100 Rezepte und jede Menge Text

easy-peasy-familienkueche-168993523.jpgWie die Autorinnen Clare van den Heuvel und Vera van Haren (Edel Verlag) selbst erklären, handelt es sich bei  „Easy Peasy Familienküche: Die neue gesunde Küche für die ganze Familie“ nicht um ein eines Kochbuch, sondern „neben allerhand leckeren, nahrhaften und spannenden Rezepten wollen wir noch viel mehr mit Ihnen teilen, nämlich unsere Ideen und Ansichten über gesunde Ernährung, über Erziehung und (Ess-)Verhalten.“ Das klingt auf alle Fälle ziemlich ambitioniert und ebenso ambitioniert sind auch die Texte, denn bevor wir zu den Rezepten gelangen, erwarten uns erst einmal rund 60 Seiten mit „Food Regeln“, „Erziehungsstil und Essverhalten“, „Ernährung und Gesellschaft“ sowie Basics dazu wann, wie, wo man was essen sollte. 
IMG_5077.jpgFür Eltern, die generell gerne erstmal einen Plan an die Hand bekommen möchten, kann das so durchaus sinnvoll sein, wobei ich leider bezweifle, dass diejenigen, die diesen Ratgeber am nötigsten hätten, ihn auch kaufen und lesen. Bevor wir einen Blick auf die Rezepte werfen, greife ich einmal auf das dritte Kapitel vor, das uns unter „So wird’s gemacht“ dann noch wichtige Informationen rund um den täglichen Nährstoffbedarf, die sinnvolle Einteilung auf dem Teller und allerlei Tipps rund um Bevorratung, Planung und Lagerung liefert. Eine Anleitung dazu, sich selbst zu helfen quasi, die aber bei sehr unsicheren Eltern vielleicht wirklich eine gute Hilfestellung sein kann, vermute ich.
IMG_5080.jpgBei den Rezepten gibt es die fünf Kapitel „Zu Hause“, „Familie & Bekannte“, „Schule & Freunde“, „Sport & Spiel“ und „Unterwegs und im Urlaub“. Dahinter verbergen sich Anleitungen für „Einfaches Dinkelbrot“, „Bananen-Haferflocken-Brot“, „Rosinen-Kokosbrot“, „Reisbrei mit Mandeldrink, Bananen & Roten Johannisbeeren“, „Chia-Haferflocken-Pudding mit macadamia, Mango & Maracuja“, „Haferflocken aus dem Ofen mit Apfel, getrockneten Beeren, Zimt & Ahornsirup“, „Amaranthbrei  mit Himbeeren, Heidelbeeren & Haselnüssen“, „Ei-Muffins“, „Ei-Wrap“, beim Hauptgericht „gegrilltes Lachsfilet mit Kräuterkruste, Ofenkartoffeln & Romanesco“, „Knuspriges Hähnchenfilet mit gemischtem Gemüse & Vollkornreis“, „Eintopf aus Knollensellerie, Kichererbsen & Roter Bete mit Würstchen“, „Knuspriger Tofu mit schwarzen Bohnen, Tomaten, Guacemole & Zitrone“, „Süßkartoffel & Hackfleisch mit Joghurt-Minze-Dip“, „Rote-Bete-Kokos-Suppe“, „Zucchinetti mit Zwiebel-Zitronen-Pesto“, „Bunte Pasta mit Basilikum-Avocado-Pesto, grünem Spargel & Feta“ und zum Nachtisch „Gegrillter Pfirsich mit Mandeln & Honig“, „Erdbeer-Bananen-Eis mit Vanille & Minze“. Und auch hier gibt es zu jedem Kapitel ein richtig umfangreiches Intro mit Erklärungen und Tipps.

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Weiter geht es mit „Kirsch-Käsekuchen“, „Rainbow Pancakes mit essbaren Blüten“, „Schoko-Himbeer-Gugelhupf mit Zucchini & Süßkartoffeln“, „Rote-Linsen-Burger“, „Quinoa-Garnelen-Frikadelle“, „Rotkohlwraps mit Kräuter-Nuss-Rosinen- Hirse & Hummus“… vielleicht bin ich ja die falsche Generation, aber ganz ehrlich, essen das die Kinder heutzutage? Ich hätte da früher ja geheult, wenn man mir diese Sachen serviert hätte. Mit über 30 finde ich das jetzt alles ganz spannend und sicher auch vieles lecker, aber wie schaffen die Autorinnen es, dass das von den Kindern gegessen wird? Vielleicht muss man damit aufwachsen, damit man das nicht anders kennt, ich finde es aber nicht wirklich kindgerecht…
IMG_5081.jpgAuch „Vollkornwraps mit Makrele, Feldsalat, Gurken & Mayo“, „Flammkuchen mit Sauerkraut & Wurststückchen“, „Graupensalat mit Grünkohl, Feta, Mandeln & Granatapfelkernen“, „Kartoffelsalat mit Avocados & Kresse“, „Geröstete Kurkuma-Kichererbsen mit Kokos“, „Grünkohlchips“, „Spinat-Linsen-Feta-Tarte“, „Brokkoli-Schokoladen-Muffins“, „Kombucha“, „Rosa Eiweiss-Powershake“, „Grüner Eiweiss-Powershake“, „Golden Milk“, „Kürbis-Spinat-Lasagne mit Datteln & Hüttenkäse“, „Nasi-Seitan mit Tahinisauce“, „Quesadillas mit Azukibohnen, Queller, Wirsing, Avocado & Ricotta“ oder „Quinoa-Riegel mit Trockenobst“ fallen nicht unbedingt unter das, was ich als kindgerechtes Essen einstufen würde. Mag ja sein, dass das alles gesund ist, aber irgendwie macht mir das eher Angst. Da seh ich dann diese Helikoptermütter, die Torben-Nils-Leonhard nie im Dreck spielen lassen, sondern auf einem gepflegten Rasen mit Knieschonern während sie im Garten sitzen, ihn bewachen und Latte Macchiato trinken. Neeeneee, das ist mir zu heftig.
Im Kapitel „Unterwegs und im Urlaub“ gibt es dann statt Rezepten nur gute Ratschläge  – aber bei den Rezepten ist das vielleicht auch besser so. Teil 3, in dem es dann noch „So wird’s gemacht“, „Der tägliche Bedarf“, „Easy Peasy Baukasten“ und „Easy Peasy Vorrat“ sowie „Spartipps“ liefert ist genau das, wonach es sich anhört: Besserwisserei. Die meisten Dinge davon weiß man meiner Meinung anch eh und wer es nicht wusste, aber bislang seine Familie auch so satt und glücklich bekommen hat, der braucht die Tipps auch nicht mehr. Für mich leider ein komplett überflüssiges Buch, das den Alltag mit Kind sicherlich keineswegs einfacher gestaltet.

ANFÄNGERTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆☆ (das schon…)
ALLTAGSTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆☆ (ja, aber glückliche Kinder gibt’s damit nicht)
GESCHENKQUALITÄT:☆ (für -ähhh- nöö)
ORIGINALITÄT: ☆ (sorry, ich finde die Philosophie dieser Übermütter nicht alltagstauglich und die Rezepte nicht kindgerecht also nein)

©alle Bilder Edel Verlag/ Jeroen van der Spek
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