Essen, Wein & eine große Portion Liebe

food.jpgIch wiederhole mich, wenn ich hier erneut auf den Pfälzer und seine Liebe zu gutem Essen und leckerem Wein hinweise, daher geht es stattdessen schnurstracks zu „Food, Love & Wine. Die besten Rezepte zum Wein.“ von Kerstin Ghetto und Natalie Lumpp. Letztere ist bekannt als Autorin und Sommeliere, aber auch als Kritikerin bei der ein oder anderen Kochsendung. Kerstin Ghetto kenne ich als Bloggerin und verbandelt mit der Pfälzer Weinszene. Außerdem war sie jüngst erst beim Perfekten Dinner zu sehen. Beide Damen also optimal dafür geeignet, diese Themen kompakt in ein Buch zu packen. wein.jpgBereits die ersten Seiten (also die, bevor das eigentlich Buch losgeht) werden sinnvoll für eine Tabelle genutzt, die einem zeigt, welcher Wein zu welchem Essen passt. Da es ja unendlich viele Rebsorten gibt, beschränken wir uns hier auf „Leichter Weißwein“, „Kräftiger Weißwein“, „Leichter Rotwein“, „Kräftiger Rotwein“, „Rosé“, „Schaumwein“ und „Süßwein“. Noch ein paar schöne Reben-Bilder, eine kleine Einführung von Kerstin zum Thema „Mein Weg zum Wein“ mit kurzem Winzerporträt (wo vom Wein die Rede ist, darf schließlich ein würdiger Vertreter – hier in Form von Christian Brendel – nicht fehlen), ein Bericht zu ihren Erfahrungen im Weinberg und schon stürzen wir uns in das Buch, das nach den eingangs kurz aufgeführten Wein-Einteilungen aufgebaut ist.
Vor dem ersten Rezept allerdings – so viel Zeit muss sein – gibt es noch so ein paar grundlegende Infos zur Sensorik, der Frage, wo man seinen Wein kaufen sollte (Winzer, Supermarkt oder Fachhandel), zur Herkunft des Weines aber auch die immer wieder spannende Frage nach dem angemessenen Preis kommt auf den Tisch.
In den einzelnen Kapiteln selbst werden die oben benannten Weinkategorien noch ein wenig näher beleuchtet hinsichtlich Charakteristik, Stilistik und klassischer Vertreter (nicht nur in Deutschland). Dann gibt es „Riesling-Senf-Kaviar mit Gurken“, Lachstarte mit grünem Spargel“, „Feldsalat mit karamellisiertem Ziegenkäse auf Apfel-Traminer-Relish“, „Moules Frites“, „Crêpes Madame“, „Spargel mit Kräuterflädle und Schinken“, „Clafoutis mit Pfifferlingen“, „Räucherforelle mit Erbsen und Frühlingszwiebeln“, „Confierter Lachs auf Gurkenstreifen“ – also die Rezepte (die übrigens ganz eindeutig stark vom benachbarten Elsaß inspiriert sind) gefallen mir richtig gut. Auch die entsprechenden Bilder dazu machen Hunger und was natürlich nicht fehlen darf: zu jedem Rezept gibt es eine Weinempfehlung. Sehr schön!

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Kräftige Weißweine werden zu „Kartoffelgratin mit Steinpilzen“, „Münsterkäse-Flammkuchen mit Spinatsalat“, „Kalbstafelspitz mit Thunfischcreme, Pilzen und Croutons“, „Morcheln mit Rahmspinat, Speck und pochiertem Ei“, „Französische Zwiebelsuppe“, „Dorade in der Salzkruste mit Ratatouille“, „Bouillabaisse en Papillote“, „Kartoffelcremesuppe mit karamellisierten Apfelscheiben und Blutwurstcroûtons“ gereicht. Traditionelle Gerichte werden hier neu interpretiert und bekommen einen Kick durch kreative Ergänzungen. Nicht alle mein Fall, aber ich mag ja auch nicht jeden Wein…
Zu „ROT“ gibt es dann „Salat mit Ziegenfrischkäse und Balsamico-Kirschen“, „Vespereier Saumagen-Style mit Salat“, „Winzertarte mit Blutwurst“, „Ziegenkäsetaschen mit Erdbeer-Pfeffer-Chutney“, „Krosse Blutwurst auf Bratkartoffeln mit Röstzwiebeln“, „Gruyère-Bällchen mit Kräuterquark“ und dann mal nicht zum Wein, sondern stattdessen: „Wintersangria“.

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Dazwischen immer wieder Bilder der Autorinnen und schöne Zitate zum Thema „Genuss“. So macht das Buch richtig Spaß. Auch „Fougasse mit Portweinzwiebeln und Ziegenkäse“, „Filet Tatar mit Wildkräutern“, „Rotweinrisotto mit Roquefort und Walnüssen“, „Cassoulet mit Merguez“, „Tarte Tatin mit Schalotten und Thymian“ und „Artischocken im Körbchen“ harmonieren mit der roten Farbe perfekt. Zum Rose dann eher „Crostardes Nicoise“, „Kaninchenpastete“, „Rillettes vom Schwein“, „Spargelgalette mit Rhabarberchutney“ und „Fischsuppe pikant“. Als Vegetarier ist man in der Pfalz und im Elsaß ein bisschen verloren und genau das merkt man hier ziemlich deutlich. Sogar mir, die ich Fleisch und Fisch esse, ist das ein bisschen zu viel. Könnte auch daran liegen, dass es eben nicht so dezente Sachen mit Pute und Lachs sind, sondern eher die wirklich deftigen Gerichte.
Zum Glück gibt es zum Schaumwein dann „Apfelbeignets mit beschwipsten Erdbeeren“, „Crème au citron meringuie“, „Canaloupe-Melone mit Winzersekt und Estragon“, „Heidelbeerkaltschale mit Joghurtmousse und Pistazienkeks“, „Griess-Vanille-Eis mit Rotweinzwetschgen“, „Armer Gugelhupf mit Vanilleschmand“ sowie „Glühweinmousse“, „Schokoladenküchlein mit Rotweinbirnen“ und noch einige mehr… da würd ich mich sowas von reinlegen, wenn ich könnte. Da bräuchte ich diesen ganzen ersten Teil des Buches gar nicht, mir reicht das hier. Aber ja, ich bin ja nicht alle – und für den klassischen Fleischesser sind diese ganzen anderen Rezepte vermutlich total bombe. Ich gebe ja zu, dass es wirklich lecker aussieht und ich es vermutlich auch essen würde, wenn man es mir serviert. Bestellen würde ich es aber eher nicht. Aber summa summarum ein richtig schönes Buch, das allen, die noch ein bisschen unsicher bei der Kombination von Wein und Essen sicher viele gute Tipps geben kann.

ANFÄNGERTAUGLICHKEIT: ☆☆☆ (dafür ist das oftmals nicht einfach genug)
ALLTAGSTAUGLICHKEIT: ☆☆☆ (da man ja nicht jeden Tag Wein konsumieren sollte..)
GESCHENKQUALITÄT: ☆☆☆☆ (für alle, die bei der Kombi von Wein und Essen noch unsicher sind)
ORIGINALITÄT: ☆☆☆☆ (könnte weniger fleischlastig sein, dann würde es mir besser gefallen)

© Alle Bilder Hölker Verlag/ Kerstin Ghetto/ Daniela Hauk
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