. Ich denke, wenn man damit aufwächst, ist das nicht sonderlich ungewöhnlich von der Kombi her. Bei uns gab es ja auch immer Bratwurst mit Apfelbrei und ich finde das nach wie vor ultra lecker. Wenn dann bei „Smoothies und Bowls“ allerdings in der „Green Bowl mit karamellisierten Zwiebeln und Parmaschinken“ Mandelmilch, Puderzucker, Zimt und Honigmelone auf Salz, Basilikum, Zwiebel und Parmaschinken treffen, dann ist das schon heftig. Weit gewöhnlicher die „Papaya-Kürbis-Bowl mit Kurkumadressing“, der „Good Morning Smoothie mit Kaki und Tomate“, die „Kurkuma Latte -Holden Milk“ oder die „New York Cheesecake Smoothie mit Waldbeeren und Schokobrezeln“. Bei den „Waffeln“ gibt es vorab verschiedene Grundrezepte bevor diese dann mit „Wasabicreme, Räucherlachs und Honigmandeln“ (Mayo, Wasabi, Zucker, Honig, Erdbeermarmelade und Räucherlachs sind schon eine arg üble Kombination), „Chili Con Carne und Schokolade“, „Knusperhähnchen und Banane“ (Hähnchen, BBQ-Gewürz, Cornflakes, Banane und Ahornsirup – igitt), „Merguez und Mangosalsa“ (Mango, Zwiebel, Mozzarella, Merguez, Puderzucker…), „Gorgonzola und weißer Schokolade“ (Gorgonzola, weiße Schokolade uuuuund Lavendelsirup) kredenzt werden – eindeutig nicht mein Fall. Da bleib ich doch bei den langweiligen mit Früchten oder Sahne. img_4319.jpg
Die „Pancakes und Crêpes“ kommen mit Kreationen wie „Gewürzapfelschwein“ (Schweinelende, Zwiebel, Honig, Apfel – was ja noch recht normal ist), „Zucchini, Kräuterquark und Erdbeeren“ (lasse ich mir auch gefallen), „Chia-Pancakes mit Bergkäse und gebackenen Pflaumen“ (Bergkäse, Thyman, Ahornsirup, Zimt, Honig – auch recht gewöhnlich), „Quinoa-Crêpes mit Forellencreme und Birnenchutney“ (passt auch problemlos) ganz angepasst daher. Auch bei den Pancakes gab es übrigens zu Beginn, was ich sehr schön finde, die Grundrezepte der Teige!
img_4317.jpgBei „Brote und Toasts“ gibt’s vorab „Schnelle Joghurtbrötchen“ und „Schnelles Brot mit Chiasamen“ sowie als Aufstriche „Salzige Mango-Papaya-Butter“ und „Pflaumenmus mit Gruyère“, „Brotaufstrich mit Datteln, Speck und Mandeln“, „Chiaaufstrich mit Erdbeeren und Feta“, „Cashewcreme mit Haferflocken und Rosinen“, „Crunchy Karamell-Butter“, „Vegetarisches Schmalz mit Zwiebeln und Schokolade“, Kirchererbsenaufstrich mit Honig“. Manches davon würde ich eher essen, manches eher nicht. In Summe aber alles nicht so schlimm. Weit schlimmer – wie ich finde – dann „Toast mit Chorizomarmelade, Orangen und Burrata“, „Toast mit gegrilltem Haloumi, Spiegelei und Honig“ und „French Toast mit Schoko-Bacon-Streifen“. Nene, da verweiger ich mich.
Auch bei „Aus dem Ofen“ setzen mir Vorschläge wie „Rhabarber-Crumble mit Parmaschinken“, „Brasilianische Empanadeas mit Rumrosinen“ (Speck, Rindfleisch, Tomaten, Kokoschips, Rumrosinen), „Brezel-Käse-Auflauf mit Pflaumenmus“, „Toast-Muffins mit Ei und salzigen Karamellstreuseln“ oder auch „Filoteigpizza mit Bacon, Spiegelei und Ahornsirup“ ziemlich zu. Wenig besser auch die „Blätterteigschnecken mit Zimt, Chorizo und Chorizomarmelade“…. ich nehme dann nur einen Milchkaffee zum Frühstück, bitte.
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Bei „Omeletts und Co“ werden uns serviert „Kokosomelett mit Bananen, Erdnüssen und Reis“, „Sweet Omelett mit Garnelen“, „Frittiertes Cornflakes-Ei auf süßer Avocadocreme“ und „Eggs Benedict Hawaii im Croissant“ – sorry, da wird mir dann doch schlecht bei den Kombis. Das ist eindeutig nix für zarte Geschmacksknospen und empfindliche Mägen. Kommt zwar im Prinzip eh alles zusammen, was man isst, aber doch nicht alles auf einmal…
img_4315.jpgLast but not least gibt es „Für den größeren Hunger“ „Himbeerrisotto mit Lammfilets und Parmesan“, „Kokossuppe mit Bananen und Spinat“, „Mango-Bananen-Ceviche mit Süßkartoffelcreme“ und „Gefüllte Hackbällchen mit Erdbeer-Radicchio-Salat“ (Hack, Cranberrymarmelade, Camambert, Erdbeeren, Vanille…) – okay, satt. Sowas von.
Ich bin ja ein experimentierfreudiger und offener Mensch, aber hier geht es mir vielfach einfach zu bunt zu. Da hat man das Gefühl, dass da einfach auf Biegen und Brechen (im wahrsten Sinne des Wortes) süß und salzig kombiniert wird – egal, ob das dann passt oder nicht. Ich nenne das jetzt mal schlicht – wenigstens konsequent umgesetzt, finde  aber definitiv nicht alles nachahmenswert. Was aber bislang noch gar nicht erwähnt wurde, weil die Rezepte einen einfach so fordern, sind die Fotos und die sollten auf keinen Fall unerwähnt bleiben, denn die sind wirklich toll. Nahezu alle Rezepte sind bebildert und die Fotografien sind äußerst ansprechend und machen Lust (solange man nicht liest, was da zusammen verwurschtelt wurde..). Für alle, die ihren Lieben am Frühstückstisch gerne mal den Überraschungsmoment bieten wollen, ist das sicherlich der perfekte Tipp – für alle, die es eher standardmäßig mögen, ist es zu heftig.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆☆ (das Zubereiten schon… es dann essen müssen…)
Alltagstauglichkeit:  ☆☆☆☆ (wer auf Gäste und Freunde beim Essen verzichten kann)
Geschenkqualität: ☆☆☆ (für alle, die gerne mal lästige Gäste loswerden möchten)
Originalität: ☆☆☆☆☆ (hier geb ich definitiv volle Punktzahl, weil ich sowas echt noch nie gesehen habe und es in aller Konsequenz ohne Rücksicht auf Verluste umgesetzt wurde)
© alle Bilder AT-Verlag/ Jo Kirchherr
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