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heimatyou get your „Leibgericht“. So oder so ähnlich könnte man das formulieren, denke ich. Und da passt dann „Das Heimatkochbuch. 100 beliebte Klassiker“ von Bianca Classen und Andreas Neubauer ganz hervorragend. Das extrem schön gestaltete Werk (Hölker Verlag), das komplett ohne Fotos auskommt und stattdessen mit Zeichnungen und Malereien reich geschmückt ist überzeugt schon auf den ersten Blick. Liebevolle und detailreiche Zeichnungen leiten uns durch die Kapitel „Suppen & Eintöpfe“, „Salate & Gemüse“, „Lieblingsrezepte für jeden Tag“, „Sonntagsessen“, „Fisch“ und „Süßes, Kuchen & Gebäck“. Und weil regionale Gerichte ja meist traditionell überliefert sind und sich Oma und Opa damals nur das zubereiten konnten, was gerade verfügbar war, richtet sich hier alles nach der Saison. Was wann Saison hat, erfahren wir im „Saisonkalender“ zusammen mit allerlei hilfreichen Infos rund um „Regionalität“, „Lagerung“ und „Anbau“. 

IMG_4604.JPG„Erbseneintopf“, „Kartoffelsuppe mit Blutwurst“, „Leberknödelsuppe“, „Gulaschsuppe“, „Allgäuer Käsesuppe mit Petersilien-Kresse-Pesto“, „Kürbiscremesuppe mit Orangen und Zimt-Crôutons“ neben „Pichelsteiner Eintopf“ – da bewegen wir uns einmal quer durch Deutschland. Klassische Hausmannskost würde ich das nennen.
Dann gibt es „Wurstsalat mit Radieschen“, „Eiersalat“, „Feldsalat mit Kartoffel-Speck-Vinaigrette“, „Badischer Kartoffelsalat“, „Frankfurter Grüne Soße“, „Birnen, Bohnen, Speck“, „Leipziger Allerlei“, „Rahmiges Pilzragout mit hausgemachten Bandnudeln“, „Bratkartoffeln“, „Petersilienkartoffeln“, „Rösti“ oder „Blumenkohl mit Butterbröseln“ – für mich Großteils Rezepte, die man irgendwie von der Verwandtschaft oder der Oma früher kennt. Ein paar Dinge davon haben natürlich auch bei uns daheim immer mal auf dem Tisch gestanden, aber definitiv eher selten.

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Für jeden Tag – vermutlich kommen dann hier Sachen die ich häufiger aufgetischt bekam – gibt es „Schwäbische Maultaschen“, „Frikadellen“, „Königsberger Klopse“, „Currywurst“, „Strammer Max“, „Trautchens Hühnerfrikassee“, „Himmel & Erde“, „Zwiebelkuchen“, „Rahmspinat mit Spiegelei und Salzkartoffeln“, „Allgäuer Kässpatzen“, „Jägerschnitzel“, „Handkäs  mit Musik“ oder „Gebratene Schupfnudeln mit geschmortem Kohlgemüse“. Kennen tue ich das sicherlich alles, aber bei uns gab es davon nur wenig. Meist waren das Dinge, die in den Restaurants meiner Kindheit auf der Karte standen – damals waren die halt auch viel bodenständiger und wenig abgehoben. Auf alle Fälle sind das definitiv Klassiker, die jeder kennt und die es sicherlich auch in Zukunft geben wird.
IMG_4605.JPGBeim „Sonntagsessen“ folgen „Kohlrouladen“, „Rindsrouladen“, „Rheinischer Sauerbraten“, „Gekochte Ochsenbrust“, „Serviettenknödel“, „Martinsgans“, „Saftgulasch“ und „Schinken im Brotteig“. Zu erwähnen ist, weil ich das ja oft kritisiere, dass viele Rezepte nur als Text ohne Bild daherkommen. Da aber meist selten die Gerichte gemalt werden, sondern eher vereinzelte Zutaten oder regionale Besonderheiten, funktioniert dieses Buch von vornherein nicht dazu, sich Anregungen und Appetit zu holen. Wer hier nachschlägt, der muss gezielt eine Anleitung für einen Klassiker suchen, der möglichst traditionell ohne Schnickschnack umgesetzt wurde.
Was ich aber auch noch erwähnen möchte, sind die Doppelseiten, zu bestimmten Themen wie „Kräuter“, „Pilze“ oder „Alte heimische Gemüsesorten“, bei denen wunderschöne Abbildungen einen Eindruck der Vielfalt bescheren. Das eher kurz und bündig gehaltene Kapitel „Fisch“ enthält „Hechtklößchen mit Spinat und Dillsoße“, „Forelle Müllerin“, „Maischolle auf Büsumer Art“, „Matjesfilet auf Hausfrauenart“ sowie „Miesmuscheln auf rheinische Art“. Im letzten Abschnitt geht es dann zuckersüß zu mit „Arme Ritter“, „Bayrische Creme“, „Rote Grütze“, „Käsekuchen“,“ Süße Mohnschnecken“, „Schwarzwälder Kirschtorte“,“ Dresdner Eierschecke“, „Bienenstich“, „Donauwelle“, „Pfälzer Kerscheplotzer“, „Berliner“, „Dampfnudel“, „Bratapfel“ und einer kleinen Auswahl an Plätzchen.

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Fazit: Schön und voller Kindheitserinnerungen. Als Erbstück, das man in der Familie weitergeben sollte definitiv eine gute Anschaffung.

ANFÄNGERTAUGLICHKEIT: ☆☆☆ (nö, aber das sollte man alles definitiv lernen)
ALLTAGSTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆ (klar)
GESCHENKQUALITÄT: ☆☆☆☆ (für alle, die in Kindheitserinnerungen schwelgen möchten)
ORIGINALITÄT: ☆☆☆☆ (weil es einen beim Durchblättern glücklich macht und Erinnerungen weckt)
©ALLE BILDER/ HölkerBianca Classen
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