Das neue Trinken 2.0

wasser.jpgIn der heutigen Zeit, in der sich ja kaum noch einer nur nach dem Motto „schmeckt mir, ess ich“ ernährt, sondern jeder auf irgendwas achtet und irgendwas meidet, die Menschen sich zumindest in der Theorie weit mehr mit ihrem Essen auseinander setzen als jemals zuvor (- und dabei oftmals einen weit größeren Müll essen als jemals zuvor-) und die Themen „Achtsamkeit“ und „Bewusstsein“ quasi omnipräsent sind, da ist es dann natürlich naheliegend, dass sich das auch aufs Essen überträgt. Wir hätten da zum einen natürlich so etwas wie die Craftbeer-Szene, aber auch in anderen Getränkesparten die Besinnung auf regionale Produkte, das Zelebrieren der Langsamkeit (- Kaffe wird wieder gebrüht) und insbesondere die Hinwendung zu alkoholfreien Getränken. So war es nur eine Frage der Zeit, wann sich ein ganzes Bch einmal der Frage widmet: Was trinke ich zu gesellschftlichen Anlässen, wenn ich keinen Alkohol möchte, mir Wasser aber auf die Dauer zu langweilig ist?! „Die neue Trinkkultur. Speisen perfekt begleiten ohne Alkohol“ von Nicole Klauss (Westend Verlag) setzt sich genau damit auseinander.

Der Antialkoholiker – ob schwanger, Fahrer, religiös bedingt, gesundheitsbedingt – ist in der Getränkewelt quasi das Pendant zum Vegetarier beim Essen. Das, was den anderen die Beilage zum Hauptgang (also Wasser/ Saft/ Limo zum Wein), ist für ihn immer die „Hauptspeise“. Ein individuelles und eigenes Angebot an Getränk gibt es selten. Doch so, wie man irgendwann die Nase voll hat von Salat, Bratkartoffeln und Beilagengemüse, ist Wasser auf die Dauer doch ein wenig unspektakulär.
Genau dieses Problem sah auch die Autorin und setzte sich intensiv mit der Frage auseinander: welche Getränke ohne Alkohol kann man zum Essen reichen? Die Antwort dabei erstaunlich vielfältig. Wichtg ist, dass die Aromen und Texturen harmonieren. Deswegen gibt es vorab eine kleine Kunde zu den unterschiedlichen Pairings, also der idealen Kombination von Geschmäckern. Sehr interessant und toll, das mal so aufgeschlüsselt zu lesen. Es folgt an erster Stelle dann natürlich das Getränk Nr1: Wasser. Auch hier gibt es starke Unterschiede, denn nich jedes Wasser unterstützt jedes Gericht optimal. Kohlensäure, Mineralgehalt, Temperatur – alles hat Einfluss auf die Wahrnehmung des Gerichts. Ausführlich werden hier verschiedene Sprudel vorgestellt und erläutert.
Dann kommen die Säfte, wobei es sich hier um die verschienden Arten (Saft, Konzentrat), die Obstsorten und natürlich erneut die Kombinationsmöglicheiten dreht. Besonders schön ist hier die Übersicht, welcher Saft-Mixturenwelchen Wein ersetzen können, weil sie ähnliche Nuancen aufweisen. Eher  überrascht hat mich das nächste Kapitel: Milch. Aber tatsächlich passt diese als Buttermilch oder fermentiertes Getränk ganz hervorragend zum Beispiel zu indischer Küche.
Auch Tee ist in seiner ganzen Vielfalt ein dankbarer Begleiter. Welcher Tee zu welchem Gang, welche Sorte unterstützt welche Aromen – hier erfahren wir es.
Natürlich darf auch das derzeit in aller Munde befindliche „aromatisierte Wasser“ nicht fehlen. Wir erfahren diesmal nicht nur, wozu man welches „infused water“ kredenzen kann, sondern auch gleich, wie wir es selbst zubereiten. Ist nämlich viel günstiger und gesünder als das, was es fertig zu kaufen gibt.
Unter dem Titel „Shrubs“ kann ich mir erstmal nichts vorstellen und erfahre dann, dass damit ein „Colonial-Day-Drink“ aus Essig, Frucht und Zucker gemeint ist. In anderen Kulturen gibt es das als gefrorene Komposition unter dem Namen Sherbets … hmmm… keine Ahnung, ob das jetzt so meins wäre. Auch mit den „Switchels“, also Apfelessig, Ingwer, Zitronensaft und Ahornsirup hab ich es nicht so. Das kommt ja momentan als so called „Power Booster“ zum Abnehmen in den Medien ganz oft vor. Und dann gibt es auch noch die Möglichkeit, puren Digestiv-Essig zu reichen.
Das ist zwar ein sehr spannendes kapitel, aber da bleib ich dann doch lieber bei meinem Saft oder der Schorle, befürchte ich.
Es folgen noch Kombucha und Wasserkefir so wie allerhand Tipps zum alkoholfreien Trinkvergnügen . ein umfangreicher Anhang mit Restaurant-Tipps, Pairing-Anregungen und Rezepten rundet das Werk rundum stimmig ab.  Definitiv sehr cool und neu!

ANFÄNGERTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆☆ (Zusammenschütten, rühren, mixen – check)
ALLTAGSTAUGLICHKEIT: ☆☆☆ (daheim ja . Im Restaurant bekommt man das nicht) GESCHENKQUALITÄT: ☆☆☆☆☆ (für alle, die erwachsene Alternativen zu Wasser suchen) ORIGINALITÄT: ☆☆☆☆☆ (definitiv Zeitgeist und ein neuer Ansatz, der schön umgesetzt ist und ganzheitlich gedacht wurde)

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