Butter hier, Sahne da – wie wunderbar ?!

lichterWas mich bei Lichter und Lafer (ich gehe davon aus, dass die meisten diese beiden Spitzenköche kennen) immer aufs Neue schockiert, ist der Einsatz von Fett in der Küche. Da wird die ohnehin schon reichhaltige Sauce oder Creme nochmal  mit zusätzlich Olivenöl und einem ordentlichen Schlag Butter verfeinert und ein Dessert, das quasi aus Sahne und Zucker besteht, wird nochmal mit extra Sahne, Likör, und Dessertsauce getoppt. Trotzdem mag ich den Lichter extrem gerne und nehme mir seit Jahren vor, endlich mal zu seinem Liveprogramm zu gehen. Bis ich das endlich mal schaffe, gibt es vorab „Alles in Butter. Rezepte zum Glücklichsein“ aus dem Bassermann Verlag.lichter2Weil es auch hier nicht ohne Butter und Sahen geht, erklärt der Horst vorab nochmal, warum Fett als Geschmacksträger so wichtig ist und wo die Redewendung „alles in Butter“ eigentlich herkommt. Ich ahne leider worauf das hinausläuft. Versprochen werden uns ungekünstelte originale Rezepte, die einfach schmecken und so starten wir bei „Typisch Lichter“ mit „Clubsandwich“, „Reibekuchen und Apfelmus“ (sorry, aber „mit einer Scheibe Schwarzbrot, dick Butter und Rübenkraut“ – Butter zu Reibekuchen geht gar nicht), „Zwiebelsuppe“, „Kräftige Hühnerbrühe“, „Gedeckter Apfelkuchen“ – alles okay, aber doch sehr basic. Nach einer kleinen Schimpftirade auf XXL und das Pendant, also Molekularküche, landen wir bei „Klassiker mal anders“ mit „Matjessalat“, „Kartoffeltarte“, „Bauernfrühstück“, „Großmutters Rinderroulade mit Rote-Bete-Gemüse“, „Gefüllter Hackbraten“, „Omelette Surprise“, „Linseneintopf“, „Hähnchen mit Pernod und Knoblauch“ sowie „Eisbein mit Kräuter-Kartoffelpüree und Friseésalat“. Mal abgesehen davon, dass mich die Bilder so leider gar nicht ansprechen, finde ich das alles unglaublich altbacken. Moderne Interpretation? Sehe ich nicht.
Es folgen „Kleine Leckerchen“ wie „Kartoffelsalat mit Speck und Mettwurst im Biermantel“, „Himmel und Erde mit Birnen“, „Berliner“, „Eingelegte Bratheringe“, „Kotelette-Kartoffel-Pfanne“, „Wurstsalat im Salatbeet“, „Zwiebelkuchen“ … irgendwie gefühlt alles so durcheinander.
lichter3Auch „Schneller geht’s  nicht“ mit „Arme Ritter mit Kräuterdip“, „Ferkel auf Toast“, „Nadas Hot Dogs“, „Strammer Max“, “ Steinpilzrahmsuppe“, „Sauerkrautauflauf“ oder „Das perfekte Filetsteak“ überzeugen mich nicht. Obwohl bei allen Kapitel immer auch Süßspeisen dabei waren, gibt es noch einmal die eigene Rubrik „Der süße Horst“ mit „Ananascreme auf Waffeln mit Minz-Sahne“, „Mokka-Muffins“, „Windbeutel mit Sauerkirschen und Eierlikör“, „Birnenauflauf mit Speck“, „Schoko-Brownies“ und „Warmer Apfelstrudel“. Alles wie versprochen bodenständig, ehrlich, ungekünstelt, aber auch irgendwie so banal und unspektakulär, finde ich.
Unter „Aus dem Nähkästchen“ folgen dann nochmal so ein paar grundlegende Tipps zu „Die perfekte Bratensauce“, „Sauerkraut“, „Markbällchen“ und Eierlikör“, „Buttersauce“, „Ketchup“ und „Fond“ – also alles, was man einfach können muss *lach* und dann  als kleine Verbeugung vor seinem Kollegen sozusagen noch eine Rubrik mit Anregungen, die er sich bei Lafer abgeschaut hat. Dort finden wir dann „Backhendl“, „Knoblauchsuppe“, „Nusskuchen mit Quarkcreme“, „Lammbraten aus dem Backofen“ und „Holundersirup“. Nuja…  mit dem Kapitel „Zubehör. Was man wirklich braucht“ endet das Buch.
Was soll ich sagen? Ich bin enttäuscht. Weil dieses Buch mich weder optisch  noch inhaltlich angesprochen hat. Weil ich die Texte von Lichter schön finde, ihn sehr mag und nach wie vor gerne live zu ihm würde, hier aber so gar kein Rezept finde, das ich persönlich nachkochen muss. Schade. Sympathiepunkte für ihn ja, aber nicht für dieses langweilige Werk.

ANFÄNGERTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆☆ (ja, weil es alles recht schlicht ist)
ALLTAGSTAUGLICHKEIT: ☆☆☆☆☆ (auf jeden Fall..)
GESCHENKQUALITÄT: ☆☆ (nur für absolut echte Fans)
ORIGINALITÄT: ☆ (in meinen Augen leider so gar nicht)

©alle Bilder Bassermann/ John M. John

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