Peace, Food und tausende Autorenbilder

img_5535Ich mag Fotos in Kochbüchern. Sehr sogar. Fotos von Zutaten, Gerichten, Kochvorgängen, ja auch von Landschaften und Kulturen, Gruppen und Tieren, wenn sie irgendwas mit dem Buch zu tun haben. Was mich allerdings irritiert ist, wenn rund die Hälfte der Fotos im Buch den Autor in diversen essenden Posen zeigt. Schön, dass es ihm schmeckt, aber man kann es auch übertreiben. Bei „California Kitchen. Peace, Love & Food“ von Christian J. Goldsmith (Tre Torri Verlag) erreicht das Ausmaß der Eigenportraits ungeahnte Dimensionen. Wenn denn wenigstens die Rezepte überzeugen, lass ich mir das vielleicht sogar gefallen.

img_5541Vorab gibt es ein paar grundlegende Infos zu Californien, das nämlich nicht das klischeehafte „dicke Amis“ und „XXXL-Portionen“ bedeutet, sondern gesundheitsbewusste Models, Veganer und Businessleute. Demenstprechend fallen auch die Rezepte hier deutlich gesünder aus, als man sich das bei amerikanischer Küche zuerst vorstellen würde. Okay, dass im ersten Rezept, dem „Matcha Shake“, gleich mal vier Kugeln Vanilleeis versenkt werden, lässt mich schmunzeln, aber dann geht es deutlich figutbewusster weiter. „Start in den Tag. (Süße und herzhafte Frühstücksideen für jeden Tag)“ lautet das erste Kapitel und liefert „Superfood Smoothie Bowl“, „Granola mit Goji-Beeren“, „Porridge mit Beeren“, „Breakfast Couscous Bowl“, „Müsli pikant“ und „Dinkel Pancakes mit creamy cheese“, „Spiegeleier mit Bacon und Gurke“, „Kräuter Frittata mit Räucherlachs“, „Tarte mit Erbsen und Ziegenkäse“, „Rote Bete Sandwich“. Alles ganz okay, die herzhaften Müsli und Bowl-Varianten sind dann doch etwas gewöhnungsbedürftig, aber sicher auch ganz nett. Was mich jedoch stört, sind ganz eindeutig die Fotos.
img_5540Da, wo tatsächlich das Rezept gezeigt wird, sind sie durchaus ansprechend, bei vielen Strand- Stadt- Palmenbildern fehlt mir hingegen schlicht der Sinn. Ja klar, Californien, aber mir hätte da ein gescheites Food-Foto deutlich mehr gebracht. Von den Fotos mit Mr. Goldsmith möchte ich gar nicht erst anfangen. Mr. Goldsmith spaziert durch die Stadt, Mr. Goldsmith liest Inhaltsstoffe auf Milchbeuteln, Mr. Goldsmith hat eine Schüssel und eine Gabel in der Hand und schaut in die Kamera, Mr. Goldsmith zerschneidet Rühreier, Mr. Goldsmith hält ein Sandwich in der Hand…. wohooo…. äh… nö.
Lachend präsentiert uns der charmante Mr. Goldsmith – einen Burger in der Hand – das zweite Kapitel „Auf die Hand. (Sandwich, Wrap & Co. – leckeres Fingerfood auf die Schnelle)“ mit „Sandwich mit Avocado, Tomate & Spinat“, „Kohl Wraps“, „Enchiladas“, „California Wraps“, „Chicken Wraps mit Koriander“, „Pulled Pork Burger“, „Red Burger Buns vegan“.

Es folgt „Auf die Gabel. (Trendige Salate bringen frischen Genuss auf den Teller)“ mit „Classic Ceasar Salad mit gebratenen Garnelen“, „Birne Walnuss Crunch Salat“, „Karottensalat orientalisch“, „Tintenfisch Salat“, „Radieschen Salat mit Ricotta“, „Quinoa Salat mit Filetspiessen und Pfirsich“, „Pasta Salat mit Pfifferlingen“ oder auch „Papaya Salat mit Reisnudeln und Tofu“. Die Rezepte sind bunt und abwechslungsreich, aber bei mir springt der Funke leider nicht über. Zwischendurch gibt es immer noch – mit zusätzlichen Bildern des Verfassers an verschiedenen Orten – Infos zu einzelnen Californischen Hotspots – yeah.

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Auch im nächsten Bereich „Auf den Löffel. (Heißgeliebte Suppen zum Auslöffeln und Genießen)“ das uns Ideen wie „Hühnersuppe Fusion Style“, „Gazpacho mit Brotsticks“, „Asia Hotpot“ und „Gemüsesuppe mit Kokos“ liefert und dann auch schon wieder so schnell endet, wie es begonnen hat – macht es nicht „klick“ bei mir.
img_5539„Veggie time. (Pfiffig-bunte Gemüsevielfalt, die Lust auf frische Veggie-Küche macht)“ heißt es dann bei „Capellini Venice“, „Blumenkohl aus dem Ofen“, „Zucchini Fritters“, „Risotto mit Zucchiniblüten“, „Kürbis-Spinat-Auflauf“, „Glasierte Karotten mit Sesam“ und auch „Ricotta-Tarte mit Meeresspargel“. Kein Einspruch gegen die Auswahl an Rezepten, aber ich würde einfach lieber wissen, wie das „Quinoa Tex-Mex“ oder dieser Kürbis-Auflauf aussehen und nicht der Koch oder ein Kürbis als Ganzes. Schade.
„Aus der Pfanne. (Saftiges Fleisch, knupriges Geflügel und umhüllter Fisch versprechen leichten Bratgenuss)“ werden uns „Low Carb Burger mit Süßkartoffel-Cranberry-Gemüse“, „Riesen-Garnelen on a stick“, „Seelachs im Zucchinimantel“, „Schnitzel mit Rösti, Kürbis und Lauchpesto“ sowie „Grilled Steaks mit BBQ Sauce“ kredenzt.
img_5538Bevor wir das Finale bei den „Sweets. (Zum guten Schluss was Süßes für die Seele)“ ansteuern, gibt es noch zwei drei Anregungen für „Smoothies. (Mix it  Avocado, Matcha & Co. verleihen pure Energie)“ und dann landen wir bei „Sugar Cookies“, „Erdbeer Donuts vegan“, „Zitronen-Tiramisu“, „Cheesecake Mango „to go““, „Mango Chia Popsicles“, „Mandarinen Muffins“, „Pumpkin Pie mit Baiser“, Avocado-Brownies“, „Carrot Cake“ und „Flamingo Cheesecake Bars vegan“ – auch bei denen weiß ich leider nicht, wie sie aussehen, dafür aber, wie der Autor beim Einkauf einer Ananas …
Mit diesem Buch tue ich mir wirklich schwer. Viele der Kreationen sind für mich absolut nicht dieser Küche zuzuordnen, sondern derzeit als Trends überall weltweit zu finden, bei vielen Ideen ist das, was sie „amerikanisch“ macht, das einzige Kriterium wohl der Name und wenn ich auf jeder zweiten Seite in das übertriebene Lächeln von Goldsmith starre, dann vergehen mir ohnehin irgendwann der Appetit und die Lust aufs Blättern. Etwas weniger Selbstverliebtheit und Selbstdarstellung, etwas weniger „yeah, that’s California, baby“ – stattdessen mehr sinnvolle Bilder und ich könnte dem Ganzen deutlich mehr abgewinnen.

ANFÄNGERTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆ (richtig gekocht wird ja selten)
ALLTAGSTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆ (durchaus alles machbar und gut umsetzbar)
GESCHENKQUALITÄT: ☆☆ (für Fans von Gldsmith?!)
ORIGINALITÄT: ☆☆ (überzeugt mich leider so gar nicht)

©alle Bilder TRe Torri/ Ingolf Hatz & Julia Hildebrand/ Johannes Grau
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