Sesam öffne dich – Kühlschrankspionage

IMG_5433.jpgIch gebe ja zu, dass ich bei Freunden ganz gerne mal heimlich den Kühlschrank inspiziere. Ich gehe normalerweise nicht an fremde Schränke und Schubladen, aber bei Kühlschränken fallen da irgendwie immer alle Hemmungen, denn hier bin ich so unfassbar neugierig. Was verwenden die anderen für Saucen und Würzmittel, welche Getränke sind gelagert, was befindet sich in der Gemüseschublade – sofern es eine solche gibt und diese nicht zweckentfremdet wurde. Und ganz wichtig für mich: Gibt es irgendwas, das ich noch nicht kenne? Mit genau dieser Vorfreude stürze ich  mich dann auch auf „Inside Chefs‘ Fridges, Europe: 40 europäische Spitzenköche öffnen ihre privaten Kühlschränke“ von Carrie Solomon und Adrian Moore (Taschen Verlag). IMG_5434.jpgWas haben wohl Profiköche so daheim in ihrem Kühlschrank – vor allem, wenn man bedenkt, dass die ja den ganzen Tag nur Essen um sich herum haben und quasi alle Produkte in Spitzenqualität in den Restaurants zur Verfügung stehen haben. Ich persönlich hätte daheim wohl nur Getränke im Kühlschrank und würde  mir auf der Arbeit was Leckeres gönnen (jaja, das darf man wahrscheinlich nicht und außerdem ist man ja nicht jeden Tag rund um die Uhr auf Arbeit und hat vielleicht doch mal daheim Hunger..).
Und natürlich auch die Frage, ob Köche daheim vielleicht Maggi und Knorr stehen haben, sich an Fertigsaucen bedienen und gar nicht mehr selbst kochen mögen. Fragen über Fragen und zum Glück liefert uns das Buch darauf zumindest einige Antworten. Wir erfahren vorab noch etwas über Autor und Fotografin, die Veränderung der Vorratshaltung beim Menschen mit Entwicklung des Kühlschranks und natürlich gibt es einige Worte zum Projekt und den vorgestellten Köchen. „40 kulinarische Vordenker mit 60 Michelin-Sternen“ werden uns versprochen und ich bin gespannt. Frankreich, England, Dänemark, Deutschland, Italien, Schweden, Portugal, Spanien und Belgien sind vertreten, aber die Vertreter selbst sagen mir vom Namen her leider nichts. (Für Deutschland öffnen ihre Türen Daniel Achilles (Berlin), Sven Elverfeld (Wolfsburg), Klaus Erfort (Saarbrücken) und Douce Steiner (Sulzburg)). Zum Glück gibt es daher bei jedem einzelnen eine kleine Biografie bevor wir einen Blick in den Kühlschrank werfen dürfen.
IMG_5436.jpgManche Kühlschränke (Frankreich) sind winzig, andere riesengroß (England), in manchen herrschat Chaos und man einer ist so aufgeräumt, dass ich mir sicher bin, dass der normalerweise nicht so aussieht. Aber im Detail: Eine Zeichnung zeigt uns einmal den Kühlschrank von außen, damit wir überhaupt wissen, mit welcher Dimension wir es zu tun haben, das Foto vom Innenleben ist dann wiederum beschriftet, damt wir die einzelnen Tuben, Gläser, Dosen und Tüten erkennen. Bei manchen ist auf den ersten Blick klar, was drin ist, bei manchen ist alles geheimnisvoll verpackt und bei manchen hat man den EIndruck, dass die beim Foto gut wegkommen wollten. Wer drapiert bitteschön sein Gemüse und sein Obst extra in Schalen im Kühlschrank und legt den Fisch dekorativ unverpackt obendrauf? Eben. An manchen Stellen muss man da echt lachen.

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Spannend sind die Inhalte aber für mich auf alle Fälle. Bei den meisten findet man auf alle Fälle Senf, Sojasauce, Chilisauce und Eier sowie irgendwas an Alkohol. Während manche Inhalte aber extrem normal und gewöhnlich daherkommen, muten andere wiederum exotisch und teilweise auch sehr gewöhnungsbedürftig an. Besonders makaber fand ich die „Frühjahrslorcheln“ mit dem Beisatz „sehr giftig, wenn falsch zubereitet“. Na danke, das wollte ich nicht unbedingt im Kühlschrank haben.
IMG_5435.jpgUnd weil es eben Köche sind, steuert auch jeder noch mindestens ein Rezept bei (oftmals aus dem zubereitet, was wir da im Kühlschrank gesehen haben). Da gibt es dann Rezepte für „Zwei-Milimeteromelett mit Oliven“, „Krabben-Ei-Tacos mit Frankfurter Grüner Soße“, „Eingelegte Babykarotten“, „Salat aus Emmer und dicken Bohnen“, „Bunte Bee-Tarte mit Mozzarella“, „Gegrillte Avocados mit Curry und Mandelöl“, „Penne mit Kohlrabi und Stracciatella“, „Soba-Nudeln mit Tempura-Garnelen“, „Pikante Linguine mit Zitrone“, „Herzmuscheln mit Artischocken“ und vielen mehr.
Ach, das Buch macht einfach Spaß. Wer ebenso gerne wie ich heimlich bei Freunden schnüffelt, der wird auch hier seine Freude haben und sich mit einem kleinen Schuss Voyeurismus durch die verborgenen Innenleben von Bosch und Co blättern. Dazu die unterhaltsamen Informationen zu den Köchen voilá – sehr cool. Ungewöhnliche aber tolle Idee, die absolut überzeugend und schön umgesetzt wurde. Großes LIKE!

ANFÄNGERTAUGLICHKEIT: ☆☆☆ (eher nicht, es sind halt doch richtige Köche…)
ALLTAGSTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆ (der Großteil)
GESCHENKQUALITÄT: ☆☆☆☆ (für alle neugierigen Kühlschrankvoyeure)
ORIGINALITÄT: ☆☆☆☆☆ (ich finde das Buch unglaublich unterhaltsam und einfach anders)

©alle Bilder Taschen/ Carrie Solomon
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