100&1 unbekannte Kräuter und Blüten

det.jpgWeil alle Welt die Tage fastet und es ja nahezu keine Frauenzeitschrift gibt, die nicht irgendwelche Tipps dafür parat hatte, hab auch ich mir fest vorgenommen, mal ein bisschen zu fasten. Jaja, man kann das nicht „ein bisschen“ machen, aber man kann sich ja durchaus raussuchen, ob man das ultra, medium oder light betreibt. Ich würde mal behaupten, dass ich den mittleren Weg gewählt habe, sprich: Saftfasten. Gott sei Dank mag ich (okayokay, der ein oder andere mag mich jetzt pervers finden) Sauerkraut super gerne und den Saft entsprechend auch. Sogar morgens um 07.00 Uhr. Fazit nach 5 Tagen: ging problemlos, aber meine Haut ist nicht besser, ich bin nicht fitter und abgenommen habe ich auch nicht. Neuer Plan: Detox. Zur optimalen Einstimmung hab ich mir „Detox, Baby! Entgiften mit Wildpflanzen und frischen Säften“ von Christine Volm aus dem Ulmer Verlag zugelegt.
det1Das Intro mit der allgemeinen Erklärung dazu, was Detox ist, wie es funktioniert und warum es wichtig ist, nicht nur Schadstoffe auszuleiten, sondern auch unterstützend gute Stoffe zuzuführen, finde ich ja noch nachvollziehbar. Ein erstes mal stutzig werde ich bei der Liste der Dinge, die ich für das „Detoxing“ benötige. „Niempulver“, „Cassia“, „Ghassoul“, „Dulse-Algen“, „Amlapulver“, „Miswak-Zahnbürste“, „Barfuschuhe“ und „Yoga-Bänkchen“. Mir schwant da was ganz Übles. Lauter Zutaten, die ich nicht kenne und dazu dann noch so dieser Esoterik-Kram, bzw. Zubehör für Meditation und Achtsamkeit. Ohweh. Dann geht es erstmal um die Wildkräuter, was sie bewirken, welche es gibt und vor allem natürlich auch die zentrale Frage, woher man sie bekommt… kenne ich gar nix von, geb‘ ich zu.
Bei den ersten Rezepten aus der Rubrik „Säfte“ wiederholt sich diese bittere Erkenntnis. „Sauerkraut/Birne/ Weinbergs-Lauch“, „Heidelbeere/Petersilienwurzel/ Apfel/ Malve“, „Rote Bete/ Apfel/ Staudensellerie/ Behaartes Schaumkraut“, „Birne/ Tamarinde/ Goldnessel“, „Apfel/ Artischocke/ Nelkenwurz, „Granatapfel/ Karotte/ Lindenknospen“, „Apfel/ Mairübchen/ Lärchennadeln“, „Grüner Spargel/ Kiwi/ Limette/ Wiesen-Pippau“ – ich bin raus. Schön, dass es eine extra Einführung zum Thema „Wildkräuter sammeln“ gibt, aber nein.
Det2Für alle, die hier noch dabei wären, gibt es noch die Info, dass bei allen Rezepten oben angegeben ist, welche Geschmacksrichtung man erwarten kann und für welche Jahreszeit das Rezept geeignet ist. Wer genug von den Säften hat, der landet bei „Limonaden – willkommene Zwischenmahlzeit“ mit Ideen wie „Orange/ Ingwer/ Thymian/ Sitz-Wegerich“, „Quitte/ Pfirsich/ Beinwell“, „Sauerkirsche/ Zimt/ Süßdolde“ – sicher alles echt lecker, aber woher zum Kuckuck…
Unter „Lecker Wasser“ finden wir dann den aktuellen Trend „Infused Water“ mit Anregungen wie „Minzklassisch“, „Apfelwiesenleicht“, „Honigsüß“, „Wurzelscharf“ und „Distelnektar“. Und auch hier wieder sehr ausgefallene Zutaten, die man leider definitiv nicht problemlos überall erhält. Was sich hinter den ganzen Kräutern überhaupt verbirgt und wie sie wirken, erfahren wir nun im Anschluss bevor wir uns dann noch der Herstellung von Körperpflegeprodukten – natürlich ebenfalls mit so exotischen Inhaltsstoffen wie bisher – zuwenden. Jaja, ich hätte mir das bei dem Titel schon denken können, dass es sich hier nicht um Basilikum und Schnittlauch handelt, aber dass es so außergewöhnliche Kräuter sind, hatte ich einfach nicht erwartet. Da muss ich ja zum Waldschrat werden, damit ich das alles auftreiben kann.
Da es sich hier um ein Komplettprogramm handelt und wir nun schon den Körper von innen und außen hatten, darf natürlich auch der Geist nicht zu kurz kommen, was bedeutet, dass sich das letzte Kapitel dann noch den Themen „Yoga, Meditation und Bewusstsein“ widmet. Für mich irgendwie ein bisschen zu viel. Jaja, auch Fasten kann man eigentlich nicht einseitig, sondern muss sich komplett darauf einlassen und eben auch den Geist bedienen – ein Grund, warum das bei mir wohl nicht von Erfolg gekrönt war. Wer also einen Ansatz sucht, sich in allen Dimensionen zu „reinigen“ und einmal alle Programme zu säubern, der ist hier sicher richtig. Wer, wie ich, nur ein bisschen den Körper durchspülen möchte, um wieder fitter zu werden, für den ist das vermutlich – insbesondere unter Beachtung der „woher-bekomm-ich-denk-Kram-Problematik“ ein wenig zu hoch gegriffen. Ansonsten ein rundes Buch mit einem durchaus sinnvollen und ganzheitlich durchdachten Ansatz.

ANFÄNGERTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆ (da man theoretisch nur pürieren müsste..)
ALLTAGSTAUGLICHKEIT: ☆ (nur, wenn man im Wald wohnt)
GESCHENKQUALITÄT: ☆☆ (für alle, die auf Detox stehen und Zeit haben)
ORIGINALITÄT: ☆☆☆☆ (ja und auch ein wirklich rundes Werk, aber nicht wirklich „Rezepte“)

©alle Bilder Ulmer

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